Bruder Louison ' s gebotenen Handdrucke sagte : Louison hatte Alles , um zu gefallen . Augen , die nicht unstät umirrten , Augen , die , wenn sie empfand , stillstanden und Den , den sie ansah , ganz in sich aufnahmen , ja hinüberzogen wie in eine träumerische Vergessenheit aller Dinge ! Louison hatte die schönsten Zähne und lachte doch nur selten ! Wer die Eitelkeit der Frauen kennt , wird begreifen , was es heißt schöne Zähne haben und nicht jedes Wort mit einem Lächeln begleitet sehen . Stieg ihr dann aber auch der Schalk in den Nacken , wie konnte sie ausgelassen sein ! Wie schlug sie den Arm um meine Schulter und blies mir , wie ein Kind , dem Stäubchen in ' s Auge geflogen sind , so von der Stirn jede Wolke des Unmuthes ! Da konnte sie sich schmiegen , der zarten lieblichen Gestalt Wendungen geben , wie der Knabe einer Weidengerte . Ja , wenn ich oft zürnte und über Mancherlei schmollte , war ' s da nicht wie mit der Blume im Topfe , die der Sonne zugewendet blüht ? Man dreht den Scherben um , läßt die Blumenkrone in den Schatten sehen und in wenig Stunden langt sie mit ihren Armen doch schon wieder nach der Seite des Lichtes hin ! Ich will Louison ' s Andenken nicht entweihen und von ihrem Kusse sprechen . Aber Das kann ich ihren Zärtlichkeiten nachsagen , Louis , daß sie die Eingebungen des Herzens waren . Was das Raffinement des Verstandes , die kalte Leidenschaft , die gemeine Erfindung , die Liebe entweihend , an Mysterien der Hingebung nur ergrübeln kann , das kam unsrer armen Louison wie ein Einfall der Schalkhaftigkeit und Laune . Ich behaupte , jede Zärtlichkeit eines Weibes , die nicht der Herzensgüte entstammt , ist ein Gift und rächt sich durch den Überdruß . Ich hasse das stürmische , hastige Naschen vom Baume der Erkenntniß . Aber ekel sieht die Asche der verglühten Leidenschaft aus ! Ah , Louison ! Du hattest ein Geheimniß , das so Wenige verstehen : Du schwiegst , wenn du liebtest ! O wie beredtsam war dies Schweigen ! Wie genügte diese ruhige , stille , stundenlange träumerische Umarmung ! Dieser einzige Blick , wenn sie zu meinen Füßen saß und nur aufschaute und sagte : Rühr ' dich doch nicht ! Ich brauche nur deine Augen zu sehen ! Und Das that sie stundenlang , hielt meine Hand und schwieg . Und nun schweigt sie für ewig ! Die Einfahrt in die lebhafte Vorstadt , der Hinblick auf die eben aufblitzenden Gasflammen der dunkeln innern Stadt brach diese wehmüthige Wendung des Gespräches ab . Egon ermannte sich , dankte den Brüdern Wildungen für den freundlichen , ihm bereiteten Tag und bat nur entschuldigen zu wollen , daß er mit seinem Freunde Louis die Ruhe suche . Er fühle sich erschöpft , bedürfe für morgen gestärkter Kräfte und dann zu Louis sich wendend , sagte er : Mit Heunisch wirst du vielleicht noch heute sprechen , nicht wahr ? Laß mir jede Sorge , Freund ! antwortete Armand . Ihm und Zeisel übertrage das Delogement der wiedereroberten Andenken an meine Mutter ! Ich nehme die Sachen nach Hohenberg . Gnaden und Herablassungen dieser Art muß man so nehmen , wie sie geboten sind , sonst ängstigt man den Geber und läßt ihn glauben , man fühle sich durch seine Güte verletzt oder wisse sie nicht zu schätzen . Es trat eine Pause ein . Man hatte zuviel erlebt , zuviel Eindrücke führte man mit sich heim ... Der Wagen rollte pfeilschnell ... Doch sagte Egon , gleichsam um der Bekanntschaft des ihm so wohlthuenden Siegbert die letzte Weihe zu geben : Sprechen Sie noch heute die Fürstin Wäsämskoi ? Siegbert bejahte . Nun , so bereiten Sie mir daselbst für morgen einen günstigeren Empfang vor , als ich nach der schlimmen Meinung der Kinder scheine erwarten zu dürfen . Jedenfalls muß ich Rudhard sehen , dessen Namen ich so verehre , daß ich mich in Frankreich nach ihm nannte . Sagen Sie ihm Das ! Ich habe viel von Dem , was meine Mutter ihn so übel empfinden ließ , wieder gut zu machen und sind auch meine Mittel gering , so gehört er , das weiß ich , zu Den Menschen , die sich auch durch Gesinnung belohnt fühlen . Nahe beim Palais des Prinzen stiegen Dankmar und Siegbert aus und mußten versprechen , morgen bei Egon zu speisen . Wir haben auch wegen der Deputirtenwahl zu reden , sagte der Fürst lächelnd . Wohl , erwiderte Dankmar , diese Angelegenheit kann nicht schnell genug betrieben werden . Als Louis den Schlag von innen zudrückte , gab ihnen Dankmar , dem Arbeiter wie dem Prinzen , mit gleicher Herzlichkeit die Rechte . Die Brüder sahen dann dem Wagen nach , wie er rasselnd in das Portal des Palais einfuhr ... Bist du befriedigt ? fragte Dankmar , als sie allein waren . Vollkommen ! erwiderte Siegbert . Dieser Egon besitzt den Stoff zu einer großen Zukunft ! Was ich thun kann , ihn hochzuhalten , soll geschehen und müßt ' ich selbst der Schemel dazu sein ; sagte Dankmar . Warum sprachst du nichts von unserm Proceß ? fragte der Bruder . Bei günstigerer Gelegenheit . Wir sind ihm noch zu ideell ... Und nun : Guten Abend , Bruder ! Du gehst zu ... Wohin anders als zu meinen Kranken , sagte Siegbert fast wehmüthig . Denn Das sind diese Wäsämskoi ' s ! Sie bedürfen meiner um zu leben und ich fühle , wie qualvoll die Leiden ... eines Magnetiseurs sein mögen . Die Kleine ist lieblich , voll Charakter , reif zu einem Roman ! sagte Dankmar voll Herzlichkeit , die schmerzliche Wehmuth des Bruders wohlverstehend . Warum weinte sie ? Gewiß nicht deshalb , weil du nicht mit ihr fuhrst ... Sie weinte , sagte Siegbert bebend