war der jetzt so heruntergekommene Rittmeister von Enckefuß ) dazu erschien , borgten sie wieder selbst für diesen bei andern ! So geschah alles , um hier nichts zu haben und da nichts ! Nun gehört alles Unsrige hier den Münnichs . Wie gesagt , gute Menschen , diese Asselyns , aber - ! Sieh , dein Vater wurde Regierungsrath . Sein Gehalt war gering . Er verschwendete wol nichts , doch die Unregelmäßigkeit seiner Berechnungen stürzte ihn aus einer Verlegenheit in die andere . Der jetzige englische Oberst von Hülleshoven , gleichfalls ein Sonderling , jünger als dein Vater , schloß sich ihm damals an , theilte ihm Liebhabereien mit , wie sie noch jetzt sein Bruder hier in den Thürmen dieses reichen Schlosses nach Wohlgefallen verfolgen kann ; denn hier bezahlen die reichen Dorstes seine Thorheiten . Dein Vater ging ebenso mit Begeisterung auf alles Neue ein ; er würde sich und seine Familie zu Grunde gerichtet haben ohne einen endlich denn doch wohlthuender wirkenden Freund , als jene Hülleshovens waren . Dies war Friedrich von Wittekind . Bald wurde der der Zahlmeister des Hauses . Dein Vater verwies mich selbst an ihn , um mit ihm zu rechnen ! Wie sie beide Friedrich hießen , so wurden sie fast Eine Person ! Dein Vater war im Stande , eine Thür zu öffnen und zu sagen : Ah , ihr seid es ! Ihr rechnet ! Ich störe euch ? ... Wir saßen dann und rechneten in der That . Ehrgeizig war ich und mochte nicht , daß ein Makel auf unserm Hause haftete . Das , das , mein Sohn , ist ein höchst gefahrvoller Zustand für ein weibliches Herz ! Ein Weib ist bedürftig der Liebe , gewiß ! Aber ebenso sehr will sie auch die Werthschätzung der Menschen . Und noch mehr , sie will Hochachtung empfinden vor ihrem Mann . Die geregelte Ordnung ist für ihren Sinn etwas Unerläßliches . Ich gestehe , daß ich wohlthuend berührt wurde , wenn ich Wittekind nur eintreten sah , ihn , der damals nicht viel hatte , der mit seinem damals geizigen Vater in Kampf lebte und selbst kaum das Nöthigste erhielt , während , wie nur leider jetzt zu erwiesen ist , die größten Summen auch schon damals fortgingen , um die Folgen des frühern Leichtsinns jenes Gewaltthätigen zu verdecken ; die jetzt offen liegenden Papiere seines Nachlasses gewähren grauenhafte Einblicke in seine moralischen Verschuldungen ... Kurz , mein Sohn , die Augenblicke , die ich im Anfang meiner Ehe , dich unterm Herzen , dann dich auf meinen Armen tragend , auf dem kleinen Hof Borkenhagen zubrachte , wo du geboren und getauft wurdest - Gott , noch immer steht mir der damalige Pfarrer Leo Perl , ein getaufter Jude , vor Augen ! - diese Augenblicke , sag ' ich , waren die glücklichsten meiner Ehe ! Als diese Besitzung in andere Hände kam , ich immer in der Stadt bleiben mußte , dein Vater aus Schulden , Wuchernoth nicht mehr herauskam , wurd ' ich moralisch das Weib seines Freundes , der ihm helfend zur Seite stand . Alles war Wittekind , alles entschied der . Der rechnete , der sorgte ... Reisen , die dein Vater machen mußte - Dienstreisen , weil er die damalige Regulirung der Klöster , die Einziehung herrenlos gewordener geistlicher Bibliotheken und Archive unter sich hatte - wiesen mich auf Monate ganz an Wittekind . » Laß dir doch von Fritz geben ! « hieß es in den Briefen ... Guter Sohn , Asselyn erkannte diesen gefährlichen Zustand erst , als es zu spät war . Ich hatte mich an den Freund , der Freund hatte sich an mich gewöhnt . Nimm an , mein Sohn , du säßest im Beichtstuhl und hörtest das Bekenntniß einer beladenen Seele ... Denn eine Last trag ' ich allerdings , eine schwere Last , eine kummervolle , die mir die Ruhe meiner Nächte raubt ! ... Ach , Asselyn entfernte sich ohne Zweifel doch nur deshalb - - um den Freund und die Gattin glücklich zu machen . Fast muß ich ja glauben , daß der Gute , um uns in unserm Bund nicht zu hindern , sich selbst den Tod gegeben hat ! Die vielleicht noch größere Strafe , der Mutter zu sagen : Und wenn der Vater noch lebte ? Wenn ihn soeben Gräfin Paula im Thal von Castellungo als Eremiten und den Freund glücklicher Hirten und Ackerbauer gesehen hätte ? ... Bonaventura besaß nicht den Muth , diese Strafe der Mutter aufzuerlegen , so sehr ihn die klare , schneidende , vernunftbewußte Selbstrechtfertigung der noch jetzt anmuthigen Frau herausforderte , so sehr ihm wieder jetzt der Vater entgegentrat in der ganzen Liebenswürdigkeit seines träumerischen , von dieser Gattin gewiß nie verstandenen und sicher so nicht , wie verdient , beglückten Sinnes ... Doch auch die Schwäche besaß er nicht , der Mutter die Vorstellung etwa von einem Selbstmord des Vaters ganz auszureden . Und sie schien es sogar gern zu hören , daß sein Vater , wenn auch durch Selbstmord - wirklich todt war . Meinst du nicht ? fragte sie halb zagend , halb zuversichtlich ... Ich glaube es ! war seine Antwort ... Die Mutter stand auf . Ihre Haltung schien sagen zu wollen : So müssen wir uns Fassung geben , eine Genugthuung durch die Religion ! Die umsichtige Frau bat den Sohn , doch einige Tage auf Schloß Neuhof zuzubringen , sich inniger dem Präsidenten anzuschließen , ihre Aussöhnung mit dem Geist der Gegend zu bewirken , die Opferspenden zu vermitteln , die auch sie bereit wären überall zu geben , wo dadurch ihr guter Wille in das rechte Licht träte ... Endlich sagte sie noch : Wittekind wird mannichfachen Rath und Beistand in seinen verwickelten Angelegenheiten bedürfen . Er war zweifelhaft , ob er sich deshalb an Benno wenden sollte ! Ich rieth ihm dazu ! Dein Urtheil zöge er aber vor ,