, alle Herrlichkeiten der Welt zu umfassen ? Ein Auge , das in die Himmel dringt , will ihren Glanz auf Erden erblicken , und soll sie den heiligen Zorn weniger als die Liebe verstehen ? Kann sie den Frieden ohne den Krieg wünschen ? oder glaubst du , sie gehöre zu den engherzigen Gemüthern , die meinen , mit einem frommen Wunsche die ewige Seligkeit herbei zu rufen ? Das nicht , unterbrach ihn Florio , sie hätte , dasselbe fühlend , doch anders gesprochen . Ich weiß es nicht , warum der Klang dieser Worte ein Mißlaut in Miranda ' s Munde wäre ! Aber in dieser Beziehung fällt er widrig in mein Ohr , und zieht mir das Herz ängstlich zusammen , ach und sie kann es ja nur zu den herrlichsten Gefühlen eröffnen . Hat sie dich so schnell entzündet ? fragte Rodrich lächelnd . Ich begreife es wohl , fuhr er fort , daß du sie nur auf deine Weise verstehen , und jedes strenge Wort in ihrem Munde für einen Frevel halten mußt . Die kühnen , männlich gesinnten Frauen , passen in deinen Himmel nicht , du frommer Sänger ! O , sagte Florio , des Himmels Braut trug der Welt den Sohn mit dem Schwerdte entgegen , aber die Palme blühete in ihrer Hand , und der Friede strahlte aus ihren Augen ! Sie ist mir nicht fremd geblieben , was rechter Art ist , offenbart sich dem Sänger von selbst . Hier stürzte Stephano wie ein freigelassener Löwe herein . Es ist Krieg , rief er mit gepreßter Stimme . Die Marsch-Ordre ist da , wir beide sind des Grafen Adjutanten . Ich bitte dich , komm , den Jubel der Regimenter zu sehen ! Die ganze Stadt ist schon in Bewegung , jedes Herz zittert vor Freude . In der Nacht ist der Courier gekommen . Man sagt laut , der Fürst sey empört , über die frechen Anforderungen des Feindes . Alles theilt sein Gefühl . Jung und Alt strömt herbei . Niemand will zurückbleiben , von allen Seiten erschallen Kriegslieder . Herr Gott im Himmel , rief er mit zusammengeschlagenen Händen , so habe ich es doch endlich erlebt ! Es wird ein großer Tag über diesem Lande aufgehen . Es ist , als blitzte Eine Flamme aus aller Augen , sogar die Weiber , fuhr er fort , fühlen was ein Vaterland sey ! Sogar die Weiber , wiederholte Rodrich , den Stephano ' s Glut unwillkührlich erkaltete , ich verstehe dich nicht wohl , es gab eine Zeit , wo du mit Alexis über den Wahn so einseitiger Anhänglichkeit strittest , und diese Mißgeburt veralteter Zeiten , als längst abgefallen und verwittert ansahest . Ich erinnere mich genau , von dir gehört zu haben , daß jetzt weder von dem Menschen noch dem Staate , als Individuen , die Rede sey . sondern daß die allgemeinen Strebungen das Ganze umfaßten , und das Leben daher weniger in hervorleuchtenden Momenten , als in einem gleichmäßigen Fortschreiten still in einander greifender Kräfte bestehe . Diese weltbürgerliche Gesinnungen halten dennoch wohl die Probe bei ähnlichen Veranlassungen nicht aus , das gleichgefühlte Recht des Eigenthums drängt jeden zu Vertheidigung und Rache . - Ich bin zu befangen , erwiederte Stephano , um mich jetzt vor dir behaupten zu können , und ich gestehe dir auch , daß mir alles , was ich sonst dachte und sprach , in diesem Augenblick sehr schaal und leer erscheint . Ich mag gar nicht untersuchen , was mich jetzt so über allen Ausdruck bewegt , was , wie tausend zuckende Blitze meine Brust durchfährt , und mich in freudiger Wuth fortreißt , so daß ich nirgend Ruhe finde , und selbst Hand an mich legen möchte , um die innern Vulkane auszuströmen . Wer kann jetzt motiviren und klügeln ? Es mag seyn , daß die bloße Kampflust mich und Alle treibt , daß die große Reibung gesammter Kräfte die innern Schwingen hebt , und Vaterlandsliebe und Eigenthumsrecht weit überflügelt , es mag auch anders seyn , ich weiß nichts , gar nichts , als daß ich endlich einmal messen und prüfen will , was ich vermag . Der Schneckengang nüchterner Thätigkeit trennte ja alle freie Bewegung , Niemand weiß was er soll und kann , so lange die ungeübte Kraft wie ein blödes Kind in die Welt hineinsieht , und jede kühne Regung gefangen hält . Jene erschöpfenden Definitionen fallen von selbst , sobald das rechte Leben anhebt . Die alten Helden , sagte Florio mit bescheidener Stimme , die noch einen Glauben und eine Liebe kannten , wußten , meine ich , trotz aller wilden Streitlust , dennoch warum sie fochten , und ich dächte , wer das Recht und die Wahrheit nicht von Angesicht zu Angesicht schauete , der könne nie auf Sieg hoffen . Stephano , der in seiner Freude den Jüngling bis dahin nicht bemerkt hatte , ward seltsam durch die Milde seiner Stimme getroffen ; er betrachtete ihn aufmerksam , dann sagte er , den Kopf in beide Hände stützend , ich mag jetzt über nichts streiten , Gott weiß es , wie verworren und wild es in meiner Brust tobt . Sie sollten mit uns gehen , fuhr er nach einer Weile , Florio die Hand reichend , fort ; ihr Anblick müßte jedem wohlthun , und die unruhigen Begierden sänftigen . Ich folge meinem Rodrich überall , erwiederte dieser , wohin sein Schicksal ihn führt . Rodrich , den die letzten Worte wieder in seine gewohnte bessere Stimmung hinüberzogen , drückte ihn gerührt an sein Herz , indem er sagte , jetzt , mein guter Junge , darfst du mich nicht begleiten , das verbietet die hergebrachte Ordnung . Manches rohe Wort könnte dich treffen , was mich und dich kränken würde . Aber nahe wollen wir einander dennoch bleiben , und ich will zu dir wie zu meinem guten Engel flüchten , wenn das Leben