Murray ... Nein , nein , Pünktlichkeit in Geld- und Liebessachen . Nicht wahr , liebes Fräulein ? Geben Sie mir nicht zu hohe Titel , Herr Murray ! sagte Louise . Nennen Sie mich schlechtweg , wie ich heiße , Louise Eisold . Darf ich denn Louischen sagen ? fragte Murray , den Hut wegstellend und seine Handschuhe , die er schon ausgezogen hatte , hinlegend . Wenn ' s Ihnen bequem ist , Herr Murray ! plauderte Louise bei noch halb offener Thür . Gut , Louischen , kommen Sie her , ich muß Ihnen die Miethe zahlen ! Dabei zog Murray eine Schublade , die er inzwischen aufgeschlossen hatte , ganz hervor . Sie war zu Louisens Erstaunen so schwer , daß er Mühe hatte , sie nur herauszubekommen . Louise mochte nicht näher treten und über die gebückten Schultern des Alten hinwegsehen . Aber sie hätte schwören mögen , wenn sie näher träte , müßte sie nichts als große Geldrollen sehen , so wälzte sich Das in der Schublade , und es war ihr auch , als » klingte « etwas wie Gold . Um so auffallender aber der Contrast , als Murray nicht etwa eine große Geldrolle , sondern ein kleines ledernes Beutelchen hervorzog , es langsam öffnete und in lauter kleiner Scheidemünze zwei Thaler auf den Tisch mühsam zusammenzählte ... Louise zählte nach und fand die Summe richtig . Wie sie sich wandte , bemerkte sie fast erschreckend an den Eisenstäben draußen vor dem Galeriefenster einen inzwischen heraufgeschlichenen Besuch . Es war eine hohe , schlanke , weibliche Figur , die ihr nicht unbekannt schien . Indem sah sie auf Murray und bemerkte die plötzliche Überraschung durch jenes Frauenzimmer , das man nicht hatte kommen hören , auch bei ihm . Der Besuch blickte lachend durch die Fensterscheiben und das Gitter und schien neugierig zu forschen , ob sie nichts von den Schätzen des eben in Geldgeschäften begriffenen Alten entdecken konnte . Rasch stieß Murray die Commode zu und zog den Schlüssel ab . Das Mädchen , das darüber in lautes Gelächter ausbrach und die Thür mit dem Fuße zurückstoßend eintrat , war Auguste Ludmer . Das ist deine Spelunke , Alter ! rief sie . Hier haust du jetzt und hast so schöne Nachbarschaft ? Louise erkannte nun vollkommen jenes Mädchen , das in diesen Häusern auf Nr. 17 gewohnt hatte und auf dem Fortunaball mit Murray verhaftet worden war . Betroffen wandte sie sich ab , strich ihr Geld mit der hohlen Hand ein und verließ , ohne ein Wort zu sprechen , das Zimmer . Selbst wenn sie es mit ihrer Würde für vereinbar hätte halten können , zu lauschen , würde sie sich nicht in der Küche länger verweilt haben ; denn Murray , das sah sie wohl , öffnete das zweite Zimmer , das , früher , durch einen vorgeschobenen Schrank getrennt , Schmelzing bewohnt hatte , und ersuchte Auguste Ludmer dort einzutreten . Louise legte auf ihrem Zimmer die Miethe in ihre kleine Kasse , notirte sie in einem Büchelchen und setzte sich nieder zur Arbeit , tiefergriffen von dem Nachdenken über die Möglichkeit , wie es weibliche Wesen über sich vermögen , sich so tief sinken zu lassen wie jene Maler-Guste , deren Nähe ihr unheimlich war und den Alten mit seinem schweren Commodenkasten plötzlich wieder genug verdächtigte . Tugendhafte Frauen fliehen Gesunkene wie jene Auguste , aber sie denken viel über sie nach und suchen sie nach den ersten heftigsten Anklagen meist mit einem schmerzlichen Gefühl über das unsichere jammervolle Frauenloos im Allgemeinen tiefaufseufzend zu entschuldigen . Da siehst du , Auguste , wie man dich flieht , begann Murray , als er mit dem noch immer lachenden wilden Besuch allein war und die Maler-Guste sich in Schmelzing ' s ehemaliger Klause umsah . Papa , rief sie , und warf sich fast der Länge nach auf einen Stuhl hin , daß dieser knackte und wackelte , Papa , die geht auch lieber auf einen Ball , als Sonntag Nachmittags in die Spittelpredigt . Wir haben sie ja in der Fortuna gesehen . Was bringt dich her , Louise ? fragte Murray , nahm einen Stuhl und wollte sich ihr gegenüber setzen . In quecksilberner Beweglichkeit sprang sie aber sogleich wieder auf und rief : Erst , Alter , laß mich deinen Palast sehen , wo du deine Schätze vergräbst ! Hierher , denkst du , steigen die Spitzbuben nicht nach ? Drinnen die Eisenstangen , die haben dich wohl gelockt , oder unterhältst du dir das Mädchen , die sich eben die Hände wäscht von deinen schmuzigen Viergroschenstücken ? Ich gewöhne mich , siehst du , sagte Murray mit scharfer Betonung , an die angenehme Gelegenheit , hinter Schloß und Riegel zu kommen , wenn man sich mit dir öffentlich blicken läßt . Papa hat Furcht gekriegt . Ha ! Ha ! Deshalb stand ich immer vergebens an meinem Theetopf in der Königsstraße und dachte , dein Alter kommt nicht ... Ich zu dir ? erhob sich Murray ernster . Du weißt doch , was ich dir sagte , als man uns von Gerichtswegen gehen hieß und ermahnte , nunmehr anständig und sittlich zu leben ? Ich suchte eine Wohnung für uns Beide . Diese war dir zu schlecht und eine bessere ist theurer ... Geizhals ! Ha ! Ha ! Hier sollt ' ich wohnen ? Auguste Ludmer , die deine Brillanten trug , in diesem abscheulichen Loche ? Heute ist schönes Wetter und hier ist ' s so dunkel , daß man die Hand kaum vor den Augen sieht ... Das machen die schönen Gardinen ... Siehst du nicht ? Auguste lachte über diese ironischen Worte und zerrte an einem der roth- und weißgestreiften kattunenen Vorhänge . Nein , Männchen , sagte sie , so haben wir nicht gewettet . Das sollte ein Bett sein ? Das wäre ja um sich Beulen zu liegen ... Aber reinlich . Kein Sopha - Vier Stühle