der Phantasie können sie dieselbe verlassen . - Die Wolken flogen auseinander , und mit siegreichem Glanz standen die Sterne in ihrer blauen , unermeßlichen Klarheit da . - Dort oben also , ewiges Licht , und abwärts nur Dünste und zweifelhafter Schein ? - Warum wirkt ihr auf mich , warum beunruhigt ihr mich , ihr geheimnißvollen Wesen , deren Natur ich vielleicht nie zu ergründen vermag ? - Wenn Du diese traurigen Gedanken gelesen hast , mein lieber Freund , so wirst Du mir es vielleicht kaum glauben , daß ich unmittelbar vorher , von der zärtlichen Unterhaltung , einer schönen Geliebten , nach Hause gekommen war . Und doch ist es so ; aber meine Liebe , ist wie sie selbst , nur der Gegenwart geheiligt , aber auch in dieser gleich ihr , unendlich beglückend . Ich will Dir nicht leugnen , daß jenes Abentheuer , mit dem schönen Waldmädchen mich doch im Grunde gewaltig verstimmt hatte . Die Ueberzeugung , daß nur meine Umgebung allein , so vielen Reiz für sie gehabt hatte , war mir sehr empfindlich , und ich kam mir in manchen Augenblicken recht gedemüthigt vor . - Denn gewiß dünkt es doch einem jeden schön , - und ist es auch - um seiner Persönlichkeit willen geliebt oder geehrt zu werden , und so gern auch Viele sich im Nothfall hinter die Schutzwehr ihres Ranges oder ihres Reichthums verstecken , so schmeichelt ihnen doch nichts mehr , als wenn sie glauben , man übersehe dies alles , und achte nur ihr eigenthümliches Verdienst . Und wie unangenehm würden Manche , die so zuversichtlich alle Huldigung auf Rechnung ihres persönlichen Werths schreiben , überrascht werden , wenn ihnen ihre artigen Umgebungen , denen eigentlich die andern schmeicheln , auf einmal genommen würden , und sie nun mit einemmale alles um sich her verändert sähen ! Ich war menschenscheu geworden und vergrub mich eine Zeitlang in Arbeiten , in denen mein Vater mir es nicht fehlen ließ , bis ich mein Selbstgefühl wieder so sehr gestärkt fand , daß ich wieder heiter und empfänglich in die muntre Welt , die mich hier umgiebt , treten konnte . Mitten im bunten Getümmel begegnete ich bald darauf einem Mädchen , deren Umgang im Kurzen das Ziel meines Bestrebens ward . Ich fand sie in den besten Gesellschaften , und überall , wo Vergnügen , Geschmack und Lebhaftigkeit wohnte , und durfte sie bald , so oft sie nur selbst wollte , in dem geschmackvollsten Zimmer , und der niedlichsten Umgebung allein sehen . Dir zu schildern , was sie eigentlich ist , vermag ich nicht , obgleich ich sie in manchen Augenblicken ganz zu verstehen glaube , aber wie es auch sei , so viel ist gewiß , daß mich ihr Wesen , so oft ich sie sehe , ganz froh und glücklich macht . Ich möchte sagen , daß sie von allen Freuden des Lebens nur das feinste und flüchtigste , wie den bunten Staub auf den Schmetterlingsflügeln , abstreift , und über alles Tiefe , Nachdenkliche , im Leben leicht und ahndungslos hinwegschlüpft , wie ein Zephir nur die Spitzen der Blumen berührt . Für mich ist sie sehr poetisch , obgleich sie selbst nichts davon wissen will , denn die Poesie , sagt sie , ist ein Traum aus einer andern Welt , und ich schlafe nicht ; ich wache . - Uebrigens mein Lieber , bemühe ich mich auch eben nicht sonderlich , mein Urtheil über sie recht ins volle Licht zu setzen , und sie unter irgend eine schulgerechte Regel bringen zu wollen . Denn schon oft sind mir die meisten Urtheile der Männer über Weiber recht herzlich zuwider gewesen . Fast ein jeder hat sein System , und hält nun , wie an einer Silberprobe jedes weibliche Geschöpf , das ihm im Leben begegnet ; er künstelt an dem unschuldigen Wesen , um es in sein System zu passen , und nennt es dann verschroben , wann es seiner Eigenthümlichkeit nach anders ist , als er sich es dachte . - Ich bin zufrieden , daß es mir vergönnt ist , in den Spiegel dieses heitern , empfänglichen Gemüths zu schauen , welches alle Strahlen der Welt auffaßt , und in den lieblichsten Farben zurückstrahlt so , daß mir nun vieles , was mir sonst öd ' und todt war , mit frischen Reizen in die Seele herein scheint . - Wir hatten uns schon oft und viel gesehen , ohne sonderlich auf einander zu achten , als mir mit einemmale die Augen aufzugehen schienen . Ich war in der reinsten Stimmung , das Leben erschien mir unbedeutend und wichtig zugleich ; ich nahm mir vor , nichts Bedeutendes zu erwarten , und die Freude frisch zu ergreifen , wo sie mir entgegen lächeln würde . Und so hatte ich den entschiedensten Sinn für ihre Liebenswürdigkeit . Wir wurden sehr schnell bekannt , und ich konnte ihr frei meine Neigung entdecken . Sie antwortete nicht darauf , blieb in ihrem Betragen unverändert , und schien es gar nicht zu achten . Aber einst , als ich allein bei ihr war , und sie mir mehr als gewöhnlich reizend erschien , nahm sie eine frische Granatblüthe von ihrer Brust , und gab sie mir . Diese Blüthen sind der Gegenliebe geweiht , sagte sie , und blickte mich mit feuriger Schwärmerei an . - In diesem Styl ist alles was sie thut , leicht , willkührlich und fein , nur daß es von Blick und Geberde begleitet sein muß , und , wie sie selbst sich schöner sehen , als beschreiben läßt . Sonderbar ist es , daß mich ihr Gesang , - denn sie übt ' diese Kunst wie manche andere mit glücklichem Erfolg - stets in meiner Zufriedenheit stöhrt . - Auf seinen Flügeln trägt mich der Gesang dann in ein anderes , fernes Land , wo liebliche Gestalten verworren vor mir scherzen . Und gebe ich mich