nicht in unserer Heimath sind . Freundliche Gestalten begegnen dem Pilger , die schnell an ihm vorübergleiten , liebliche Gegenden eröffnen sich ihm , in denen er so gern verweilen möchte - umsonst ! das Schicksal treibt ihn fort , sein Bleiben ist hienieden nicht , und fern , fern von den reizenden Umgebungen , muß er durch ein dunkles grauenvolles Thal , um jenseits die sonnige Höhe zu erklimmen , von deren Gipfel der Kranz der Vollendung strahlt . Ja , meine Junia ! der kurze Frühlingsschimmer meines Glückes ist verschwunden . Trübe Wolken steigen herauf , und verfinstern den freundlichen Tag , in dessen holdem Lichte mein wundes Herz sich zu erholen anfing . Was noch aus mir werden soll , weiß nur Gott : aber , daß er es weiß , daß ich seiner Vaterhuld mein Schicksal getrost überlassen darf , das ist für jetzt , und wird wohl für immer meine einzige Beruhigung seyn . Demetrius fing an , sich nach und nach zu erholen . Er konnte das Bett wieder verlassen , und entwarf bereits mit seinen Offizieren weitere Plane für den Rest dieses , und den Anfang des nächsten Feldzuges . Ich überließ mich sanften Hoffnungen von der Dauer meines Glückes , als auf einmal ein Befehl des Diocletian erschien , der meinem Gemahl in unsanften Ausdrücken die allzugewagte Stürmung von Nisibis vorwarf , und es ihm zum Fehler anrechnete , diese That , bei so weniger Hoffnung auf glücklichen Erfolg gewagt , und so viele Leute geopfert zu haben . Wenn du indessen wüßtest , wie es mit uns stand , wie das Heer von Unmuth , Krankheit und Mangel aufgerieben , weit mehr dadurch verlor , als durch den blutigsten Sturm , wie geflissentlich man es ohne Hülfe ließ , wie - doch wozu dies Alles wiederholen , was ich dir doch nicht so umständlich beschreiben kann , und was jetzt nichts mehr nützt ? Genug , mein Mann wurde des Befehls über seine Armee enthoben . Seine hohen Jahre , seine Krankheit dienten zum bessern Vorwand , und Marcius Alpinus , der ein Liebling des Galerius , und vorher Tribun bei seiner Leibwache gewesen war , ist schon auf dem Wege , seine Stelle einzunehmen . Wie das meinen Mann schmerzt , wie es ihn , den kaum Genesenen , von Neuem niederwirft , sein Gemüth bitter , seine Stimmung reizbar macht , kannst du dir vorstellen ; und daß Alles , was ihn umgibt , und ich zuerst darunter sehr leiden muß , ist wohl eben so natürlich . Er hat auch sogleich seinen völligen Abschied begehrt , er will einem Staate nicht langer dienen , der ihn so mißkennt . Der Vorwand , unter dem ihm das Commando genommen worden , dient ihm eben so , seine Entlassung zu fordern , und wir werden uns in wenig Tagen auf den Weg nach unserer Villa am Ufer des Bosphorus begeben . So wird es mir denn also von den Umständen selbst sehr leicht gemacht , deinen Rath zu befolgen , und mich von Agathokles zu trennen . Es ist auch in Rücksicht dieses Verhältnisses schon eine Zeit her nicht mehr Alles , wie es war , wie es seyn sollte . Ich sah schon vorher mit Schmerz , daß Agathokles meine schöne friedliche Stimmung nicht theilte . Eine unruhige Heftigkeit lag in seinem Wesen . Sein Blick , den er selten offen auf mich richtete , hing oft verstohlen mit wilder Gluth an mir , und sank scheu nieder , wenn ihn mein Auge traf . Ich sah ihn bei meiner unverhehlten Herzlichkeit bald feurig auflodern , bald sie mit starrer Kälte aufnehmen . Jetzt schien er mich mit heißer Liebe zu suchen , jetzt geflissentlich zu vermeiden ; kurz , er war ungleich , launisch , möchte ich sagen , und der stille Frieden entfloh durch dies Betragen auch endlich aus meiner Brust . Ich glaubte indessen nichts darin zu sehen , als die längst gemachte Bemerkung , daß es den Männern so gar nicht möglich ist , eine ruhige sanfte Neigung zu nähren , und sich mit den Rechten und Empfindungen der Freundschaft zu begnügen , wenn ihnen der volle ausschließende Besitz versagt ist , und es that mir weh , sogar einen Agathokles nicht frei von den Schwachen seines Geschlechtes zu finden . Aber seit einigen Tagen bemerkte ich , daß er mehrere Briefe aus Rom und Nikomedien erhielt , und sie sehr angelegentlich beantwortete ; auch schien er mir noch düsterer und tiefsinniger als vorher . Einer dieser Briefe nach Rom war an eine gewisse Calpurnia . Das erfuhr ich zufällig . Calpurnia heißt die schöne Tochter des Lucius Piso , bei welchem Agathokles in Rom gewohnt hat , von deren unwiderstehlichen Reizen ich schon öfters von unverdächtigen Zeugen sprechen gehört habe . Gestern kündigte er uns an , daß ihn Tiridates nach Nikomedien beschieden habe , und er Nisibis noch vor uns verlassen müsse . Wie das zusammenhängt , sehe ich wohl nicht ein , aber daß es zusammenhängt , das fühle ich , und erkenne es bestimmt aus tausend Kleinigkeiten , die ich wohl zu vereinbaren wußte . Ich läugne dir nicht , daß es mich tief schmerzt , nicht allein , daß Agathokles sich , wie es scheint , freiwillig von uns entfernt , und die kurze Zeit unsers Beisammenseyns noch abkürzt , sondern daß er mir , mir , deren Herz so offen vor ihm lag , mir , der Jugendgespielin , der innigsten Freundin ein Geheimniß aus den Schritten macht , die er thut . Zwei Tage werde ich noch mit ihm zubringen , vielleicht die letzten in meinem Leben ! Es ist sehr ungewiß , ob ich ihn je wieder sehen werde , und die kurze Zeit meines Glücks wird mir wie ein Traum vorkommen , aus dem ein unfreundlicher Morgen mich weckte . Und doch soll ich wünschen , von ihm getrennt zu seyn ! Doch soll ich die