, die Herzensgüte leuchteten jedem Mitgliede des Hauses aus den Augen . Man mußte mit diesen Menschen fröhlich werden , man konnte der kleinen Verstöße gegen die höhere Gesellschaftssitte und ihren sogenannten Ton gar nicht gedenken . Es war Alles anders , als Renatus es in seinem Hause gewohnt war , Alles derber , naturwüchsiger , aber es schien dafür auch Alles auf eine lange , gesunde Dauer angelegt und berechnet zu sein , und während Steinert ' s männlich schöner Freimuth und seine Würdigkeit des jungen Freiherrn Herz fast wider dessen Willen bewegten und gewannen , meinte er zwischen all dem lauten Sprechen und mitten durch das helle Lachen der Hausfrau und ihrer Tochter , doch immer die schweren Pendelschläge der alten englischen Uhr zu hören , und es klang ihm , als riefen sie immerfort : Sie kommen empor und Du herab ! Er suchte den Gedanken zu verscheuchen , aber es gelang ihm nicht . Das Landleben , die Einsamkeit machen mich schwermüthig , und Hildegard ' s krankhafte Melancholie hat mich angesteckt und schwarzsehend gemacht , sagte er sich endlich . Es ist Zeit , daß ich unter Menschen und in die Welt und in das Leben zurückkehre ! - Und doch entging es ihm nicht , wie Steinert , als man von der Tafel aufgestanden war und die Wirthschafter sich entfernen wollten , sie zurückhielt , mit Jedem von ihnen kurze und bestimmte Abrede nahm , wie sie alle voll Eifer und voll Theilnahme bei der Sache waren und dann still geschäftig ihres Weges gingen . Darin war freilich auch ein Leben , und Steinert ' s Welt war unter diesen Menschen , die er heranbildete , während sie seine Angelegenheiten in seinem Dienste förderten . Aber , dachte Renatus , man muß nichts Höheres kennen , um sich darin zu befriedigen , man muß sich nicht als einer bevorzugten Kaste angehörend empfinden , um seine Untergebenen als seines Gleichen behandeln zu können , und man muß als ein Arbeiter geboren sein , um vorauszusetzen , daß Jedweder für die Arbeit auf der Welt sei . Inzwischen war der zerbrochene Wagen des Herrn von Brinken in den Hof gekommen und Steinert hatte den Befehl gegeben , das Pferd , wenn man es gefüttert haben werde , vor einen seiner kleinen Wagen vorzulegen . Während man noch damit beschäftigt war , erkundigte Steinert sich bei dem jungen Freiherrn , was er denn wegen seiner Wirthschaft beschlossen habe ; und von dem klugen und ehrlichen Gesichte des Mannes , wie von seiner unverkennbaren Theilnahme doch allmählich überwunden , sagte Renatus : Es sind mir Rath- und Vorschläge der verschiedensten Arten zugekommen , noch aber bin ich unentschieden . Sie kennen ja die Güter . Anfangs der nächsten Woche bin ich bestimmt in Richten . Kommen Sie herüber , sehen Sie Sich die Güter und die Wirthschaft einmal an . Ich möchte Ihre Meinung hören , ehe ich mich endgültig entscheide . Steinert lächelte . Der verstorbene Freiherr stand ihm in diesem Augenblicke leibhaftig vor Augen . Es war die alte , fürstliche Weise des Edelmannes , zu befehlen , wo er zu bitten nicht für angemessen fand , und sich einzubilden , daß er demjenigen eine Ehre erweise , dessen Meinung er zu hören fordere , um dann mit der eigenen , weit geringeren Einsicht über jene zu Gericht zu sitzen . Aber er ließ den jungen Mann seine üble Angewohnheit nicht entgelten , und von einer gewissen Anhänglichkeit an das Arten ' sche Geschlecht , von der Liebe für die Güter , welchen seine Voreltern und er selber durch so lange Jahre ihre Kraft und Arbeit zugewendet hatten , wie von dem Gedanken an seinen eigenen Vortheil gleichmäßig bestimmt , versprach Steinert dem Freiherrn , wenn es seine Zeit erlaube , an einem festgesetzten Tage nach Richten zu kommen , obschon , wie er sagte , dies kaum nöthig sei . Denn , fügte er hinzu , ich weiß , Sie haben meinen Freund Tremann in der Stadt gesprochen , und seine Ansicht ist auch die meinige . Sie haben keine Wahl , Herr von Arten ! Sie können die Güter nicht wohl mehr halten ! Verkaufen müssen Sie ! Wir wollen aber einmal sehen , ob wir über Rothenfeld nicht Handels einig werden können . Das Gut ist groß , es ließe sich sehr wohl in zwei hübsche Theile theilen . Den einen Theil möchte mein künftiger Schwiegersohn gern übernehmen , der eigenes Vermögen hat und sich mit Eveline nach dem eigenen Herde sehnt , und auf dem andern könnte man allmählich zu bauen beginnen , damit mein Sohn bei seiner Heimkehr doch auch Dach und Fach vorfindet . Die Kinder sind arbeitsam , fortkommen werden sie , wenn ' s auch Anfangs Mühe kosten wird , und wir behielten sie doch gern in unserer Nähe ! Der Wagen , welcher die Gäste weiterbefördern sollte , war nun vorgefahren . Die ganze Familie begleitete sie vor die Thüre hinaus . Steinert selbst sah nach , ob Alles in Ordnung , ob von dem kleinen Gepäck der beiden Edelleute nichts vergessen worden sei . Man sagte ihnen herzlich Lebewohl , die Hausfrau bat , bald wieder , wo möglich auf der Rückfahrt vorzusprechen , auch Leberecht blieb ihnen sein Adieu und seinen schönen Gruß mit der Hand nicht schuldig , und Renatus wie dem Herrn von Brinken die Rechte schüttelnd , rief Steinert ihnen noch ein » Auf Wiedersehen ! « nach . Renatus aber trug jetzt nach demselben kein Begehren mehr . Sein eben erst erwachtes Wohlgefallen an dem früheren Diener seines Hauses war schnell vorübergegangen . Sein Verlangen , aus dieser Gegend fortzukommen , war lebhafter als je . Ein wackerer Mann , sagte Herr von Brinken , nachdem sie den Hof verlassen hatten , und es war hübsch , wie er sich durch Ihren Besuch geehrt fand . Ich liebe es an solchen Leuten , wenn sie ihres Ursprunges nicht vergessen , und