mich an seine Brust , und an seinem Herzen , an seinem treulosen Herzen weinte ich um ihn - um mich ! Matt wie eine Sterbende , riß ich mich endlich von ihm los . Ach , er hielt mich nicht ! Wo willst Du hin ? fragte er mich , da ich , nicht wissend , was ich that , mich nach dem Dorfe wendete . Wo willst Du hin ? In die Verbannung ! gab ich ihm zur Antwort . War die Welt mir doch öde und leer , wohin ich immer ging . Er bot mir seinen Beistand an , er wollte mich begleiten . Die kleinste Hülfsleistung von ihm wäre mir wie eine Schmach erschienen . Ich hieß ihn gehen . Er trug Bedenken , mich zu verlassen . Ich bin des Alleinseins lange schon gewohnt ! versicherte ich ihm . Dir gegenüber habe ich nur zu gehorchen ! sprach er , und mir die Hand noch einmal reichend , die zurückzuweisen ich zu stolz war , ging er , ohne sich auch nur noch einmal nach mir umzusehen , langsam die Höhe hinab . Trockenen Auges blickte ich ihm nach . Es war mir Alles werthlos , Alles gleichgültig , selbst mein eigenes Unglück . Nur das Eine fühlte ich , ich konnte mein Haupt unter seinem Dache nicht mehr zur Ruhe legen , ich konnte ihn nicht wiedersehen . Als ich in das Schloß kam , sagte man mir , Renatus sei ausgeritten und werde erst am Abende wiederkehren . So sehr war ich an seine rücksichtslose Grausamkeit gewohnt , daß ich es ihm Dank wußte , mir Freiheit für den einen Tag geschafft zu haben . Ich konnte Vittoria , ich mochte Cäcilie nicht um mich haben . Ich bat meiner Mutter , sich mit mir zurückzuziehen ; ich sagte ihr Alles , Alles ! - Auch sie begriff es , daß ich nicht bleiben konnte , auch sie wünschte , sich zu entfernen ; nur so schnell , wie ich es begehrte , konnte es für sie und mich und für Cäcilie nicht ausgeführt werden ; und ehe ich über diesen Abend hinaus in seinem Hause geblieben wäre , hätte ich mein Haupt auf freiem Felde betten und des Himmels Sterne mir zum Zelte machen mögen . Meine Mutter sah meine Angst . Es fiel ihr ein Auskunftsmittel ein . Am folgenden Tage sollte , wie wir wußten , eine meiner näheren Bekannten ihr Vaterhaus verlassen , um nach dem Fräuleinstift zum heiligen Grabe aufzubrechen , in welchem der König ihr eine der freigewordenen Stellen gnädig zuertheilt hatte . Ich konnte ihren Wohnsitz noch vor der Nacht erreichen , und sie hatte , da sie nur mit ihrem Mädchen reiste , einen Platz für mich in ihrem Wagen ; sie hatte es mir sogar angeboten , sie zu begleiten , falls ich die Hauptstadt und unsere Freunde wiederzusehen wünschte . Wie mir zu Muthe war , als ich das Schloß verließ , welches ich mich gewöhnt hatte , als meine Heimath zu betrachten - ich finde keine Worte , es Ihnen auszudrücken . Vom Leben scheiden , ist für den Gläubigen nicht schwer , die Hoffnung leiht ihm ihre tragenden Schwingen ; aber sich loszureißen von all seinem Glauben , von seinem Lieben , von all seinem Hoffen und in das Leben , in die kalte , fremde Welt hinauszugehen , das , mein theurer Freund , das ist sehr schwer , sehr bitter , und ich habe es ertragen . Unsere Reisetage gingen still dahin . Ferdinanden ' s Verlobter war auf dem Schlachtfelde gefallen , sie war vereinsamt wie ich , und doch die Glücklichere , denn ihr Schmerz war rein . Wir fuhren die ganzen Tage , wir rasteten die Nächte ; sie fühlte keine Neigung und ich hatte nicht die Kraft , unsere Freunde in der Hauptstadt wiederzusehen . So langten wir im heiligen Grabe , im Stifte an , und so habe ich es nach kurzem Aufenthalte unter dem Schutze einer der Stiftsdamen wieder verlassen und mich derselben mit Bewilligung meiner Mutter für den Besuch von Pyrmont angeschlossen . Meine Gesundheit , die nie stark gewesen ist , hat sehr gelitten , der Arzt verlangte für mich den Gebrauch jener Quellen , und ich durfte mich seinem Rathe nicht widersetzen , denn ich habe eine Mutter , die von meinem Siechthume leiden , die mein Tod betrüben würde . Ich muß ein Leben zu erhalten suchen , das mir völlig werthlos ist . Am Beginne jedes Morgens frage ich mich mit schmerzlicher Ermüdung : was soll mir dieser Tag ? Ich werde mich dies fragen bis an mein Lebensende ! Die Liebe , wie ich sie fühlte , ist eine Blüthe , die , einmal entblättert , nicht wieder blüht , und wenn ich zurückblicke in die Vergangenheit und ich finde alles verwelkt , was ich in mir gepflegt um seinetwillen , der es nicht verdiente , und wenn ich mich frage : wie konnte das geschehen , wie durfte er es wagen , wie vermochte er es zu thun ? so finde ich keine Antwort in mir , wie ich kein Verschulden in mir finde . Nur das Lied des Dichters fällt mir immer ein , und Tag und Nacht klingt sein trauriges Wort : Mußt es eben leiden ! in meiner Seele wieder . Wenn Gott Erbarmen mit mir hat , wenn er mein Gebet erhört und mir es nicht zu fern steckt , meines Daseins Ziel , dann , mein verehrter , mein theurer Freund , Sie Einziger , der schon seit Jahren meinen Kummer in selbstloser Güte zu theilen nicht verschmähte und gegen den mein Herz zu erschließen mir jetzt ein trauriger Genuß ist , dann lassen Sie mir diese Worte auf den Grabstein setzen ; und so lange der rohen Willkür und dem Leichtsinne eines Mannes noch Gewalt gegeben ist über eines Weibes liebend Herz , wird ihnen der Wiederhall in mancher