die Gäste mit guter Art. Als das Kind des Vaters ansichtig wurde , rief es ihn laut an und streckte , sich von der Schwester losmachend , die derben Arme nach ihm aus , so daß Steinert ihn zu sich und bei der Hand nahm . Der Bursche ist ein Nachschößling , sagte er lachend , während er ihn küßte und ihn mit Vaterfreude in die Höhe hob . Er ist unser ganz besonderes Friedenspfand , und weil er sich gleich bei seiner Geburt als einen tüchtigen Kerl erwiesen hat , habe ich ihm denn auch die allerbesten Namen ausgesucht . Herr von Brinken , selbst ein zärtlicher Vater , freute sich des Jungen , der kaum zwei Jahre zählte und auf seinen Beinen schon wie eingewurzelt da stand . Wie heißt er denn ? fragte Renatus . Junge , wie heißt Du ? wiederholte der Vater . Sag ' s selber , aber deutlich , damit man Ehre mit Dir einlegt ! Gebhard Leberecht Steinert ! brachte der Kleine zwar noch mit schwerer Zunge , aber mit so dreister Entschlossenheit hervor , daß er die Erwachsenen alle lachen machte , und Renatus unwillkürlich ausrief : In Dir steckt ja der ganze Husar ! Steinert nickte mit dem Kopfe . Ja , für den Nothfall , Herr von Arten . Im Uebrigen haben wir des Krieges und ich für mein Theil des Soldatenwesens nun genug gehabt , und ich denke , meine Jungen sollen es nicht nöthig haben , sich lange mit dem Wehrstande abzugeben , sondern im Nährstande und ruhig bei der Arbeit bleiben können . Während sie noch sprachen , schlug die Uhr im Hausflur die Mittagsstunde und auf dem Hofe läutete die Glocke . Eveline , welche bald nach dem Eintritte der Mutter das Zimmer verlassen hatte , kehrte jetzt zurück . Ist angerichtet ? fragte Steinert , und auf die bejahende Antwort nöthigte er die Fremden , es sich auf gut Glück an seinem Tische gefallen zu lassen . Man nahm den Vorschlag dankbar an . Der Tisch war in dem großen Saale zu ebener Erde gedeckt , und seine Größe und Schwere zeigten , daß er hier seine feste Stelle haben mußte . Glänzendes , selbstgewebtes Leinenzeug bedeckte ihn ; man hatte den Gästen zu Ehren auch einen Blumenstrauß auf die Tafel gestellt , aber Silberzeug war nicht , wie sonst , vorhanden . Was man davon besessen hatte , und der Vorrath im Hause war ansehnlich genug gewesen , das war beim Ausbruche des Krieges auf den Altar des Vaterlandes niedergelegt worden , und auch jetzt noch brauchte man das Geld zu anderen Dingen , als zum Ankaufe von Werthgegenständen , die sich nicht verzinsten . Die Wirthin , welche trotz ihrer fünfundvierzig Jahre noch wie das Leben selber aussah und durch die Geburt ihres Leberecht , auf den beide Eltern einen wahren Stolz besaßen , eher erfrischt als angegriffen worden war , die Wirthin und Steinert nahmen die Mitte des Tisches ein , die beiden Fremden saßen zu ihren Seiten , und außer den Kindern kamen einer nach dem andern noch einige junge Leute in ihren Arbeitsröcken , mit hohen Stiefeln in das Zimmer , die sich mit flüchtigem Gruße auf ihre Plätze setzten . Nur Einen von ihnen , einen hübschen , kräftigen Mann , der von Eveline mit einem Händedrucke begrüßt ward , stellte Steinert , ehe Jener sich neben der Tochter niederließ , als deren Verlobten vor , für den er sich hier in der Gegend schon seit längerer Zeit nach einem passenden Ankaufe umsehe . Renatus wurde es bei der Bemerkung plötzlich heiß . Der also ist ' s , dachte er , für den sie auf meine Güter spekuliren ! Und er konnte sich der alten , feindseligen Empfindung nicht erwehren . Aber Niemand ahnte , was in seiner Seele vorging , sie waren Alle munter und gut aufgelegt . Die Hausfrau hatte in der Eile noch rasch einen Fisch aus dem Teiche nehmen und herrichten lassen , eine süße Speise war eben so schnell bereitet worden , an Erdbeeren und Kirschen gab es eben jetzt Ueberfluß , und so war denn mit der tüchtigen alltäglichen Kost des Hauses ein vollständiges Mahl zu Stande gekommen , das Frau Steinert mit freier Gastlichkeit ihren Gästen darbot , und auch der Wein fehlte beim Nachtische nicht . Eveline selbst war aufgestanden , ihn aus dem Wasserkübel herbeizuholen , und als Steinert die erste Flasche entkorkt und den goldig klaren Rheinwein in die Gläser gefüllt hatte , welche die Tochter herumgab , erhob er sich und sagte , sich zu Renatus wendend : Es ist das erste Mal , Herr von Arten , daß Einer von Ihnen auf meinem Grunde und Boden an meinem Tische sitzt , und ich freue mich darüber . Wir sind jetzt drei Jahre lang Kriegskameraden gewesen , lassen Sie uns nun auch künftig gute Nachbarn werden und stoßen Sie mit mir darauf an - er hielt das Glas mit dem funkelnden Weine hoch empor - daß wir hier zu Lande diesen Wein immer und immerdar für uns allein trinken ! Es hat Blut genug gekostet , ihn uns wieder zu gewinnen ! Der freie deutsche Rhein und der Friede ! - Hoch , hoch ! erklang es von allen Seiten . Die Mutter , der künftige Tochtermann , die Wirthschafter , von denen auch zwei in dem letzten Feldzuge mitgewesen waren , erhoben sich und kamen zu dem Hausherrn und zu den Gästen , mit ihnen anzustoßen . Eveline , welche die eigentliche Wärterin des Jüngsten machte , war schnell in die Nebenstube geeilt und hatte den Leberecht herbeigeholt , damit er sein Hoch auch mitrufen und seines Tröpfchens Wein nicht entbehren solle ; und als Steinert ihm sein Glas hinhielt , that der Bursche einen langen Zug und wollte sich zu des Vaters Freude das Glas , das er mit beiden Händen fest umklammert hatte , nicht entreißen lassen . Die Zufriedenheit , der Lebensmuth