, die er wie sonst gefaßt und heiter fand . Sie unterrichtete ihn gern von allem , was vorgefallen war ; denn aus Eduards Reden konnte er nur die Wirkung abnehmen . Er trat von seiner Seite behutsam heran , konnte es aber nicht über sich gewinnen , das Wort Scheidung auch nur im Vorbeigehn auszusprechen . Wie verwundert , erstaunt und , nach seiner Gesinnung , erheitert war er daher , als Charlotte ihm in Gefolg so manches Unerfreulichen endlich sagte : » Ich muß glauben , ich muß hoffen , daß alles sich wieder geben , daß Eduard sich wieder nähern werde . Wie kann es auch wohl anders sein , da Sie mich guter Hoffnung finden . « » Versteh ich Sie recht ? « fiel Mittler ein . » Vollkommen , « versetzte Charlotte . » Tausendmal gesegnet sei mir diese Nachricht ! « rief er , die Hände zusammenschlagend . » Ich kenne die Stärke dieses Arguments auf ein männliches Gemüt . Wie viele Heiraten sah ich dadurch beschleunigt , befestigt , wiederhergestellt ! Mehr als tausend Worte wirkt eine solche gute Hoffnung , die fürwahr die beste Hoffnung ist , die wir haben können . Doch « , fuhr er fort , » was mich betrifft , so hätte ich alle Ursache , verdrießlich zu sein . In diesem Falle , sehe ich wohl , wird meiner Eigenliebe nicht geschmeichelt . Bei euch kann meine Tätigkeit keinen Dank verdienen . Ich komme mir vor wie jener Arzt , mein Freund , dem alle Kuren gelangen , die er um Gottes willen an Armen tat , der aber selten einen Reichen heilen konnte , der es gut bezahlen wollte . Glücklicherweise hilft sich hier die Sache von selbst , da meine Bemühungen , mein Zureden fruchtlos geblieben wären . « Charlotte verlangte nun von ihm , er solle die Nachricht Eduarden bringen , einen Brief von ihr mitnehmen und sehen , was zu tun , was herzustellen sei . Er wollte das nicht eingehen . » Alles ist schon getan , « rief er aus . » Schreiben Sie ! ein jeder Bote ist so gut als ich . Muß ich doch meine Schritte hinwenden , wo ich nötiger bin . Ich komme nur wieder , um Glück zu wünschen ; ich komme zur Taufe . « Charlotte war diesmal , wie schon öfters , über Mittlern unzufrieden . Sein rasches Wesen brachte manches Gute hervor , aber seine Übereilung war schuld an manchem Mißlingen . Niemand war abhängiger von augenblicklich vorgefaßten Meinungen als er . Charlottens Bote kam zu Eduarden , der ihn mit halbem Schrecken empfing . Der Brief konnte ebensogut für Nein als für Ja entscheiden . Er wagte lange nicht , ihn aufzubrechen , und wie stand er betroffen , als er das Blatt gelesen , versteinert bei folgender Stelle , womit es sich endigte : » Gedenke jener nächtlichen Stunden , in denen du deine Gattin abenteuerlich als Liebender besuchtest , sie unwiderstehlich an dich zogst , sie als eine Geliebte , als eine Braut in die Arme schlossest . Laß uns in dieser seltsamen Zufälligkeit eine Fügung des Himmels verehren , die für ein neues Band unserer Verhältnisse gesorgt hat in dem Augenblick , da das Glück unseres Lebens auseinanderzufallen und zu verschwinden droht . « Was von dem Augenblick an in der Seele Eduards vorging , würde schwer zu schildern sein . In einem solchen Gedränge treten zuletzt alte Gewohnheiten , alte Neigungen wieder hervor , um die Zeit zu töten und den Lebensraum auszufüllen . Jagd und Krieg sind eine solche für den Edelmann immer bereite Aushülfe . Eduard sehnte sich nach äußerer Gefahr , um der innerlichen das Gleichgewicht zu halten . Er sehnte sich nach dem Untergang , weil ihm das Dasein unerträglich zu werden drohte ; ja es war ihm ein Trost zu denken , daß er nicht mehr sein werde und eben dadurch seine Geliebten , seine Freunde glücklich machen könne . Niemand stellte seinem Willen ein Hindernis entgegen , da er seinen Entschluß verheimlichte . Mit allen Förmlichkeiten setzte er sein Testament auf ; es war ihm eine süße Empfindung , Ottilien das Gut vermachen zu können . Für Charlotten , für das Ungeborne , für den Hauptmann , für seine Dienerschaft war gesorgt . Der wieder ausgebrochene Krieg begünstigte sein Vorhaben . Militärische Halbheiten hatten ihm in seiner Jugend viel zu schaffen gemacht ; er hatte deswegen den Dienst verlassen . Nun war es ihm eine herrliche Empfindung , mit einem Feldherrn zu ziehen , von dem er sich sagen konnte : unter seiner Anführung ist der Tod wahrscheinlich und der Sieg gewiß . Ottilie , nachdem auch ihr Charlottens Geheimnis bekannt geworden , betroffen wie Eduard , und mehr , ging in sich zurück . Sie hatte nichts weiter zu sagen . Hoffen konnte sie nicht , und wünschen durfte sie nicht . Einen Blick jedoch in ihr Inneres gewährt uns ihr Tagebuch , aus dem wir einiges mitzuteilen gedenken . Zweiter Teil Erstes Kapitel Im gemeinen Leben begegnet uns oft , was wir in der Epopöe als Kunstgriff des Dichters zu rühmen pflegen , daß nämlich , wenn die Hauptfiguren sich entfernen , verbergen , sich der Untätigkeit hingeben , gleich sodann schon ein Zweiter , Dritter , bisher kaum Bemerkter den Platz füllt und , indem er seine ganze Tätigkeit äußert , uns gleichfalls der Aufmerksamkeit , der Teilnahme , ja des Lobes und Preises würdig erscheint . So zeigte sich gleich nach der Entfernung des Hauptmanns und Eduards jener Architekt täglich bedeutender , von welchem die Anordnung und Ausführung so manches Unternehmens allein abhing , wobei er sich genau , verständig und tätig erwies und zugleich den Damen auf mancherlei Art beistand und in stillen , langwierigen Stunden sie zu unterhalten wußte . Schon sein Äußeres war von der Art , daß es Zutrauen einflößte und Neigung erweckte . Ein Jüngling im vollen Sinne des Wortes ,