dem Grabe singen Sie : Jesus meine Zuversicht . Dann thun Sie ein Gebet ; darauf wird weiter gesungen und das Grab zugeworfen . « Und so geschah es . Er hatte sich an einen Baum gelehnt und zog etliche Male das Schnupftuch heraus . Nach vier Wochen bestellte Herr Lüdicke ( Schreiber und Faktotum ) eine Leichenpredigt , brachte auch den Lebenslauf . Ich hielt sie , aber der Graf war bei dem König . Niemand vergoß eine Träne . Es sah für eine Gräfin etwas kahl aus . Die verstorbene Gräfin wurde den 16. Juni 1722 geboren . Ihr Vater war Graf Karl Wachtmeister , königlich schwedischer Admiral und der Großvater Graf Johann Wachtmeister , Reichsrath und Großadmiral der ganzen schwedischen Flotte . Die Frau Mutter war Henriette Baronesse von Metsch und die Großmutter eine Gräfin Archenberg . – Im zwanzigsten Jahre ihres Alters ward sie mit dem Grafen Johann Ludwig Hordt , damals königlich schwedischer Oberst , jetzt königlich preußischer Generallieutnant und Gouverneur der Veste Spandau , Erbherr auf Sakrow , vermählt . In dieser Ehe hat sie vier Kinder geboren , davon nur noch der zweite Sohn lebt , Graf Karl Ludwig Hordt , geboren 1749 , jetzt Lieutnant beim Regiment Prinz Leopold von Braunschweig zu Frankfurt an der Oder und Adjutant des Prinzen . In den letzten Jahren stand sie manche Schwachheit des Körpers aus . Es waren gichtische Zufälle , die ihren Tod beschleunigten . Von Person ansehnlich , hatte sie das ganze air de grandesse . Sie sah aus wie die Ernsthaftigkeit selbst . Daher stutzte ich , als sie einst von dem liederlichen Kindleben sagte : » er war ein allerliebster Mann , sprach gut französisch und konnte einen recht zu lachen machen . « Es heißt , daß die Ehe keine glückliche war . Die fromme Miene hatte sie ganz und besuchte oft den Weinmeister Reuter . Seit dieser Beerdigung habe ich den Grafen nicht wieder in Sakrow gesehen . Er war seit des Lentulus Abreise beständig bei dem König und ging 1778 mit zu Felde als Chef eines Freiregiments . Beim Ende des Krieges 1779 verzürnte er sich mit dem König , nahm seinen Abschied , wohnte zu Berlin und verkaufte Sakrow an den Baron von Fouqué , Sohn des berühmten Generals . Man muß dem Grafen Hordt die Gerechtigkeit widerfahren lassen , daß er das elende Sakrow umgeschaffen hat . Das schöne Wohnhaus , der ganze Plan des Gehöftes , des Gartens und des Dörfleins , alles kommt von ihm her . Wenn ich Sakrow jetzt mit dem von 1750 vergleiche , so kann ich sagen , Sakrow war damals ein Ratzenloch . Hordt kaufte es , wie man sagt , für fünfzehntausend Thaler , baute stark , erholte sich in der Haide und verkaufte es an Fouqué für dreiundzwanzigtausend Thlr . , doch incl . vielen Meublements . Der Gräfin Zimmer blieb in statu quo . Der Graf , wenn er in Sakrow war , lebte sehr eingezogen . In meinen Jahren habe ich keine fremde Seele bei ihm getroffen . Er mochte es nicht überflüssig haben . Gegen mich hat er sich geizig betragen . Nichts von Generosität habe ich von ihm aufzuweisen . Der Schreiber Lüdicke war sein Herz und Werkzeug , thätig und wirthschaftlich , übrigens falsch wie eine Schlange und dumm wie ein Schöps . Sakrow unter Baron Fouqué von 1779 bis 1787 Sakrow unter Baron Fouqué von 1779 bis 1787 Der Graf Hordt hatte keine Kirchenrechnung gehalten , weil er wenig da war . Bei der neuen Herrschaft drang ich oft darauf , aber die Baronesse Fouqué antwortete darauf : » hat doch der Graf Hordt auch keine gehalten . « – Ich habe in Nachstehendem , avec pardon , immer nur von der Baronesse zu sprechen . Dès-lors regne la Baronne . Der Gemahl bedeutet wenig . Monsieur le Comte de Schmettau est l ' Aide de l ' économie et – du reste . 1779 , in demselben Jahre , in dem die neue Herrschaft nach Sakrow gekommen war , starb in dem benachbarten Carzow Herr Prediger Woltersdorf . Er war ein Schwätzer , beliebt beim großen Haufen , weil er immer » weiland « und » selig « bei der Hand hatte . Dem Branntwein ergeben bis ans Ende mit vielen Ärgernissen . Seine Wittwe wurde Haushälterin beim Baron von Monteton . Sein Nachfolger war Herr Schulte , ein Jüngling voll Eigendünkel , der sich bald beflissen zeigte , unserem Orden große Schande zu machen . 1780 den 30. November erging an mich Befehl , verschiedene Fragen hinsichtlich der Kirchenländereien mit möglichster Genauigkeit zu beantworten . Dies konnte ich nicht ; Kirchenrechnung war nie gewesen . Die Herrschaft war damals in Brandenburg ; der Baron hatte sein eigen Haus daselbst , wo sie den Winter zubrachten . Dazu kam , das Kirchenrechnungsbuch war noch beim Grafen Hordt . Wem muß das nicht auffallen ! » Wie legèr « würde die Herrschaft ausrufen , wenn unsereiner so etwas täte . Zum Gesangbuch-Streit . Im selben Jahre 1780 , am 1. Dezember , publicirte ich das neue Gesangbuch und kündigte an , daß ich über vierzehn Tage ausführlicher von der Sache reden wollte . Währenddem entstanden schon allerhand Unruhen in dem orthodoxen Nachbardorf , gestiftet und unterhalten von dem Küster , wie das allerorten der Fall war . Madame Oberamtmann redete von nichts , als daß man wolle » neuen Schmu « machen . Inzwischen ( am 15. ) hielt ich meine Rede über Colosser 3 , 16. Bei der Applikation sagte ich unter anderm : » Als König David von den vielen Kriegen , die er führen mußte , zur Ruhe kam , richtete er seine ganze Sorge auf die innere Verbesserung des Landes , namentlich auf das Kirchenwesen und öffentlichen Gottesdienst . Er entwarf den Plan , wonach der Nationaltempel sollte gebaut werden , und ordnete die Kirchenmusik nebst jeder äußeren gottesdienstlichen Verrichtung an . Etwas ähnliches geschieht jetzo und