, wie er es that , besonders vor denjenigen , welche ihnen dienen , daran denken . Alles Berechnung ! entgegnete der junge Freiherr mit wegwerfendem Tone . Er speculirt auf Rothenfeld und möchte mein Zutrauen gewinnen . Er ist übrigens ein tüchtiger Wirth , bemerkte darauf Herr von Brinken . Ja , es scheint ihm wohl zu gehen , er hat Glück , versetzte Renatus , während der Andere sich die kurze Reisepfeife stopfte . Der junge Freiherr rauchte nicht . Herr von Brinken paffte seinen Taback an . Er hatte manche bürgerliche Gewohnheiten angenommen , seit er während des Krieges selbst zu wirthschaften angefangen hatte , weil es ihm an Wirthschaftern gemangelt . Sie fuhren gegen den Wind , es dauerte lange , bis der Schwamm Feuer fangen wollte , bis die Pfeife brannte , und den ersten Zug aus derselben mit sichtlichem Behagen genießend , wiederholte Herr von Brinken : Ein tüchtiger Wirth ! Wenn Sie verkaufen wollen , Arten , so werden Sie mit dem Steinert vielleicht am besten fahren . Denn was aus einem Gute zu machen ist , das weiß er daraus zu machen . Er wird nicht leicht zurückgehen , wenn er ein Angebot gethan hat , und wird zahlen , was er kann . Renatus antwortete darauf nicht . Es war auch von der ganzen Angelegenheit weiter nicht die Rede . Achtes Capitel Noch vor der von ihm festgesetzten Zeit langte der Freiherr in Richten wieder an . Er hatte nirgends rechte Ruhe . Vittoria empfing ihn , wie immer , mit der größten Zärtlichkeit ; sie und Valerio hatten es kein Hehl , daß sie sich der Entfernung Hildegard ' s erfreuten , und Renatus war zum Oefteren genöthigt , die übermüthige Laune des jungen Burschen zurückzuweisen , der sich darin gefiel , Hildegard in allen ersinnlichen tragikomischen Stellungen zu zeichnen , und ihre Mienen wie ihre Ausdrucksweise mit der Meisterschaft nachzuahmen , die ihm von früh auf eigenthümlich gewesen war . Die Gräfin hatte trotz des Schreibens von Renatus die Vorkehrungen für ihre Abreise von Richten gemacht ; indeß da dieser eben unerwartet zeitig von seinem Ausfluge heimkehrte , fand er sie und Cäcilie noch im Schlosse . Er begab sich , sobald er Vittoria begrüßt hatte , zu ihr . Sie schrieb grade an die entfernte Tochter . Cäcilie saß am Fenster und machte einen Hut zurecht , den sie auf der bevorstehenden Reise zu tragen dachte . Als Renatus gemeldet wurde , entfuhr ihren Lippen ein freudiger Ausruf . Sie stand auf , um ihm , wie sie das gewohnt war , entgegen zu gehen , aber ein Blick der Mutter bannte sie an ihren Platz und hieß sie schweigen . Renatus bemerkte das im Eintreten . Sie thun mir Unrecht , liebe Mutter ! war alles , was er sagte , nachdem er ehrerbietig ihre Hand geküßt und sich auf dem Sessel zu ihrer Seite niedergelassen hatte . Die Gräfin war eine gefaßte und viel erfahrene Frau , in diesem Augenblicke konnte sie jedoch den rechten Ton nicht finden . Das Herzeleid ihrer Tochter hatte sie sehr tief erschüttert und trotz dem Briefe des jungen Freiherrn drückte es sie , daß sie Richten noch nicht hatte verlassen können . Ich hatte gehofft , sagte sie , gehofft und gewünscht , uns diese Begegnung und dieses Wiedersehen ersparen zu können ; indeß Sie wissen es , ich habe keine Wohnung in Berlin , und ich kann die Antwort meiner Cousine Welding , bei der ich abzusteigen und zu bleiben denke , bis ich eine passende Wohnung für uns gefunden haben werde , vor acht bis zehn Tagen nicht erhalten . Es lag in dieser Mittheilung der Gräfin das stillschweigende Geständniß ihrer beschränkten Vermögensverhältnisse . Obwohl Renatus diese von jeher kannte , kränkte es die Gräfin , derselben gerade jetzt gedenken zu müssen , und es nahm sie gegen den jungen Freiherrn ein , daß er ihr auch diese Mißempfindung verursachte . Renatus ließ sich jedoch durch die geflissentliche Kälte und Zurückhaltung der Gräfin nicht beirren . Seine im Grunde gute Natur machte sich in diesem Falle , wie überall , wo er sich nicht durch fremde Ansprüche beeinträchtigt und deßhalb zur Abwehr und Vertheidigung gezwungen glaubte , liebenswürdig geltend . Sie thun , liebe Mutter , sprach er , als hätten Sie mein Schreiben nicht erhalten . Ist es denn nicht genug , daß ich sehen muß , wie sehr das beklagenswerthe Erlebniß , das uns Allen nicht zu ersparen war , Sie angegriffen hat , daß Cäcilie sich von mir wendet ? Glauben Sie , daß ich mit leichtem Herzen vor Ihnen stehe , daß es mich nichts kostet , Sie nach Hildegard zu fragen ? Die Augen wurden ihm feucht . Er seufzte , reichte der Gräfin seine Hand hin und sagte bittend : Bestrafen Sie mich nicht dafür , daß ich mit zwanzig Jahren mich selbst nicht besser kannte , nicht weiser war . Ich glaubte in jenem Augenblicke , nach innerster Nothwendigkeit zu handeln , ich handle jetzt nach reifster Ueberlegung , und - liege ich denn auf Rosen ? Die Gräfin schwieg , aber sie entzog ihm ihre Hand nicht . Sie hatte den andern Arm auf die Lehne des Sopha ' s gestützt und verbarg ihr Gesicht in ihrem Tuche . Die zerstörten Hoffnungen ihres ältesten Kindes machten ihre Augen fließen . Die Mutter in Thränen , Renatus so unglücklich zu sehen , das konnte Cäcilie nicht ertragen . Sie stand auf , knieete vor der Mutter auf dem Ruhekissen nieder und sagte , während sie zärtlich ihre Arme um sie schlang : Liebe Mutter , sieh ihn doch nur an , er weint ! - Und da die Gräfin ihrer Aufforderung nicht gleich entsprach , rief Cäcilie mit jener anmuthigen Zuversicht , welche die Kinder so unwiderstehlich macht und welche manche Frauen bis in das Alter nicht verläßt : Komm , Renatus , komm , umarme die Mutter ! Sieh ihn