, das der verbesserten Kirche ... Und wie dann Paula selbst ihre eigene schöne weiße Hand emporhielt und sein Ring , der Trauring seiner Mutter , zu aller Erstaunen an ihrem Ringfinger blitzte , konnte er sein Herz nicht länger bewältigen ... Aller Anwesenden uneingedenk , entsetzt über die Vergleichung der weißen Hand mit dem Alpenschnee und wieder doch von der frohen Hoffnung neu beseelt , daß sein Vater nicht in die Abgründe der Lavinen stürzte , nicht in der schaudervollen Morgue des Sanct-Bernhard vermoderte , nicht auf dem Friedhof zu Sanct-Remy auf dem Wege nach Aosta begraben lag , wiederholte auch er die Frage : Wer ist der Redner ? Da schwieg anfangs Paula ... Dann aber , zum Zeichen , daß sie Bonaventura ' s Stimme wohl erkannt hatte , sagte sie , und sagte das wie vor Ueberraschung wonnig belebt : Du fragst sie ? Alle - des Du ' s staunend - sahen auf Bonaventura ... Schon aber sprach Paula weiter : Es ist kein Greis ! Weiß ist sein Haar , schneeweiß , aber seine Haltung noch wacker ... Wer es ist ? ... Er ähnelt - dir ! ... Bonaventura zitterte ... Armgart ergriff seinen Arm krampfhaft ... doch überselig ... Paula fuhr fort : Seine Hütte gefällt ihr ... Drüben aber liegt das Schloß ... Die Fahne hat ihre Farben ... ihr Wappen ... Wessen ? fragte Terschka mit nicht mehr zurückzuhaltender Spannung ... Paula schwieg jetzt ... Der Ton dieser Stimme störte sie ... Onkel Levinus deutete auf die Schlummernde selbst und sagte mit dieser stummen Geberde , die Schloßfahne trüge die Farben der Dorste-Camphausen selbst ... Dann ist es Schloß Castellungo ! sagte Terschka mit höchstem Erstaunen . Der Eremit ist ein Deutscher , namens Federigo ! Ich kenne ihn ! Eine religiöse Sekte , die von Comtesse Erdmuthe dort beschützt wird , hat sich jetzt , wie so oft , um ihn versammelt ! Ich wäre begierig , ob in diesem Augenblick , wo allerdings dort in dem schönen piemontesischen Thale der Frühling schon in vollster Blüte steht , in der That eine der von ihr geschützten Gottesverehrungen stattfände ! Erfahren kann ich das und werde mich darum bemühen ... Terschka näherte sich dem Ruhebett ... Paula aber betete jetzt ... Sie sprach Worte , die minder auffallend klangen ... Maria und die Heiligen fehlten nicht ... Endlich schwieg sie ganz ... Einen Reiz , sie noch aus ihrem beginnenden , nun wirklich naturgemäßen Schlummer wach zu rufen , konnte nur eine Grausamkeit unerlaubter Neugier sein . Die Tante winkte , daß Paula der Ruhe bedürfte ... Die Frauen gingen zuerst ... Die Geistlichen folgten ... Onkel Levinus begann von Gräfin Erdmuthe und ihren Reformen ... Terschka entzog sich zwar dem für seine Stellung bedenklichen Gespräch , blieb aber mit Armgart zurück , die ihn festhielt und sich von Castellungo erzählen ließ , über das eines Abends Benno und Thiebold so harmlos gesprochen hatten , dabei sogar Porzia ' s gedenkend , als einer Schülerin des Bruders Federigo und vielleicht einer künftigen Gattin Hedemann ' s. Die Möglichkeit , daß Paula nur eine Reproduction der Phantasie gegeben hatte , lag nahe . Nur bewunderte Terschka , wie richtig alles zutraf , und Armgart ihrerseits staunte und grübelte , warum gerade jetzt Paula auf diese Anschauung kam . Sinnend und den Trauring betrachtend , den sie wieder zur Zurückgabe an den Domherrn an sich genommen hatte , ließ sie sich Castellungo so genau schildern , daß Terschka am Fenster hinter den Gardinen bei ihr stehen bleiben und flüstern mußte ... Sie kehrten lange nicht zu den Uebrigen zurück ... Und doch war inzwischen neuer Besuch gekommen ... Wenn Bonaventura annehmen wollte , daß der Trauring seiner Mutter es war , der diese Kette von Anschauungen veranlaßt hatte , wenn er im Bruder Federigo sich seinen Vater denken , in der an ihn gerichteten lateinischen Einladung eine Andeutung des väterlichen Unwillens finden wollte über die Wahl seines Berufes und einen Drang der Sehnsucht des väterlichen Herzens auf ein Wiedersehen , dem dann eine Erörterung über die Ehe als unauflösliches Sakrament der Kirche folgen mußte - so fehlte , um ihn in die höchste Verwirrung zu versetzen , nur das noch , was ihm jetzt geschah ... Der Regierungspräsident von Wittekind stand im grünen Zimmer und war eben erst angekommen ... Zuckte der Schmerz der gewissen Ueberzeugung in Bonaventura : Dein Vater lebt noch und entzog sich nur der Welt , weil unsere Kirche nicht scheidet - so stand er dem Manne gegenüber , der die Hand einer Frau besaß , die seine Mutter war und die vielleicht in Bigamie lebte ... Noch mehr ... Der Präsident sprach zum Onkel Levinus , zur Tante Benigna und zu Bonaventura zugleich gewandt : Ich fürchtete ihre Aufregung und ließ drüben eines der geheizten Fremdenzimmer aufschließen ... Gehen Sie zu ihr und begrüßen Sie sie lieber erst unter vier Augen ! Wen ? konnte Bonaventura nicht mehr fragen ; denn schon bestätigte der Präsident dem Ahnenden : Ihre Mutter ! Sie ist gestern Abend angekommen ! Wir suchten Sie eben im Pfarrhause auf und hörten , daß Sie hier sind - Die Sehnsucht der vortrefflichen Frau kannte keine Grenzen mehr ! Wir fuhren hieher ! Sie verlangt nach Ihnen ! Machen Sie sie glücklich ! Bonaventura verließ das Zimmer , geführt von Tante Benigna und dem Onkel . 8. Bonaventura ' s Herz überfiel ein Krampf , der ihm die Unterstützung seiner Führer zur Nothwendigkeit machte ... Im Vorsaal stand einer der zur glänzenden Livree noch mit Emblemen der Trauer geschmückten Diener des Präsidenten ... Er stand bereit , ihn in das Zimmer zu geleiten , wo ihn seine Mutter erwartete ... Weib , was hab ' ich mit dir zu schaffen ! hatte es einst in des Sohnes Brust gerufen ... Wieder riefen ihm wilde Stimmen dies Wort , aber es waren nur noch Stimmen der Erinnerung ... Seine Brust trug schon zu schwer an