, weil sie glaubt , daß ich die Mutter liebe ... Richtiger , sagte Dankmar ernst und voll Schmerz , weil diese Mutter dich in Wahrheit liebt ! Siegbert schwieg ... Beide Brüder standen sich so voll innerstem Antheil gegenüber . Ich gehe nach Haus , sagte Dankmar , um für uns zu lesen , zu schreiben , zu arbeiten . Vielleicht auch noch etwas auf das Café Richter ! Komm ' nicht zu spät ! Die Brüder trennten sich mit innigem Händedruck ... Hätten sie noch einige Minuten gewartet , so würden sie noch Louis getroffen haben , der eben rasch , verstört und in großer Unruhe aus dem Portale trat ... Was war ihm begegnet ? Nichts , als daß er den Prinzen die Treppe hinaufführte und ein Licht aus einer der dienenden Hände nahm , um Egon in ein schon dunkles Zimmer zu begleiten ... Wie er an das letzte kam , dem Egon , um sich auf seine weichen Polster zu werfen , mit rechtem Verlangen schon näher entgegentrat , hörte er drinnen den jubelnden Ausruf einer weiblichen Stimme : Egon da bist du ! ... Er trat ahnend näher , das Licht erlosch , er hörte den feurigen Kuß einer sehnsuchtsvollen , zur rasendsten Ungeduld gesteigerten Begrüßung ... er fühlte eine weiche Hand , die einen elektrischen Schlag auszusprühen schien , die seine ergreifen und ihn mit einer einzigen Bewegung fast an die Thür zurückschleudern ... Er trat von selbst zurück . Die Thür fiel in ' s Schloß und wurde von innen verriegelt ... Louis stand eine Sekunde im Dunkeln , besann sich und suchte mit raschem Entschlusse , weil sein beklommenes Herz zu ersticken fürchtete , das Freie . Vergebens sah er sich nach den Brüdern um , von denen er nichts mehr entdeckte . Ein ferner Donner rollte und helle Blitze zuckten ... Dennoch langsam und tiefaufseufzend ging er der Wallstraße zu , um Heunisch ' s Abreise noch um einen Tag zu verhindern und sich durch einen freundlichen , Franziska dargebrachten Abendgruß für seine Befürchtungen über die Aussöhnung zwischen Egon und Helene d ' Azimont zu trösten . Vierzehntes Capitel Wahre innere Mission Als an demselben Tage Mittags Louise Eisold nach Hause gekommen war und sich in ihrem Hinterhofe auf der Brandgasse die steile Treppe an dem glatten Seile hinaufgeleiert hatte , wenn man einen Ausdruck der Mägde am Brunnen auf die Erleichterung des Emporsteigens über eine so halsbrechende Treppe anwenden will , waren ihre Kleinen über den Ausgang , der doch eine Stunde gedauert hatte , ungeduldig genug geworden . Das Jüngste , die kleine Johanna , wollte sich von Friederike und Heinrich nicht beschwichtigen lassen , und schon auf der Treppe , wo ihr eine Nachbarin , der sie die Aufsicht übertragen hatte , sagte , daß Alles gut stände , hörte Louise doch den kleinen Schreihals , den sie schon auf der Galerie durch laute Schmeichelworte beruhigte , ehe sie noch eintrat und das nach ihr verlangende Kind auf den Arm nahm . Das einfache Mahl war schon früh Morgens zubereitet und stand bei der warmen Asche auf dem Feuerherd . Der Brei für das weinende Kind war bald gewärmt und mit hundert Liebkosungen und Schmeichelworten , mit hundert scherzenden Anklagen ihrer selbst , auf ihrem Schooße ihm dargereicht . Als der letzte Löffel voll verspeist war , that es auf ein paar Strophen vom schwarzen und weißen Schäfchen die Äuglein zu und schlief ein . Jetzt kamen Riekchen und Heinrich an die Reihe des Speisens . Der kleine Zweijährige lärmte auch und jammerte . Dem gab Louise es aber schon derber mit Anwendung der Strafrechtsprincipien nicht auf sich , sondern den Kleinen selbst . Aber Heinrich beruhigte sich erst , als er die Löffel klappern hörte und Riekchen das Salzfaß brachte , das Louise immer zu vergessen pflegte . Nun fehlten freilich noch Linchen und Wilhelm , aber auf diese kleinen Zeitungsträger war nie sicher zu rechnen . Oft blieben sie über Mittag ganz aus und halfen sich durch Brot und schlechten Kaffee , den sie sich dicht bei der Druckerei in einem Keller geben ließen . Karl , der Älteste , aß draußen in der Willing ' schen Maschinenfabrik . Als Louise gebetet , vorgelegt , Brot geschnitten , sich und die Ihrigen mit der einfachsten Kost gesättigt hatte , deckte sie wieder ab und besorgte die Wiederherstellung der Reinlichkeit in der Küche . Dann lüftete sie das Fenster , um den Eßgeruch zu vertreiben . Hannchen schlief , auch Heinrich streckte sich jeden Mittag noch etwas in dem alten Lehnstuhl des seligen Urgroßvaters . Riekchen hatte im Zimmer keine Geduld , sondern kletterte die Stiege hinunter und hüpfte in dem Hof und auf der Straße umher . Louise aber ging an ihren Stickrahmen und eilte sich , das Versäumte nachzuholen . Heute nach der Anregung durch Franziska , durch das Gedicht , durch die Erinnerung an Hackert ging die Arbeit ganz besonders flink . Und die Aussicht auf die Waldpartie am nächsten Sonntag machte ihr die Hände vollends noch einmal so rührsam . Das äußere Leben armer Menschen , die fleißig sind , ist einfach . Eine Viertelstunde in Einem weg das Haupt gebeugt , immer den Rücken gekrümmt , dann einmal ein Blick durch die bleigefugten kleinen Fensterscheiben , ein Blick nur , ein ganz kurzer ... Es gibt immer etwas zu sehen . Ein Spatz fliegt an ' s Fenster , ein Käfer brummt in den paar bescheidenen Lack- und Resedastöcken draußen auf einem seit langer Zeit verwitternden Blumengerüst . Drüben auf dem Dache klettert behend eine Katze und schleicht mit ihren sammetweichen Pfoten behutsam um den großen Hauslaufknollen herum , der unter einer Dachluke wild hervorgewachsen ist . Bei jedem Blicke , den sich Louise alle Viertelstunden einmal gönnte , blieb immer etwas haften , was sie von der wogenden unruhigen inneren Welt , die in ihr lebte , ein klein wenig tröstend und beschwichtigend abzog und sollt ' es nur die