lange her , ihn auch auszusprechen , so trifft Sie , theure Mutter , doch auch der Vorwurf , daß Sie , die Sie des Menschen Herz und die Welt , und meine und Hildegard ' s Unerfahrenheit wohl kannten , uns vor sieben Jahren nicht abgehalten haben , ein Bündniß einzugehen , das so wenig Aussicht auf eine baldige Erfüllung darbot . Aber wir leiden in diesem Augenblicke Alle gemeinsam , wir dürfen nicht mit einander rechten . Lassen Sie uns vielmehr gemeinsam danach streben , dieses nothwendige Leid so viel als möglich zu mildern und so viel als möglich dem Auge der Welt zu entziehen . Ich werde Richten in kurzer Zeit verlassen . Gönnen Sie mir die Gunst , Sie bis dahin in meinem Schlosse zu behalten . Wir waren Freunde , ehe wir Verwandte zu werden hofften ; lassen Sie uns Freunde bleiben , da jene Hoffnung sich leider nicht erfüllt , und mein Herz wird bemüht sein , Sie und die geliebte Cäcilie , und hoffentlich einst auch Hildegard , mit mir und meiner Handlungsweise auszusöhnen . Lassen Sie mich Sie in Richten wiederfinden ! Aber was Sie auch beschließen , rechnen Sie auf mich wie auf Ihren Sohn , denn ich werde nicht aufhören , mich als Ihren Sohn zu fühlen . « Er war mit dem Schreiben sehr wohl zufrieden , ein Bote war schnell bei der Hand , und ohne weiteren Aufenthalt machte man sich darauf gegen Mittag zu dem beabsichtigten Besuche auf den Weg . Weil die ganze Familie seines Wirthes Theil an dem Ausfluge nehmen sollte , hatte man in dem viersitzigen Wagen nicht Plätze genug ; man nahm also ein Gig zu Hülfe , dessen Renatus und sein Freund sich bedienten . Der schöne Sommertag , die hübsche Hausfrau , die fröhlichen Kinder , die aus dem rasch dahin rollenden Wagen so neugierig und so ungeduldig wie flügge werdende Vögel aus ihrem Neste in die Welt hinaussahen und mit ihren Anrufen , Zeichen und Winken den Vater aus der Ferne bald auf dieses und bald auf jenes Wunder aufmerksam machten , belustigten Renatus . Es lag in der Unschuld dieser Kinder für ihn , der an die kecke Frühreife Valerio ' s gewohnt war und sonst mit Kindern wenig oder keinen Verkehr gehabt hatte , etwas ungemein Reizendes ; und nur wenn es ihm einfiel , daß Hildegard jetzt unterwegs sei und daß die Gräfin in Richten nun seine Antwort bald erhalten werde , legte sich ein Schatten über seine Heiterkeit und es fiel ihm Etwas schwer aufs Herz , daß er aufathmen und sich unwillkürlich mit der Hand über die Stirne fahren mußte . Indeß sein Gefährte merkte nichts von dem dunkeln Boden , über dem die Fröhlichkeit des jungen Freiherrn aufwuchs , und man war im vollen Genusse des schönen Tages , des angenehmen Weges und des erfreulichen Beisammenseins , als ein schwerbeladener Lastwagen , der von der Höhe herunterkam , den Fahrenden nöthigte , scharf zur Rechten auszubiegen . Aber der Landweg war nur schmal , der Wagen mit Fässern und Kisten in der Mitte ungewöhnlich breit beladen , und wie der neben dem Wagen gehende Fuhrmann seine Pferde auch nach der linken Seite hinüberzerrte , die Räder des Frachtwagens und des Gig geriethen in einander , die Pferde des Frachtwagens zogen auf des Fuhrmannes Anruf mit scharfem Rucke an - ein Knack , und das leichte , schwache Rad des Gig fiel in Stücken von der Achse . Es war ein unangenehmer Vorfall . Man war ein paar Meilen von dem Orte der Ausfahrt , ein paar Meilen von dem Gute entfernt , nach dem man sich begeben wollte . Einen besonderen Kutscher hatte man für den kleinen , nur zweisitzigen Wagen nicht innegehabt , und den Diener , der auf dem Wagen der Frauen und der Kinder saß , mochte man nach der eben gemachten Erfahrung nicht mit dem Pferde nach Hause senden , um ihn für alle Fälle zur Hand zu behalten . Man fing an , sich in der Gegend umzusehen ; man war kaum eine Viertelstunde von Marienfelde entfernt , und eben als der Besitzer des zerbrochenen Gefähres darauf dachte , sich dorthin zu wenden , um seinen Wagen unterzubringen , und wo möglich irgend einen anderen zur Fortsetzung der Fahrt zu borgen , ward in der Entfernung zwischen den Feldern ein Reiter sichtbar , der , als er die beiden Wagen auf der Landstraße halten und einen derselben zerbrochen sah , mit seinem tüchtigen Pferde schnell herankam . Der Mann und sein Pferd sahen wie aus Einem Gusse aus , so fest saß er in seinem Sattel , so gut paßten der große , starke Reiter und sein Schimmelhengst zusammen . Es war ein schönes , ein erbeutetes Pferd ; und der Gutsbesitzer Steinert wußte sich etwas mit dem feurigem Andalusier , in dessen stark hervortretenden Adern unter der feinen Haut das arabische Blut ganz unverkennbar war . Es kam seiner Pferdezucht zu Statten . Steinert erkannte seinen adeligen Gutsnachbar schon aus ansehnlicher Ferne , und mit der weithin schallenden Stimme , welche in manchem Kampfe ermuthigend an seiner Leute Ohr und in ihr Herz gedrungen war , rief er : Guten Morgen , Herr von Brinken ! Haben Sie ein Unglück gehabt ? Steinert war während dessen nahe heran gekommen und erst jetzt erblickte er auch Renatus , der hinter dem Gig gestanden hatte . Ohne irgend an die Zurückweisung zu denken , welche er von dem jungen Freiherrn vor Jahren auf der Landstraße erfahren hatte , reichte er ihm die Hand hin , und mit einer Freundlichkeit , welche sein dunkel gebräuntes Gesicht angenehm erhellte , und seine Lippen unter dem dicken , bereits ergrauenden Schnurrbarte schön umspielte , rief er : Willkommen zu Hause , Herr von Arten ! Ich hörte schon , daß Sie zurückgekommen wären . Renatus konnte nicht anders , als die dargebotene Hand ergreifen und den Handschlag Steinert ' s erwiedern ; aber