arbeiten , so lange ich kann , aber wenn das aufhört , dann gönne mir meine Bitte , und erlöse mich von dem Übel dieses Daseins auf einmal ! 28. Mai . Herr Trappiel , Prediger in Marquardt , ist erblindet . Noch schaudert meine ganze Seele ! Der Mann , in der ärmsten Lage , der wie ein Tagelöhner arbeitete , dem jede Witterung gleichviel war – er ist blind . Ich höre es , erschrecke und schwimme mit meinem Wagen durch die Wasser des Sipunts nach Marquardt ... O Gott , sende ihm Hilfe ! Rühre den Patron des Orts ; er kann , gieb ihm wollen . 29. Mai starb der Geh . Rath Stelter ; im Zimmer des Königs , beim Vortrage , rührte ihn der Schlag . Er war Homme de fortune – aus einem Kammerdiener Geheimer Rath ! Doch hat er großes Lob der Geschicklichkeit und Applikation in seinem Posten . Madame und der Commerzienrath Damm kannten sich genau . 1787 um Neujahr trat die Fouquésche Familie mit dem Grafen Hordt in Unterhandlung wegen Rückkaufs von Sakrow . Es kam zu Stande . Auf Johannis war die Übergabe . Der Baron von Fouqué war reformirt ; Graf Schmettau auch . Die Baronesse lutherisch . Die ersten Jahre ging sie jährlich zweimal zur Communion , immer mit der Gemeinde , und immer nur als die erste von den Frauenspersonen . In den letzten Jahren war sie sehr freundschaftlich mit mir und den Meinigen . Sakrow von 1787 bis 1794 Sakrow von 1787 bis 1794 Der Graf Hordt hatte in Berlin eine reiche Wittwe geheiratet , die schon drei Männer und darunter einen Herrn v. H. gehabt hatte . Der Sohn dieser Dame , Lieutnant im Regiment Gensdarmes , sollte nun Sakrow bewirthschaften . Den sechsten Sonntag Trinitatis hielt ich in Sakrow Abendmahl . Herr v. H. , der nunmehrige Besitzer , war da und ich speiste wie gewöhnlich bei ihm . Ein Lieutnant , Hr . von Sobbe , vom Regiment Herzog Friedrich , ingleichen ein Frauenzimmer , waren auch da . Über Tisch kam eine Amme herein mit einem Kinde . » Es ist mein Sohn « , sagte er . Und nun hätte ich nur fragen dürfen : » Und die Mutter ? « Aber ich vermied alle Weitläufigkeit . Es war ein allerliebstes Kind . Das Frauenzimmer wird Mamsell genannt . Sonntag den 15. September war ich wieder in Sakrow . Traf niemand . Der Lieutnant war abermals des Morgens um acht Uhr weggefahren . Auch war der Graf Hordt zweimal dagewesen , einmal mit seiner Gemahlin . Nach mir hat er nicht gefragt . Des Morgens kommen sie an , besehen sich , essen zu Mittag , fahren wieder ab . Weihnachten 1787 . Den 29. Dezember taufte ich des Küsters Söhnlein . Herr von H. war Gevatter und schickte seinen Jäger . Er kam mit der Mamsell ins Küsterhaus , als wir uns eben zu Tische setzen wollten . Sie blieb , er ging weg ; dann kam er noch mal und ließ sie herausrufen . Sie kamen nicht wieder . ( 1788 . ) Neujahr . Der Herr Lieutnant war da , fuhr aber unter der Kirche ab . Sexagesima . Es fiel mir diesmal auf : gerade in der Minute , da ich an dem einen Ende hereinkam , fuhr der Dorfherr zum andern hinaus . Seit dem fünfundzwanzigsten Sonntag Trinitatis vorigen Jahres hatte ich ihn nicht gesehen . Elften Sonntag Trinitatis hielt ich Abendmahl . Dann ins Schloß . Nebst der Herrschaft war zu Tische Herr Jäger Sonnenberg aus Gatow , cum uxore . Den 4. August fuhr ich nach Döbritz . Unterdes war Herr von H. cum amasia hier gewesen . Den zweiten Advent hielt ich Abendmahl . Der Herr Inspektor Schübe speiste mit . Er communizierte mir die Memoiren d ' un comte suédois . Der schwedische Graf schließt mit folgenden Versen : Las d ' espérer et de me plaindre Des grands de la terre et du sort , C ' est ici que j ' attends la mort Sans la souhaiter , sans la craindre . Den 28. November starb zu Lentzke Frau Marie Luise , geb . von Schlegel , verehl . Baronesse von Fouqué , im neunundvierzigsten Jahre ihres Alters , nach einem sechswöchentlichen Krankenlager . ( 1789 . ) Den II. Januar . Wegen des außerordentlich vielen Schnees konnte ich ohne Lebensgefahr weder auf Weihnacht noch Neujahr nach Sakrow fahren . Heute wagte ich es , weil der Einwohner Weber gern seinen verstorbenen Sohn feierlich beerdigen lassen wollte . Ich predigte und begrub . Der Herr des Gutes war da . Ich ging nachher herauf , traf ihn cum annexis . 25. Januar . Der Weg war überaus beschwerlich . Ich fuhr einundeinehalbe Stunde . Er und sie waren da . Zwischen dem II. und 25. war das zweite Kind verstorben . Man überreichte mir eine kleine Summe Geld und sagte : » Für den verstorbenen Junker . « 8. März . Predigt über die Epistel . Er war nicht da , hat in Berlin abermals einen Sohn taufen lassen . – Schwerer Tag für mich . Bittre Kälte , dabei Ostwind . Ich fuhr also gegen den Wind und war schon seit 8 Uhr in der Arbeit und Kälte gewesen . Fünf Frauen und sechs Männer kamen zur Kirche . Mein Körper fror zusammen ; meine Seele war ganz niedergeschlagen . Fand nirgends ein freundlich Gesicht . – Auch du , Sakrow , so klein du bist , auch du bist seit 1776 herabgesunken . Die Exempel deiner Vorgesetzten haben dich verdorben . Unter Hordt war Sakrow fromm , denn er war zu der Zeit bigott . Unter Fouqué ward es leichtsinnig , endlich frech . Der Küster hatte oft nur drei Zuhörer . Das Verständniß der Baronin mit dem Grafen Schmettau wirkte schädlich auf die Sitten . Unter von H. ist alles frank und frei . 12. April