der gefangene Kirchenfürst , der Wittekind haßte , weil er zu den Organen der Regierung gehörte ! Als wir von der nahen Auflösung des Kronsyndikus hörten und da schon hierher reisen wollten , besuchten wir den strengen Mann in seiner Festungshaft . Er war von einem Spaziergang aus den Wällen zurückgekehrt und eben wollt ' er die Tabackspfeife , die er unbekümmert um den Brand , den er in der Christenheit angezündet hat , immer noch frohgemuth fortraucht , wieder füllen , als ihm der Vater - Wittekind und ich gemeldet wurden . Dieser Besuch mußte ihn nicht wenig überraschen . Ich hatte Sie in andern Beziehungen wiederzusehen erwartet , Herr Präsident ! sagte er , als er unserm Beileid staunend zugehört . Dieser Schritt wird Sie in eine schiefe Stellung bringen , wenn anders Sie mich nicht als ein Bevollmächtigter der Regierung besuchen ! Wir benahmen ihm diese irrthümliche Voraussetzung und erklärten , daß wir Frieden zu schließen gedächten mit denen , mit welchen uns Geburt , Abstammung und gleiche Ueberzeugung in eine Reihe stellten . Er erwiderte : Es wird vielen so gehen , daß sie zur Erkenntniß kommen , und darum preis ' ich mein Loos und will es gern ertragen ! Ich bin zum Eckstein geworden ! Die Bauleute wollten mich verwerfen ; aber ein neues Gebäude wird über mir errichtet werden ! Ein segensreiches und vielleicht für ganz Deutschland ! Er entließ uns gütig . Deiner gedachte er mit der mein ganzes Mutterherz mächtig überwallenden Prophezeiung , daß Gott dich zu großen Dingen erlesen hätte ... Schon wär ' es im Werke , dich als Gesandten der Curie nach Wien zum apostolischen Nuntius zu schicken ... Du staunst darüber ? ... Das wußtest du nicht ? ... O , ich erkenne deine ganze Natur ... in deiner Bescheidenheit ! ... Mein Sohn ! Mein , mein Sohn ! ... So sei auch versöhnt und nimm die Vergangenheit so licht und rein , wie der schöne Sonnenstrahl dort drüben glänzt über dem blendenden Schnee ! So zart und doch wieder so klug und gewandt in ihrer Denk- , Rede- und Gefühlsweise stand für Bonaventura die Mutter gar nicht mehr in seinem Gedächtniß . Wie hatte sich bei ihr das Vergangene verwischt ! Ihm kam bei dem Bilde des Schnees , das sie brauchte , sofort die Erinnerung an den Tod seines Vaters ... Mit Bezüglichkeit wiederholte er : Ueber dem blendenden Schnee ! ... Erst allmählich verstand die Mutter diese Wiederholung und Betonung , seufzte dann tief auf und fuhr fort : Die gnadenreiche Mutter sei mein Zeuge , daß ich an einen Abgrund erst geführt wurde durch die Umstände , nicht durch meine eigene Schuld ! Die Worte des heiligen Sakramentes der Ehe sagen : » Und er soll dein Herr sein ! « Dies Wort , mein lieber Sohn , ist nicht allein darum gesagt , daß die Gattin ihrem Gebieter gehorsame , es ist auch darum gesagt , daß der Gebieter ihr wirklich ein Herr sei ! Jede Frau hat das sehnsüchtige Bedürfniß , in ihrem Manne auch wirklich den Führer , den berathenden Freund , ja selbst in zweifelhaften und schwierigen Fällen einen befehlenden Herrn zu haben . Mir war das dein Vater nicht . Im Gegentheil , ich , ein älternloses Fräulein - Besitzthümer hatten ja die Wehrförders , mein Geschlecht , nicht und meine Erziehung war unvollständig - ich wurde der Gebieter für ihn ! Nicht durch Laune oder Neigung zum Herrschen , nur durch die Umstände , die ihn unfähig machten , das Ruder selbst zu führen . Diese Asselyns sind ein herrliches , edles Geschlecht gewesen ; es ist schmerzlich , daß dieser alte Friesenstamm aussterben muß - Benno kann doch nur den Namen fortführen . Franz , der Dechant , ist die Herzensgüte selbst , aber wie leichtsinnig ! In seiner Jugend war er fähig die Bahnen der Geistlichen zu wandeln , die in Frankreich den Untergang der Religion verschuldet haben . Der zweite , Max von Asselyn , Benno ' s Adoptivvater , war ein tapferer , ritterlicher Held , ein Offizier von seltener Bravour , aber ganz so abenteuerlich , wie dies in unserm träumerisch eigensinnigen Volksstamm liegt . Was er unternahm , war befremdend . Bracht ' er wol aus dem Kampf , wie andere , gerechte und nach Sitte erworbene Beute mit ? Aus Spanien sah ich viele deutsche Offiziere , die dort unter Napoleon kämpfen mußten , mit mancherlei merkwürdigen Dingen heimkehren . Ein Wehrförder , Vetter von mir , brachte aus einem Kloster Bilder mit , aufgerollt wie Landkarten - er hat sie zu enormen Preisen verkaufen können . Max brachte entweder von einer Nonne oder einer - man sagt in seinen Armen gestorbenen - Geliebten einen Sohn mit - Benno , den er wenigstens sein nannte , wenn nicht in das Dunkel , das deinen Vetter umgibt , noch ein völlig anderer Lichtstrahl fällt und Max nicht einmal Benno ' s Vater ist . Der dritte Asselyn , Friedrich , mein Gatte , glich den andern nicht an Leichtsinn , aber an leichtem Sinn . Die Verlockung der Welt that ihm nichts , aber die Zerstreuung alles . Nichts wurde bei ihm zum festen Vorsatz ; eine Sorglosigkeit , die an sich ihm liebenswürdig stand , machte ihn zum harmlosesten Kostgänger der Schöpfung . Ja , mein Sohn , was Fritz sein nannte , gehörte sogleich auch allen . Jede Schuld , die ihn drückte , bezahlte er in dem Augenblick , wo er konnte , uneingedenk , daß ihn sein guter Wille in neue Verlegenheiten stürzte . Die drei Brüder thaten ihr geringes Erbe zusammen , damit es Max bewirthschaftete . Dieser verband sich dazu mit einem jungen Oekonomen , Hedemann , einem Bauernsohn . Die Nachwehen des Kriegs waren verderblich ; 1817 war ein Hungerjahr . Max starb . Die Verlassenschaft wurde von den beiden Brüdern verkauft und damit nur ein Käufer , der sich fand ( es