auch über meine Knechte und Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geiste ausgießen und sie werden weissagen « ... Dennoch wollte er mit der Hand über Armgart ' s Stirn streichen und ihr sagen : » Mädchen , laß doch nur treu und wahrhaft dein eignes Herz reden und du hast deine Zukunft gewiß ! « Nun aber ergriff Armgart blitzesschnell einen Ring an des Zögernden Hand ... Es war der Trauring seiner Mutter , jener , den der Onkel Dechant in dem Leichenhause des Sanct-Bernhard gefunden hatte , jener Ring , der als Erkennungsmittel vor dem entstellten Körper seines Vaters gelegen , derselbe Ring , von dem Bonaventura ähnlich wie Lucinde von Bickert ' s Schrift , gesagt hatte : In ihm liegt die ganze Lebensfrage unserer Kirche ! Und noch ehe er wußte , was geschehen , hatte Armgart den Ring schon ihm abgezogen und war mit ihrem Raube davongeeilt ... Sie eilte in den Vorsaal , dessen Thür sie offen ließ ... Bonaventura , bestürzt über ein Vorhaben , das er nicht sogleich begriff , folgte ... Die wenigen Anwesenden , die aufgeregt in dem grünen Nebenzimmer standen , grüßend , wandte er sich Armgart zu , die mit ihrer Eroberung noch eine Weile sinnend vor dem Onkel Levinus stand , als wollte sie von diesem erst die Erlaubniß haben , Paula - mit dem Ringe zu magnetisiren ... Dann aber , ohne seinen fragenden und zürnenden Blick zu erwidern , ging sie rasch durch die offen stehenden Thüren dem von der übrigen Zahl der Besucher schon umstandenen Schlummerlager Paula ' s zu ... Es waren so viel Frauen zugegen , der Verkehr durch alle geöffneten Zimmer hindurch war so gehindert , daß Bonaventura ' s Eintreten die Aufmerksamkeit nicht fand , wie sonst ... Aller Augen waren auf Paula gerichtet ... Auch einige geistliche Herren aus Witoborn waren zugegen und drangen in Bonaventura , den andern zu folgen ... Mit einer Empfindung , als wären die Engel vom Himmel gegenwärtig , drängte sich alles dem Vorzimmer zu vor Paula ' s Schlafgemach ... Hier lag sie auf dem Ruhesopha ... Die Vorhänge waren zurückgezogen ; einige Stiftsdamen standen um sie her , Armgart knieete vor ihr und steckte eben leise , nur von Bonaventura beobachtet , seinen blinkenden Raub an den Ringfinger der linken Hand Paula ' s ... Teppiche milderten jedes Geräusch der Umstehenden ... Paula schien in der That Reden vor sich hin zu murmeln ... O das ist schön ! sagte sie endlich vernehmbarer und ihr fieberhaft angehauchtes Antlitz begann zu lächeln . Sie schien die Annäherung eines magnetischen Rapportes zu fühlen , ja schien sie wie eine geistige Nahrung einzusaugen ... Wie wird es so licht und so hell jetzt ! ... sagte sie plötzlich lauter und wie begeistert . Von der Sonne ! ... Alles ! Alles ! ... Auch ihr Leib ist Licht ! ... Die Lichttropfen gleiten ihr aus den Fingern ! Wem ? fragten einige . Auch Bonaventura mit wehmuthumschleierten Augen ... Onkel Levinus erläuterte mit gedämpfter Stimme und trotz der Gewöhnung an diese Erlebnisse doch erzitternd : Das wird der Hochschlaf ! Immer , wenn sie den höhern Grad des Hellsehens erreicht , spricht sie von sich selbst als von einer dritten Person ! Es ist dann , als schritte ihr Geist aus dem Körper heraus , sodaß sie sich selbst sieht . Das Tröpfeln aus den Fingerspitzen ist der Anfang ... Tante Benigna bemerkte jetzt den Ring an Paula ' s Finger , wagte aber keine Frage oder Einsprache zu thun und bangte nur , wie alle ... Paula schwieg eine Weile , als wartete sie das Entgleiten des elektrischen Fluidums aus ihren Fingerspitzen oder die weitere Annäherung Bonaventura ' s ab ... Auch Terschka trat inzwischen zu den ängstlich Harrenden ... er grüßte Bonaventura und die , die er heute noch nicht gesehen hatte ... Wie ist das so schön ! fuhr Paula in kurzen Sätzen fort ... Ach , die herrlichen Blumen ! ... Rosen um dunkle Cypressen ! ... Die gehen ja hoch hinauf bis ins grüne Laub ! ... An den Blättern zittern Thautropfen , die die Sonne bescheint ! ... Die sanfte Datura ! ... Die stolze Magnolika ! ... Der Onkel schaltete bedeutsam ein : Die absolute Wesenheit der Dinge ! Erst kommt sie durch Blumen , dann durch bunte Ringe und Kreise ! Es ist zuletzt die Welt des reinen Seins ohne Zeit und ohne Raum ... Paula fuhr jedoch im Gegentheil fort : Ein herrliches Schloß ! ... Mit einer Fahne auf dem Thurm ! ... Wald und Berg ! ... Immer hört sie ein Glöcklein , das nicht aufhören will ! ... Onkel Levinus sah sich um und deutete mit stummem Blick nach oben . Er wollte sagen : Sie hört die Harmonie der Sphären ... Hirten kommen aus den Thälern , fuhr Paula fort , und steigen zum grünen Wald hinauf ! ... Wie in der Kirche ist ' s unter den Bäumen ! ... Die Bäume werfen so lange Schatten ! So lange ! ... Vor großen Kirchenfenstern schimmern so die grünseidenen Vorhänge ! ... Onkel Levinus lächelte die Geistlichen und die Damen an , als wollte er sagen : Die langen grünen Schatten sind die Urbilder der Dinge ! Die ewigen Grundformen ! ... Und Tante Benigna bedauerte im stillen nur die Abwesenheit Püttmeyer ' s ... Auch Thiebold ' s , der zum Essen kommen sollte und durch die anwesenden Stiftsdamen abgesagt worden war , weil er heute wieder , wie so oft , dort zurückbehalten wurde zum Vierhändigspielen mit mindestens drei bis vier der Stiftsfräulein die Reihe herum ... Und Armgart , die noch immer knieete , wandte ihren Kopf mit einem Bitteblick auf Bonaventura und langte mit dem Arme , als sollte er näher treten , Paula magnetisiren und sie ausdrücklich um ihre Anschauungen befragen ... Bonaventura stand in scheuer , schmerzlicher Befangenheit ... Paula aber that dem Onkel