. Über die Zulässigkeit dieser Form , speziell für unser märkisches Flachland , ist viel hin und her gestritten worden , und es mag zugestanden werden , daß sie , samt dem daneben gestellten Kampanile , vorzugsweise ein coupiertes Terrain und nicht die Ebene zur Voraussetzung hat . Deshalb wirken diese Kirchen in den flachen und geradlinigen Straßen unserer Residenzen nicht eben allzu vorteilhaft , und der unvermittelt aufsteigende , weder durch Baumgruppen noch sich vorschiebende Bergkulissen in seiner Linie durchschnittene Etagenturm , tritt – an die Porzellantürme Chinas erinnernd – in einen gewissen Widerspruch mit unserem christlichen Gefühl . Mit unseren baulichen Traditionen gewiß ! Aber so unzweifelhaft dies zuzugestehen ist , so unzweifelhaft sind doch die Ausnahmen , und eine solche bietet Bornstädt . Es wird hier ein so malerischer Effekt erzielt , daß wir nicht wissen , wie derselbe überboten werden sollte . Der grüne Korb des Dorfes schafft eine glückliche Umrahmung und während das Hochaufragende des Etagenturms etwas von dem Poetisch-Symbolischen der alten Spitztürme bewahrt , wird doch zugleich dem feineren Sinn eine Form geboten , die mehr ist als der Zuckerhut unserer alten Schindelspitzen . Der Ruf dieser hat sich nur , faute de mieux , im Zeitalter der Laternen- und Butterglockentürme entwickeln können . Die Bornstädter Basilika samt Säulengang und Etagenturm ist ein Schmuck des Dorfes und der Landschaft ; aber was doch weit über die Kirche hinausgeht , das ist ihr Kirchhof , dem sich an Zahl berühmter Gräber vielleicht kein anderer Dorfkirchhof vergleichen kann . Wir haben viele Dorfkirchhöfe gesehen , die um ihres landschaftlichen oder überhaupt ihres poetischen Zaubers willen einen tieferen Eindruck auf uns gemacht haben ; wir haben andere besucht , die historisch den Bornstädter Kirchhof insoweit in Schatten stellen , als sie ein Grab haben , das mehr wiegt als alle Bornstädter Gräber zusammengenommen ; aber wir sind nirgends einem Dorfkirchhofe begegnet , der solche Fülle von Namen aufzuweisen hätte . Es hat dies einfach seinen Grund in der unmittelbaren Nähe von Sanssouci und seinen Dependenzien . Alle diese Schlösser und Villen sind hier eingepfarrt , und was in Sanssouci stirbt , das wird in Bornstädt begraben , – in den meisten Fällen königliche Diener aller Grade , näher und ferner stehende , solche , deren Dienst sie entweder direkt an Sanssouci band , oder solche , denen eine besondere Auszeichnung es gestattete , ein zurückliegendes Leben voll Tätigkeit an dieser Stätte voll Ruhe beschließen zu dürfen . So finden wir denn auf dem Bornstädter Kirchhofe Generale und Offiziere , Kammerherren und Kammerdiener , Geheime Räte und Geheime Kämmeriere , Hofärzte und Hofbaumeister , vor allem – Hofgärtner in Bataillonen . Der Kirchhof teilt sich in zwei Hälften , in einen alten und einen neuen . Jener liegt hoch , dieser tief . Der letztere ( der neue ) bietet kein besonderes Interesse . Der alte Kirchhof hat den freundlichen Charakter einer Obstbaumplantage . Die vom Winde abgewehten Früchte , reif und unreif , liegen in den geharkten Gängen oder zwischen den Gräbern der Dörfler , die in unmittelbarer Nähe der Kirche ihre letzte Rast gefunden haben . Erst im weiteren Umkreise beginnt der Fremdenzuzug , gewinnen die Gäste von Sanssouci her die Oberhand , bis wir am Rande des Gemäuers den Erbbegräbnissen begegnen . Wir haben also drei Zirkel zu verzeichnen : den Bornstädter- , den Sanssouci- und den Erbbegräbniszirkel . An einige Grabsteine des mittleren , also des Sanssoucizirkels , treten wir heran ; nicht an solche , die berühmte Namen tragen ( obschon ihrer kein Mangel ist ) , sondern an solche , die uns zeigen , wie wunderbar gemischt die Toten hier ruhen . Da ruht zu Füßen eines Säulenstumpfes Demoiselle Maria Theresia Calefice . Wer war sie ? Die Inschrift gibt keinen Anhalt : » Gott und Menschen lieben , Gutes ohne Selbstsucht thun , den Freund ehren , dem Dürftigen helfen – war ihres Lebens Geschäft . « Ein beneidenswertes Los . Dazu war sie in der bevorzugten Lage , diesem » Geschäft « zweiundachtzig Jahre lang obliegen zu können . Geboren 1713 , gestorben 1795 . Wir vermuten eine reponierte Sängerin . Nicht weit davon lesen wir : » Hier ruht in Gott Professor Samuel Rösel , geboren in Breslau 1769 , gestorben 1843 . » Tretet leise an sein Grab , ihr Männer von edlem Herzen , denn er war euch nahe verwandt . « Wer war er ? Ein gußeisernes Gitter , einfach und doch zugleich abweichend von allem Herkömmlichen , schließt die Ruhestätte ein ; um die rostbraunen Stäbe winden sich Vergißmeinnichtranken und zu Häupten steht eine Hagerose . Noch ein dritter Fremder an dieser Stelle : Heinrich Wilhelm Wagenführer , geboren zu Neuwied 1690 . Er wurde vom Rhein an die Havel verschlagen , wie es scheint zu seinem Glück . Der Grabstein nennt ihn mit Unbefangenheit » einen vornehmen Kauf- und Handelsmann zu Potsdam . « Diese Inschrift , mit den Daten , die sie begleiten , ist nicht leicht zu entziffern , denn ein alter Ulmenbaum , der zur Seite steht , hat sein Wurzelgeäst derart über den Grabstein hingezogen , daß es aussieht , als läge eine Riesenhand über dem Stein und mühe sich , diesen an seiner Grabesstelle festzuhalten . Gespenstisch am hellen , lichten Tag ! Wir gehen vorbei an allem , was unter Marmor und hochtönender Inschrift an dieser Stelle ruht , ebenso an den Erbbegräbnissen des dritten Zirkels und treten in eine nach links hin abgezweigte Parzelle dieses Totenackers ein , die den Namen des » Selloschen Friedhofs « führt . Die Sellos sind Sanssoucigärtner seit über hundert Jahren . Ihre Begräbnisstätte bildet eine Art vorspringendes Bastion ; ein niedriges Gitter trennt sie von dem Rest des Kirchhofs . Hier ruhen , außer der » Dynastie Sello « , mit ihnen verschwägerte oder befreundete Sanssoucimänner , die » Eigentlichsten « . Karl Timm , Geheimer Kämmerer , gestorben 1839 . Emil Illaire , Geheimer Kabinettsrat , gestorben 1866 . Peter