Erlaubte ich mir aber je eine moralische Schminke , wollte ich mehr scheinen , als seyn ; ich würde meinen Beschützern nie wieder in die gütigen Augen blicken können . Legen Sie äußerlich immer ein wenig auf , Mademoiselle ; es würde Ihnen recht gut kleiden . « Unter dergleichen und andern noch erheiterndern Gesprächen wurde Onkel ganz begeistert , und fing wirklich schon an , der Gesellschaft in entferntere Zimmer nachzuschurren . Adelaide und Ferdinand von Rehthal , Albertinens Bruder , hatten allen neues , rascheres Leben mitgetheilt ; nur Albert allein schien nicht ganz zwangfrei . Unbeobachtet war er still und düster , und in seiner Seele schien etwas zu arbeiten , das die Zeit erst daraus loswinden sollte . Vier und zwanzigstes Kapitel Lindenhain machte zuerst die Bemerkung , daß es Zeit werde , an einen bestimmten Lebensplan zu denken , und er schlug Albertinen vor : sie wollten mit dem kleinen Kreis der Freunde gemeinschaftlich darüber zu Rathe gehen . » Aber - wie ist ' s mir denn ? Albert hat sich ja in einigen Tagen nicht sehen lassen ; er wird doch nicht krank seyn ? « Die Weiber begreifen mit ihrem richtigen Takte sehr schnell . Albertine fühlte , daß etwas vor sei , wobei sie einbüßen würden . Sie redete Lindenhain zu , Albert um sein Ausbleiben zu befragen . » Wo steckst du Albert ? Stelle dich ein ; du sollst der Konferenz beiwohnen , die wir halten wollen , unsern gemeinschaftlichen Lebensplan zu entwerfen ; denn daß unser Bleiben nicht hier ist und seyn kann , weißt du . Wir wollen fort , Dich aber , der Du uns unentbehrlich bist , nicht zurücklassen . Siehe zu , wie Du das einrichtest . Es hoffet auf Dich und harret Dein der Deine Lindenhain « An Lindenhain ! » O , daß Du so gut bist , daß Albertine so gut ist , daß ihr alle so vortrefflich seid ! und ich doch einen Lebensplan entwerfen muß , der mich weit aus Eurem Kreise rückt ! Höre mich an , Lindenhain , zürne mir nicht , und gieb mir Freundesrath ! Durch Henrietten weiß ich , daß Albertine Dir alle Folgen Deines vermeinten Todes mitgetheilt hat . Ich lernte sie kennen und hielt sie für ein Mädchen der Familie , bei der sie lebte . Mein Loos war mit dem ersten Worte , das sie sprach , geworfen . Sie wird Dir ' s gesagt haben , daß mein Betragen ihr die Geheimnisse meines Herzens auch nicht von fern ahnen ließ . Es war nachher , als ich in ihr Deine Wittwe erkannte , nicht strafbar , sie zu lieben . Strafbar aber wäre es , die Gattin meines Freundes zu lieben ; und würd ' ich , müßt ' ich das nicht , wenn ich mit jedem Tage neue Blüthen dieses trefflichen Geistes , dieser herrlichen Natur sich vor mir entwickeln sähe . Lindenhain , ich war berechtigt zu hoffen ; sie war die Meine , erschienst Du nicht . Fühlst Du die Glut , zu der diese Hoffnung meine Liebe anfachte ? Freilich habe ich sie tief in mein innerstes Herz zurückgedrängt ; aber wird sie in jeder Minute sich nicht vordrängen wollen ? Soll ich den Kampf in jeder Minute neu beginnen müssen ? Werde ich in jedem Augenblick , indeß so viel Liebenswürdigkeit vor mir her waltet , die Kraft haben , meine Gefühle mit Erfolg zu bekämpfen ? Ich kenne mich selbst nicht genug ; ich weiß nicht , was noch aus mir werden kann , darum laß mich Euch fliehen , wenigstens auf einige Jahre , weil ich Eurer Achtung noch werth bin , während es noch in meiner Gewalt steht ; im kurzen würde es vielleicht nicht mehr . Wer aufhören könnte , Albertinen zu lieben , hat nie die Liebe gekannt . Gehab Dich wohl ! Dein Albert . « » An Albert ! « » Sei nicht wunderlich , du Guter ! Ich weiß alles ; und eben , weil ich alles weiß , mußt Du , sollst Du bleiben . Ich kenne Dich und kenne Albertinen ; und eben weil ich Euch Beide kenne , sollst Du und mußt Du bleiben , und mit uns leben , wie immer . Ich sage Dir , so wenig das den Verliebten eingeht ; durch täglichen Gebrauch stumpft sich der Stachel ab , den die Abwesenheit und die , über die Verliebten waltende , Phantasie bis zum Unleidlichen schärft . Ich sage Dir , bleib bei uns ! Du bist keines schlechten Streiches fähig und Albertine eben so wenig . Die feine Grenzlinie , welche ihr feiner Sinn zwischen dem Gatten und dem Freunde zieht , wird Dir einleuchten und Dich streng in Deinen Gränzen beschränken . Albertinens unverhaltene Äußerung ihrer herzlichen Zuneigung zu Deinem Freunde , wird Dir keinen Augenblick der Verirrung gestatten . Wenn Albertinens lieblicher Reiz Dich entzückt , wirst Du daneben auch ihre kleinen Fehler bemerken ; sie ist ein lieber Engel , der bestimmt ist , meinem Leben Glanz zu geben und Klarheit ; aber sie ist auch ein Weib . Dessen wird Dich der tägliche Umgang belehren . Albert , so wie ich Euch kenne , wäre es Neid , erbärmliche Mißgunst , wenn ich das schöne , freundliche Verhältniß , darin ihr ohne mich standet , zerreißen sollte . Lerne Dich selbst kennen und schätzen ; Du bist nicht der , der in der Flucht seine Sicherheit suchen müßte . Denke Dir meinen Freund so , wie ich ihn mir denke . Unzerreißbar sei der Bund der Freundschaft mit Deinem Lindenhain . « Albert gab sich nur nach langem Kampfe . Er wollte immer nicht zugeben , daß die Abwesenheit der Liebe günstiger , als das Beieinanderleben sei . Madame Euler sagte , als sie gefragt wurde , lächelnd : so viel sie davon erfahren , glaubte sie , der Hauptmann habe Recht . - Jetzt machten