schon seit zehn Jahren in den protestantischen Ländern . Jeder gute Fürst führt bessere Kirchenlieder ein , weil die bisherigen nicht zweckmäßig waren . Nunmehr ist auch in diesem Lande ein neues Gesangbuch angefertigt worden . Ein Drittel unsrer Lieder konnte wegen unbekannter Melodien nicht gesungen werden , das zweite Drittel hatte gar nichts zur Erbauung und das dritte Drittel konnte in einzelnen Stellen noch besser sein . Ich kann von der ganzen Veränderung um so freimüthiger reden , als es nicht meine Sache ist , die ich führe . Auch soll die königliche Verordnung nicht etwa vertheidigt werden ; das wäre ein lächerlicher Einfall . Ich will nur überzeugen , daß die Sache gut und nützlich sei . Ich will eure Gemüter gegen die schiefen Urtheile anderer verwahren und euch zu einem Betragen bewegen , das euch Ehre macht . Der Wert eines Liedes dependirt von dessen innerer Güte . Wenn der Ausdruck deutlich , der Begriff richtig , der Ton rührend , der Gedanke erhaben , gleich faßlich dem Verstande und dem Herzen , passend zur Erweckung und Stärkung der Gottseligkeit ist – dann ist das Lied gut . Unseren meisten Liedern fehlet die Deutlichkeit , die Richtigkeit , die Verständlichkeit , die Anständigkeit , das Lehrreiche . « Darauf beantwortete ich den Einwurf , daß » Gottes Wort verfälscht worden sei « . So gedachte ich es gut zu machen und machte es übel . Denn es hieß bei den Bauern : ich hätt ' ihren alten Glauben verachtet . Die Herrschaft kaufte gleich zwanzig Stück und gleich mit Neujahr 1781 sang ich neu ; der erste auf dem flachen Lande in der ganzen Provinz . Selbst Herr Teller , der erste in Berlin , sang nur vierzehn Tage eher . 1781 , am 10. Januar , fand man zu Berlin folgendes , als Beitrag zum Gesangbuchstreit bemerkenswerthes Pasquil an dem Galgen angeschlagen : » So hat uns der Teufel abermals drei Apostel auf den Hals geschickt , die unser Gesangbuch gotteslästerlich verdorben haben . Spalding , Teller , Dieterich . Kaum sind es fünfzehn Jahre ( es war im März 1766 ) , als Spaldings Name zum ersten Male am Galgen stand , und nun kommt er wieder mit zwei Bestien , Teller und Dieterich , und machen ein neu Gesangbuch . Jesu Christi wahre Gott- und Menschheit verläugnen sie . Jesu Leib und Blut im Abendmahl verläugnen sie . Verwerfen die Lehre vom Satan , wollen es sei keine Hölle , keine Ewigkeit , da doch die Bibel dieses alles deutlich beweiset . Verwerfen die alten Lieder , auch die , welche Lutherus gemacht . Verdrehen , zerstümmeln , zerhacken die alten schönen Lieder , daß sie aussehen , als hätten sie die Henkersknechte auf ihre Fleischklötze gelegt . Dies alles thun die drei Höllenbrände : Spalding , Teller , Dieterich . Diese drei sind des Teufels Apostel , nebst dem Prediger Stork ( oder Stark ) . Dieser dumme Mensch gehört nicht auf die Kanzel , sondern als ein Schulknabe in die Schule . Er kann die Einsetzungsworte noch nicht lesen , viel weniger beten ; stottert , so oft er eine Predigt thut , aus dem verfluchten neuen Gesangbuche her . Kann der verfluchte Hund nicht einen Vers aus dem alten Porst herbeten ? So gottlos handeln unsre verfluchten Geistlichen , davon die drei Bestien : Spalding , Teller , Dieterich die drei Heerführer sind . › Ach Gott im Himmel sieh darein , und laß Dich das erbarmen . ‹ « ( Es folgen nun kurze Notizen über Acker , Ackerzins und allerhand Wirtschaftliches aus den Jahren 1782 und 1784 . Davon stehe hier nur folgendes : im Jahre 1782 verkauften meine Kinder ihre gewonnene Seide . Sie erhielten vierzig Rthlr . zwölf Gr . In andren Jahren in der Regel nur dreißig Rthlr . , auch weniger . ) 1785 . Eins meiner Hauptleiden ist mein Küster . Vorgestern brachte mir sein Söhnlein folgenden Zettel : » Montag . Wird Gerste geharkt und eingefahren . Dienstag . Schule gehalten . Mittwoch . Habe Besuch . Donnerstag . Zu Markt . Freitag . Schule gehalten . Sonnabend . Nach Döbritz . Weil hiervon nichts abzuändern ist , so werden Sie diese Woche gütigst als Hundstage ansehn . « Mein Küster ist ein unausstehlicher Mensch . So viel möglich , vermeide ich mündliche Unterredung . Er ist zu voll , hört nicht wieder auf . Daher schreib ich das nothwendigste . Der vorstehende Zettel bezieht sich auf eine Unterredung wegen der Sommerschule . Man sagt : Die Seminaristen der Realschule wären immer solche Kerls von hohem Nagel . Der » Herr « wird ihnen da in Fleisch und Blut verwandelt . Als ich herkam , trug er Manschetten . Ich nicht . Nach Jahr und Tag legte er sie ab . Er wäre der vortrefflichste Rabulist geworden . Chef de parti ist er gern und bei jeder Gelegenheit Rath und Memorialschreiber der Bauern . Die Frau von Wülknitz sagte mal zu mir : » ich möchte gerne meine Thurmuhr abändern lassen . Recommandiren Sie mir doch jemand . « – Mein Küster versteht sich darauf . – » Ach , um Gottes Willen verschonen Sie mich mit dem Menschen ! Ich hab ' ihn schon hier gehabt . Aber der Kopf hat mir acht Tage von seinem Geschwätz weh gethan . « Übrigens warne ich meinen einstigen Nachfolger , wenn er je diese Zeilen liest : alle Leineweber stecken mit dem Küster unter einer Decke . 1786 am 27. Mai . So habe ich ihn denn erlebt den Anfang meines sechsundsechzigsten Jahres , nicht frisch und munter , aber doch nicht eigentlich krank oder unthätig . Mein Gott , an Dich sei mein erster Gedanke und mein bester Dank ! Aber nun auch noch eine Bitte : laß mich , Deinen Diener in Frieden fahren , sobald meine Kräfte nicht mehr hinreichen , meinen ganzen Beruf selbst zu bestreiten . Ich will treu