Freude über den blauen Himmel sein . Die bösen Wölkchen , die sich von der Terrasse in Solitüde sehen ließen , brauchten lange Zeit bis sie in dem kleinen Gevierte von Himmelsluft , das man von diesem Hinterhofe aus überschauen konnte , gesehen oder auch nur geahnt wurden . Ein Besuch fand sich hier oben , seit der alte Urgroßvater in das große Kunstwerk der Weltenuhr blickte und keine irdischen Zeitmesser mehr zu regieren brauchte , selten ein . Bei Herrn Murray nebenan war es so still , wie es bei Hackert gewesen war . Schmelzing , der für Dichter , Schauspieler , Advokaten und die Polizei Copiaturen fertigte , war auch nicht mehr da . Der war oft verliebt zu ihr gekommen und hatte sie mit seinen Zärtlichkeiten belästigen wollen , ihr aber mit seinen Schreiberärmeln nur ihre Arbeiten » verwuschelt . « Einen Gast , der sich auch um die Mittagszeit zuweilen einfand , den grauen Herrn Bartusch , ließ sie kalt und um so spröder an , als sie in ihren spärlichen Finanzen Ordnung hielt und sich vor ihm nicht zu demüthigen brauchte . Gestern erst hatte sie ihm gesagt , er möchte sie mit seinen Besuchen , die immer mit soliden Dingen anfingen und mit versuchten garstigen Zumuthungen endeten , verschonen . Ja sie ging sogar in ihrer jeweiligen kleinen Malice so weit , dem alten unverbesserlichen und von seinem Temperamente wahrhaft geplagten Herrn zu sagen , sie wolle die Maler-Guste , die Frau Rathsdienerin Spieß und ähnliche Favoriten Seiner Gestrengen nicht auf sich eifersüchtig machen . Daß sie ihn bei alledem doch nicht ganz ungern kommen sah , lag darin , daß er Manches über Menschen plauderte , die ihr lieb und werth waren . Von Hackert hatte er ihr zu ihrem Schrecken erzählt , daß er wirklich beim Oberkommissair Pax arbeitete und vielleicht bald in einem » feurigen « Kragen am Rocke einherstolziren würde , was sein Haar nur noch angenehmer heben würde . Schmelzing unterstütze ihn . Wo Das hinaus solle , wisse noch kein Mensch . Erst vor einigen Tagen wäre er beim Justizrath mit einem fremden Prediger gewesen , der bei einer russischen Herrschaft lebe und hätte den Justizrath wie ein Staatsprokurator über eine alte Bildergeschichte förmlich zu Protokoll genommen . Über Melanie , Lasally , über den Proceß der jungen Thüringer , die er hier bei Hackert an jenem Abende getroffen , über alle diese Gegenstände der Tageschronik plauderte Bartusch bei Louisen immer so lange , bis er die Gelegenheit für günstig hielt , sich für seine unterhaltenden Mittheilungen eine Zuthunlichkeit erlauben zu dürfen . Damit kam er aber denn doch immer übel an , sodaß ihm Louise zur Erkenntlichkeit nicht einmal ihrerseits Rede stand , wenn er von Danebrand , von Murray , von der Auguste Ludmer , die sie nie genauer gekannt hatte , etwas wissen wollte . In der Äußerung , daß sie doch zu beklagen wäre , neben einem so zweideutigen Manne zu wohnen , wie dieser Engländer mit der schwarzen Binde wäre , mußte sie ihm Recht geben , fügte aber hinzu , daß er ihr noch keine Ursache zu irgend einem Verdachte gegeben . Dieser Sonderling wäre ein stiller , gedrückter Mann , der von Morgens bis Abends spazieren ginge , viel englische Bücher lese und sich im Zeichnen übe , das ihm , in Zeiten , wo ihm noch nicht die Hand gezittert hätte , sehr gut von Statten gegangen sein müsse . Alle diese Gedankenreihen von gestern und heute durchfliegend , fiel Louisen in einem Glase , das auf der Commode im Eck stand , eine Karte auf . Sie griff darnach und sah , daß es eine Visitenkarte war , die auf den Namen » Sylvester Rafflard « lautete . Wo kommt diese Karte her ? dachte sie . Die Karte war so glatt , so frisch , so neu , als hätte sie Jemand eben erst abgegeben . Sie wird für Murray sein ! dachte sie und wollte ihrer » Riekele « rufen , falls die im Hofe war . Sie von der Straße zu rufen , war sehr umständlich und kostete Zeit . Von der Galerie , dachte sie , werd ' ich ja sehen . Damit ging sie hinaus , die Karte zufällig in der Hand haltend . Draußen beugte sie sich über die Brüstung der alten baufälligen Galerie , sah Riekchen nicht , hörte aber Jemand mühsam die Treppe heraufsteigen . Sie ging einige Schritte vorwärts und erblickte schon Murray ' s zerknitterten Hut . Ein großer goldener Siegelring an der weißen zarten Hand des Alten stach sonderbar gegen den Strick ab , an dem sich die zuerst sichtbare Hand hielt . Ah ! sagte der Alte , als er oben war . Das ist steil ! Gesegnete Mahlzeit , mein liebes , gutes Kind ! Ich weiß schon , was Sie in der Hand haben . Ich war nicht daheim und finde die Karte . Galt der Besuch Ihnen , Herr Murray ? Das kleine Riekele hat mir ' s schon unten erzählt . Wer ist ' s denn - Damit war er an seiner Thür , holte Athem , schob seine über einen Draht gezogene Taffetbinde etwas höher und las gegen das Tageslicht , das etwas spärlich auf die dunkle Galerie fiel , jene Karte . Dabei fuhr er sich über die Stirn und hob die schwarze Perrücke etwas höher . Wer ist Herr Sylvester Rafflard ? sagte er , hielt sich aber mit diesem Forschen nicht auf , sondern schloß schon sein Zimmer auf ; Nr. 68 mit den noch immer vergitterten Fenstern . Kann ich Ihnen etwas helfen , Herr Murray ? fragte Louise Eisold . Das Wasser wird nicht frisch sein ? Sind Sie mit irgend etwas unzufrieden , so sagen Sie es nur ! Danke ! Danke ! Mein gutes Kind ; antwortete der Alte , immer freundlich und mild . Aber die Miethe ist fällig . O bitte , Herr