es fiel ihm auch jetzt noch auf , daß Steinert ihn völlig als seines Gleichen behandelte . Nicht einmal Herr Baron nannte er ihn , sondern Herr von Arten , ganz schlechtweg . Es war jedoch für Renatus zu besonderen Betrachtungen in diesem Augenblicke nicht die Zeit . Denn Steinert war vom Pferde gestiegen , besah mit Kennerblick den Schaden an dem Wagen , und machte sofort den Herren den Vorschlag , mit ihm nach Marienfelde zu kommen , von wo er einen Knecht mit einem Baume zur Unterlage für das Gig abschicken wolle , damit man dasselbe nur erst nach dem Dorfe bringen könne , und später stehe dann den Herren sein Fuhrwerk zum Weiterfortkommen zu Diensten . Man nahm das dankbar an . Ein scharfer Pfiff , den Steinert über die hohlen Hände that , rief einen seiner Arbeiter vom Felde herbei , den man bei dem Fuhrwerke zurückließ ; der Wagen , den Frau von Brinken und die Kinder inne hatten , setzte seinen Weg fort , und den Zügel seines Pferdes über den Arm nehmend , führte Steinert die beiden Edelleute den Weg nach seinem Hause zu . Es ist hier für uns auf dem Lande nichts mit diesen kleinen , zerbrechlichen Wagen , sagte er , als Herr von Brinken die Bemerkung machte , daß nicht nur das Rad zerbrochen sei , sondern daß auch das Gig selbst bei dem Zusammenstoße eine Beschädigung erlitten habe , welche es nöthig machen werde , es zur Herstellung nach der Hauptstadt zu schicken . - Soll denn etwas Fremdes bei uns eingebürgert werden , so lasse ich mir noch eher den englischen oder den vlaemischen zweirädrigen Transportkarren gefallen ; dessen Räder halten etwas aus , und unsere Pferde sind stark genug , ihn selbst die Höhen hinaufzuziehen , obschon er für die Ebene besser paßt . Ich habe mir , als ich aus dem Felde kam , ein paar solcher Karren versuchsweise zusammenschlagen lassen . Herr von Brinken wünschte , sie zu sehen ; Steinert war bereit , sie ihm zu zeigen . Er meinte , der Herr von Arten müsse diese Karren zur Genüge gesehen haben , und wie von selbst knüpfte sich daran die Frage , ob Renatus während der Feldzüge wohl Gelegenheit genommen habe , auf die verschiedene Art und Weise der Wirthschaft in den verschiedenen Gegenden und Ländern Acht zu geben . Der junge Freiherr verneinte das mit der Bemerkung , er sei darauf nicht vorbereitet gewesen . Schade ! sagte Steinert . Da man denn doch zuletzt jeder Sache eine gute Seite abgewinnen soll , so kann es nicht in Abrede gestellt werden , daß es uns und unsern Leuten vortheilhaft gewesen ist , uns auch einmal auf fremdem Boden und in fremder Wirthschaft umzuthun . Mir zum Beispiel sollen die mannigfachen Erfahrungen , die ich bei dem Hin- und Hermarschiren machen konnte , wie ich denke , nicht verloren gehen . Wie sich das von selbst versteht , kamen die beiden Männer von den Feldzügen im Allgemeinen auf ihre einzelnen eigenen Erlebnisse zu sprechen , und man war mitten in den besten Kriegsgeschichten , als man auf dem Hofe in Marienfelde anlangte . Von dem einstigen Schlosse stand jetzt nur der Mittelbau , und selbst der Thurm war von demselben abgebrochen . Das Haus sah dadurch eigentlich plump und unschön aus , dafür aber stand links von dem Teiche die große Brennerei . Die Scheunen , die Ställe und die Insthäuser waren aus guten Ziegeln gebaut , und was der Krieg auch hier zerstört hatte , das war , wie die vielen neuen Dachsteine , Fensterläden , Thüren und Zäune verriethen , längst wieder vollständig hergestellt worden . Es war still auf dem Hofe , auch im Hause ließ sich Niemand sehen . Erst als der große Hund hell anschlug , guckte ein Mädchenkopf zum Fenster hinaus , und den Vater erblickend , trat die Tochter schnell zurück , um ihm entgegen zu eilen oder um der Mutter zu melden , daß er Fremde mit nach Hause bringe . Steinert war unterdessen mit den beiden Gästen in dem Flur seines Hauses angelangt , und Renatus , der nie zuvor in diesem Hause gewesen war , fühlte sich mit Ueberraschung in einer ganz vertrauten Umgebung . Auch hier in Marienfelde hingen sie rund umher an den Wänden , die Erntekränze jeden Jahres , wie Renatus sie in seines Vaters Amtshause hatte hangen sehen , als er noch ein Kind gewesen war ; hier wie dort stand sie der Hausthüre gegenüber , die große englische Stehuhr , das Erbstück der Steinert ' schen Familie , und tickte mit ihrem gewichtigen Pendelschlage von Sekunde zu Sekunde die Tage und Jahre hinweg . Und als dann aus dem Zimmer zur Linken das große , starke , kaum siebenzehn Jahre alte Mädchen , die blonden Zöpfe um das Haupt gewunden , zum Vorschein kam und sich mit unbefangener Freundlichkeit vor den Gästen verneigte , glaubte Renatus vollends , einer Verzauberung zu unterliegen , denn gerade so , aber gerade so , hatte , wie er sich zu erinnern meinte , einst Steinert ' s Schwester ausgesehen , als sie jung gewesen war . Und nun willkommen unter meinem Dache , mein lieber Herr von Arten und mein verehrter Herr Nachbar ! sagte Steinert , während er den Beiden die Hüte abnahm . Lassen Sie Sich ' s bei uns gefallen , bis Ihr Wagen herkommt und man Ihnen Ihr Pferd vor meine Britschka gelegt haben wird ; treten Sie näher , ich bitte ! Nach dem Garten hinaus haben wir jetzt Schatten . Treten Sie näher ! - Und sich zur Tochter wendend , fragte er : Eveline , weiß die Mutter , daß ich zurückgekommen bin ? Eveline hatte nicht zu antworten nöthig , denn die Hausfrau erschien bereits in der Thüre , und der Tochter den Knaben hinreichend , den sie , um schneller fortzukommen , auf dem Arme getragen hatte , bewillkommte auch sie