dein maître-tailleur-Schild vom Fenster nähmen ! Siehst du denn nicht , was ein altchristliches Gebet für Gnade im Gefolge hat ? Gehst du nicht endlich in dich , Gütertheiler , so hängt in dem Schild noch das Bret zum Sarge deiner Fanchon über deinem Hause ! « Schlimm , schlimm , schlimm ! brummte nur immer im Gehen vor sich hin der alte Tübbicke , enträthselte dem Domherrn den Zusammenhang dieses Zanks und kam auf die Gräfin und seinen zunächst Gott , dann ihr darzubringenden Dank zurück ... Bonaventura litt unter allen diesen Mittheilungen ... ... Auch Thiebold ' s Erzählung von der Vision der Schlafenden bewies , daß Paula ' s ekstatische Zustände doch wieder zurückkehrten . Noch hatte er keinem derselben seit ihrem Wiedersehen beigewohnt ... Mit bangem Herzen eilte er nach Westerhof . Einen vollen , vollen Tag hatte er ohne Paula sein können ! ... Der scharfe Wind erfrischte seine Wange . Die kahlen Pappeln , Buchen und Erlen am Wege ächzten ... Er drückte den Hut auf die Stirn . Seinen warmgefütterten Winterrock fest an sich ziehend , schritt er sehnsuchtbeflügelt dahin ... Da lagen - nach einer kleinen Stunde - die vier Thürme des Schlosses ! Weißschimmernd der graue Schiefer an den Stellen , wo der Wind den Schnee abgetrieben ! Hinter den Fenstern dort oben das süße Mysterium , wo Frauen von zarter Sitte und holder Anmuth wohnen ! Gar nicht gedenken konnte er , wie ihm Paula ' s Dasein doch nur so war , wie dem Baume sein Blatt kommt und geht und wiederkehrt und wieder schwindet , immer ein anderes ist und doch dasselbe , tausendfach immer nur Eines , Wirklichkeit und doch nur ein Begriff . Wäre das edle Gemälde der Gräfin nicht wie auf Goldgrund gemalt gewesen - er wäre vielleicht verloren gewesen . Irgendeine einzelne Schalkhaftigkeit , wie sie Armgart besaß , irgendeine lächelnde Caprice , wie Lucinde , und der Erscheinung Paula ' s wäre jene Leibhaftigkeit verliehen gewesen , die herausfordert . Ihm aber war sie so wie Andern ; auffallend mußte erscheinen , daß die auch jetzt doch noch so reiche Erbin nicht von Freiern umgeben wurde , Paula konnte sich nur entweder selbst verschenken oder sie mußte verschenkt werden ; ein Werben um sie , ein sie Liebenmüssen oder Liebenwollen schien bei einer so geistig vornehmen Natur kaum aufzukommen . Vor dem Schlosse fand Bonaventura , wie um diese Zeit fast immer , eine Anzahl Wagen . Zu den vielen Rücksichten der Etikette gesellte sich die hier stets genährte Neugier und dann war gestern beim Leichenbegängniß so vieles vorgefallen , worüber man seine Gedanken austauschen mußte ; ja auch die neue Kunde war schon überall hinausgegangen , die Gräfin hätte das Leichenbegängniß selbst gesehen und ein von ihrem Leib genommener Rosenkranz hätte ein Kind in Witoborn vom Tode gerettet . Auf den Treppenstufen sah Bonaventura wieder die Zahl der Gichtbrüchigen und Blinden und Hülfsbedürftigen wie sonst ... Armgart kam ihm auf der Treppe entgegen und theilte den Harrenden Amulete aus , die Paula berührt hatte . Diejenigen unter seinen Arzneien , deren Heilkraft verbürgt ist , kann der Apotheker nicht mit größerer Zuversicht verabfolgen , als hier Armgart , nicht einmal mit Verlegenheit vor Bonaventura niederblickend , eine Anzahl kleiner Kissen austheilte , deren sie und die Stiftsdamen tagein tagaus eine Anzahl verfertigten . Diese Kissen waren fingerlang , fingerdick , von weißer Seide , innen mit Baumwolle gefüttert , von außen bildeten lose und weite Stiche ein rothseidenes Kreuz ... Paula berührte sie nur und sie sollten heilen . Armgart theilte diese Kissen aus mit einer Zuversicht , als müßte sie jeden Zweifel daran für teuflisch erklären ... O gut , rief sie dazwischen dem Domherrn entgegen , daß Sie kommen ! Paula schlummert ! Reden Sie mit ihr ! Alles steht erwartungsvoll ! Sie spricht wie gestern ! Aber da sie niemand zu fragen wagt , antwortet sie nicht zusammenhängend ! Der Onkel verbietet es andern ! Sie , Sie , Domherr , Sie könnten endlich ein Machtwort sprechen ! ... Bonaventura stand voll Zagen ... Als Armgart die Leidenden entlassen hatte , ergriff sie Bonaventuras Hände , von denen die eine , schon während des Beobachtens der Scene des Austheilens der Kissen , ihres Handschuhs sich entledigt hatte . Halten Sie doch die Leiter , auf der Paula gen Himmel steigt ! sagte sie , beide Hände ergreifend . Warum thun Sie ' s nur nicht ! Alles sehnt sich danach und niemand mehr als Paula selbst ! Oder gab es keine heilige Theresia , sah Franz von Assisi nicht den Himmel offen ? Nicht die heilige Brigitta ? Erleuchtete Gott nicht Katharina von Genua und nun erst gar die von Siena ? Hören Sie , was Paula redet und fragen Sie dann selbst ! Was soll ich fragen ! sprach Bonaventura wie gefangen ... Alles wurde still umher ... Herrschaften und Diener waren in den innern Gemächern und standen ohne Zweifel um Paula ' s Lager ... Armgart hielt fort und fort seine Hände ... Eine Handbewegung nur von Ihnen ! Diese weiße Hand auf ihr Herz gelegt ! Eine sanfte Frage nur von Ihrem Munde ! O kommen Sie ! Armgart ! - lehnte Bonaventura , voll Mismuth ohnehin gegen Armgart , ab ; Armgart küßte ihm jetzt selbst seine Hand ... Fragen Sie nach meinem Vater ! Nach meiner Mutter ! Ob es wahr ist , daß sie jede Stunde hier eintreffen können ! Fragen Sie , ob die Zukunft uns alle , alle - unglücklich macht ! Bonaventura blickte finster . Er hörte zwar im Geist die Worte des Herrn , der durch Prophetenmund , Joel 2,28 . 29 spricht : » Es wird geschehen in den letzten Tagen , spricht der Herr , da will ich von meinem Geist über alles Fleisch ausgießen . Und euere Söhne und Töchter werden weissagen , euere Jünglinge werden Gesichte schauen und euern Aeltesten werden Traumgesichte erscheinen . Ja