wegen seines Umgangs geliebt und wegen seines Todes beklagt worden . Anno 1731 . Darunter befindet sich groß und in sauberer Ausführung das freiherrliche Wappen . « So etwa der zeitgenössische Bericht . Des Wappens auf dem Leichensteine wird nur in aller Kürze Erwähnung getan , und doch ist dasselbe von besonderem Interesse . Es zeigt , daß des Königs Geneigtheit , an Gundling seinen Spott zu üben , auch über den Tod des letztern fortdauerte . Hatte er schon früher durch Erteilung eines freiherrlichen Wappens , auf dem die angebrachten drei Pfauenfedern die Eitelkeit des Freiherrn geißeln sollten , seinem Humor die Zügel schießen lassen , so ging er jetzt , wo es sich um die Ausmeißelung eines Grabsteins für Gundling handelte , noch über den früheren Sarkasmus hinaus , und das Grabsteinwappen erhielt zwei neue Schildhalter : eine Minerva und einen aufrecht stehenden Hasen . Die Hieroglyphensprache des Grabsteins sollte ausdrücken : er war klug , eitel , feige . Dieser interessante Stein lag ursprünglich im Kirchenschiff ; jetzt ist er senkrecht in die Frontwand eingemauert und wirkt völlig wie ein errichtetes Denkmal . Wenn der weiße Marmor so vieler Gräber draußen längst zerfallen sein und kein rotdunkles Verbenenbeet den Verandabegräbnisplatz der Sellos mehr schmücken wird , wird dies wunderliche Wappendenkmal , mit den Pfauenfedern und dem aufrechtstehenden Hasen , noch immer zu unsern Enkeln sprechen , und das Märchen von » Gundling und dem Weinfaßsarge « wird dann wundersam klingen wie ein grotesk-heiteres Gegenstück zu den Geschichten vom Oger . Wer war er Wer war er ? Ein Kapitel in Briefen aus aller Welt Enden In dem vorstehenden Bornstädtkapitel ist auf Seite 237 des verstorbenen Professors Samuel Rösel Erwähnung geschehen und an die Nennung seines Namens die Frage geknüpft worden : Wer war er ? Diese Frage , so wenig passend sie sein mochte , namentlich um des Tones willen , in dem ich sie stellte , hat wenigstens das eine Gute gehabt , mir eine Fülle von Zuschriften einzutragen , aus denen ich nunmehr imstande bin , ein Lebensbild Rösels zusammenzustellen . Den Reigen dieser Zuschriften eröffnete ein » Hinterwäldler « , wie er sich selber am Schlusse seines , den Poststempel St. Louis ( am Mississippi ) tragenden Briefes nennt . Es heißt darin wörtlich : » Oh , mein lieber Herr Fontane , röten sich nicht Ihre Wangen über solche Unwissenheit ? Professor Rösel war ein hervorragender Mann der Berliner Akademie , eine wohlbekannte sehr beliebte Persönlichkeit , Anfang der dreißiger Jahre in den Familien Schadow , Spener , Link gern gesehen , wo er durch Satire , Komik und ausgezeichnete Geselligkeit alles zu erheitern wußte . Und nun fragen Sie : wer war er ? Sie haben sich durch diese Frage eine arge Blöße gegeben , und wenn ich Sie nicht um Ihrer im letzten Kriege bewiesenen Vaterlandsliebe willen schätzte , so würden Sie sich eine öffentliche Rüge zugezogen haben . Nehmen Sie das nicht übel Ihrem Sie hochschätzenden Hinterwäldler . « Ich nahm diesen Brief anfänglich leicht und glaubte mich mit meinem » Wer war er ? « immer noch in gutem Recht . Aber allmählich sollt ' ich doch meines Irrtums gewahr werden . Der St. Louis-Brief kam durch mich selber in die Öffentlichkeit und ich mußte mich alsbald überzeugen , daß alle Welt auf die Seite Rösels und seines hinterwäldlerischen Advokaten und nicht auf die meinige trat . In der National-Zeitung erschien ein kleiner Artikel Adolf Stahrs , dem ich nachstehendes entnehme . » Der Tadel vom Mississippi her ist doch nicht ganz unberechtigt . Fontane hätte die Pflicht gehabt , sich besser umzutun und nach einem Manne zu forschen , der noch zu Anfang der vierziger Jahre eine sehr bekannte Berliner Persönlichkeit war . Gottlob Samuel Rösel , Landschaftsmaler und Professor an der Zeichenakademie in Berlin , zählte zu seiner Zeit unter den tüchtigsten Künstlern seines Fachs , und Zelter nennt seine drei im Jahre 1804 ausgestellten Land schaften in dem über die Ausstellung jenes Jahres an Goethe berichtenden Briefe , neben den Landschaften von Hackert , Lütke , Genelli und Weitsch mit großem Lobe . Der kleine , etwas verwachsene , aber sehr geistreiche und sarkastische Mann war ein intimer Genosse des Zelterschen Kreises , war mit Hegel befreundet , und vor allen Dingen ein großer Verehrer Goethes . Es hätte Fontane nicht unbekannt sein dürfen , daß der größte deutsche Dichter das Andenken des Künstlers Rösel durch zwei seiner anmutigen kleinen Gedichte der Nachwelt zu überliefern für wert gehalten hat . Der Künstler hatte den Großmeister der deutschen Dichtung zu dessen Geburtstage wiederholt mit sinnigen Zeichnungen , unter denen Götz von Berlichingens Burg Jaxthausen , Tassos Geburtshaus in Sorrent und eine Zeichnung des Hofes von Goethes Vaterhause in Frankfurt , beschenkt , und Goethe dankte ihm dafür in mehreren Gedichten , von denen das eine : › an Professor Rösel ‹ mit den Worten beginnt : Rösels Pinsel , Rösels Kiel Sollen wir mit Lorbeer kränzen ; Denn er tat von je so viel Zeit und Raum uns zu ergänzen . Näheres über die Beziehungen Rösels zu Goethe findet man an verschiedenen Stellen des Goethe-Zelter schen Briefwechsels , sowie in den Anmerkungen , welche Herr Geh . Rat von Löper und Dr. Strehlke ihrer vortrefflichen Ausgabe Goethes an den betreffenden Stellen ( T. III , S. 169 , 170 bis 171 ) beigegeben haben . « Und nun war das Eis gebrochen , und Rösel-Briefe kamen von allen Seiten . » Es wäre leicht gewesen « , schrieb mir ein Unbekannter , » sich über Rösel zu informieren , und der Hinterwäldler hat es mit seinem Vorwurf doch eigentlich getroffen . Rösel war geistreich , witzig , spöttisch , von gediegenem Wissen und vor allem ein kreuzbraver Mann . Friedrich Wilhelm IV. , welcher ihn lange gekannt und geliebt hatte , nahm den alten , alleinstehenden und schließlich etwas geistesschwach gewordenen Mann nach Charlottenhof hinüber , und ließ ihn daselbst mehrere Jahre lang in der Familie des