Unruhe und Ungeduld , Musik wird am ersten fähig sein , diese zu täuschen . « Der Müller und seine Frau gingen hinaus , um zu tun , was sie verlangt hatte . » Nun fangen Sie an « , sagte Juliane , » die Gitarre werden Sie nicht brauchen können , sie hat wahrscheinlich sehr von der Nässe gelitten . « - » Es tut nicht viel « , sagte Florentin , » sie wird noch immer gut genug sein , Takt und Tonart ungefähr drauf zu bemerken , mehr braucht es nicht . Doch was verlangen Sie für ein Lied ? « - » Singen Sie , was Sie wollen , nur etwas Neues und Kluges ! « - Nach einem kurzen Besinnen sang er folgende Strophen : » Mein Lied , was kann es Neues euch verkünden ? Und welche Weisheit , Freunde , fordert ihr ? Der Hohen meine Jugend zu verbünden , Dies , wie ihr wißt , gelang noch niemals mir . Noch Neu , noch Alt wußt ' ich je zu ergründen ; Das Schicksal gönn ' im Alter Weisheit mir . Wir irren alle , denn wir müssen irren , Gelassen mag die Zeit den Knäul entwirren . Der Waldstrom braust im tiefen Felsengrund , Gar schroffe Klippen führen drüber hin , Die furchtbar hängen über ' m finstern Schlund ; Wer strauchelt , dem ist sichrer Tod Gewinn ! Ein Müder wankt an Geist und Gliedern wund Daher , schaut bang hinab , kalt graust der Sinn : Am Felsen spielt ein Kind , sorglos bemühet Ein Blümchen pflückend , das am Abgrund blühet . Oft mühten sinnreich Dichter sich und Weise , Das Leben mit dem Leben zu vergleichen . Am glücklichsten geschah ' s im Bild der Reise ! Ein Tor eröffnet Armen sich , wie Reichen ; Früh ausgewandert auf gewohntem Gleise Sieht er die Dämmrung kaum dem Licht entweichen , So treibt der Wahn , ihm dürf ' s allein gelingen , Rastlos in nie erreichte Fern ' zu dringen . Es türmen Felsen sich in seinen Wegen , Des Mittags Strahlen glühn auf seinem Haupt , In Wüsten Sands muß sich der Fuß bewegen , Ein Ungewitter naht , der Sturmwind schnaubt , Wo kommt ein sichres Dach dem Blick entgegen ? Es seufzt nach Ruh ' , wem stolzer Mut geraubt ; In später Nacht , doch tausendfält ' ger Not Kömmt er ans Ziel - und dieses ist - der Tod ! Der Jüngling tritt , von Ahndung fortgezogen , Zur Schwelle hin , die in das Leben führt . An seiner Schulter tönt der goldne Bogen Der Göttin , so die Welt ihm hold verziert , Der Phantasie , die ihn auf kühnen Wogen Sanft fortreißt , ihn mit bunten Bildern rührt . Wenn er dann so nach schönen Träumen hascht , Wird unbewußt vom Glück er überrascht . Gebt acht , gebt acht , Gelegenheit ist flüchtig , Nicht leicht ihr Stirnenhaar im Flug zu fassen . Obgleich zu nützen sie ein jeder tüchtig , Dem ' s klug gelang , sie nicht entfliehn zu lassen , So ist dem Würdigen sie nie so wichtig , Daß er von ihr sich mag bestimmen lassen . Doch was hilft Mut , was mächtiges Bestreben Dem Schiff , das tollen Stürmen preisgegeben ? So mancher hat gefunden , was zu suchen Er gleichwohl nicht verstand , was zu gewinnen Vergebens er , und mühvoll wird versuchen ; Mißlingen droht dem treulichsten Beginnen . Wie viele hört man dann ihr Los verfluchen Und klagen : Glück ! o mußtest du zerrinnen ? Was traut ihr müßig auf des Glückes Gunst ? Natur sei Vorbild , Leben eine Kunst ! Wer hebt des Künstlers Mut in Kampf und Leiden Als ferne Ahndung hoher heil ' ger Liebe ? Was lehrt ihn schellenlaute Torheit meiden Als eignes Glück der süßen zarten Liebe ? Wo ist ein Port für Hohn und böses Neiden , Als in den Armen frommer , treuer Liebe ? Und wird des Helden Stirn in Myrtenkränzen Der Nachwelt schöner nicht , als Lorbeer glänzen ? « Florentin war von seinem eignen Gesange nach und nach so begeistert , daß ihm Reime und Gedanken je mehr je leichter zuflossen , und die beiden wären es nicht müde geworden , zuzuhören , wenn er auch noch länger fortgesungen hätte . Die Müllerin unterbrach aber seinen Gesang und ihre Aufmerksamkeit , indem sie das Frühstück hereinbrachte . Zu gleicher Zeit kam auch der Bote mit der Nachricht zurück , der Wagen und die Bediente der Gräfin würden in weniger als einer Stunde anlangen . Er hatte am jenseitigen Ufer einen Reitknecht vom Schloß zu Pferde angetroffen , der ihn bei seiner Überfahrt erwartete . Dieser hatte ihn gefragt , ob er nicht etwa drei Herren in Jagdkleidern gesehen hätte , denen zwei Hunde gehörten , die er vor der Tür der Mühle liegen sähe ? Da er nun gleich gesagt , daß sie alle drei in der Mühle eingekehret seien , und dort übernachtet hätten , und daß er eben abgeschickt sei , um den Wagen vom Schloß zu holen , so habe ihm der Reitknecht befohlen , nur wieder zurückzugehen , und der Herrschaft zu sagen , daß er sogleich den Wagen , der im Dorfe warte , nach der Mühle schicken würde . Juliane hatte wieder ihre Kräfte gesammelt ; die Nachricht , daß sie in kurzer Zeit abgeholt würde , machte sie völlig heiter und gut gelaunt . Um Eduards Stirn schwebte eine Wolke , die Julianens ganze Heiterkeit nicht völlig zerstreuen konnte . So oft sie ihre Ungeduld , nach Hause zu ihren Eltern zu kommen , äußerte , stieg sein Unmut beinah bis zur Bitterkeit . - » Mein geliebter Freund « , sagte Juliane , » es hilft Ihnen zu nichts , daß Sie Ihre Vorwürfe nicht aussprechen , sie sind sichtbar auf Ihre Stirn geschrieben ; aber wie sie auch