nun doch noch eine Verpflichtung bestünde , seinem Freunde Benno die » stattgefundene Täuschung « mitzutheilen ... Bonaventura erwiderte nach ernstem Sinnen über die Worte Armgart ' s : Ich glaube , lieber Herr de Jonge , daß Sie jetzt besser thun , diesen Gegenstand fallen zu lassen . Ziehen Sie vor , Ihren Fehler durch desto innigere Beweise der Freundschaft für unsern guten Benno wieder gut zu machen ! Armgart will nicht , daß Benno etwas von ihren frühern Empfindungen erfährt ? Dann um so besser , wenn ihn die gegenwärtigen des jungen Mädchens nicht enttäuschen . Zu jung und unklar noch in sich selbst scheint sie mir zu sein , als daß ihr Herz schon in dem Grade für irgendjemand sollte entschieden haben , um etwas auf die Beweise ihrer Gunst zu bauen . Ein Mädchenherz in diesem Alter ist eine unbekannte Insel , die der Seefahrer mit Zagen betritt , ungewiß , was sie birgt ; bald hoffend , bald getäuscht geht er vorwärts , bei jedem Schritt entdeckt er Unerwartetes und findet sich erst nach langer Zeit in ihm zurecht . Zunächst wird das Wiedersehen ihrer Aeltern sie ganz in Beschlag nehmen . Ich höre , daß beide sich bald in dieser Gegend einstellen werden ... Der Oberst wenigstens ! fiel Thiebold ein . Ich weiß es für bestimmt von Hedemann ... Er kann in acht bis vierzehn Tagen hier sein . Schon liegt Hedemann ' s Gesuch an die städtische Behörde von Witoborn vor , vorläufig die Wasserkraft der Witobach auf Handpapier gehen zu lassen ... Die Aufregung , die in der Stadt dieser Antrag hervorgebracht hat , ist ridicül ... Alles intriguirt dagegen ... In der heiligen Stadt Witoborn Papier fabriziren ! Eine Erfindung des Satans fördern ! ... Entschuldigen Sie , Herr Domherr , ich erzähle nur , was ich von Benno und von Offizieren » Bei Tangermanns « gehört habe ... Bonaventura begriff , was sich von einem so dumpfen Geiste , wie er ihn hier überall vorfand , voraussetzen ließ , und fügte hinzu : Aber auch Frau von Hülleshoven hat die Absicht , ihren Gatten nicht allein sich in die Lage versetzen zu sehen , Armgart so nahe zu kommen . An dem Tage , wo der Oberst in Witoborn eintrifft , ist sie hier im Stifte , wo sie eine Verwandte der Aebtissin der Hospitaliterinnen in Wien , ein Fräulein von Tüngel-Appelhülsen , aufzunehmen versprochen hat ... Verrathen Sie jedoch nichts davon ! Sie kennen Armgart ' s Phantasie - Ihr Gelübde ! Die Aeltern sollen sich vereinigen oder niemand gewinnt sie ... Bonaventura schüttelte den Kopf ... Noch immer die Grille , die er schon aus den in Kocher am Fall gelesenen Briefen kannte ... Thiebold versprach auf viel mehr , als » nur auf Ehre « sein unverbrüchlichstes Schweigen über die von zwei Seiten auf Armgart anrückende Prüfung und bot dann dem Domherrn seinen Einspänner an . Er wollte noch im Stifte bleiben und bei den Damen Besuche machen . Er erklärte , dann zu Fuß nach Westerhof zu gehen , wo er wie fast täglich zu Mittag speiste . Tante Benigna hatte ihn von dem Frühboten , der jeden Morgen in die Stadt geschickt wurde , schon wieder einladen lassen , ihn , nicht Benno . » Wir sind es Terschka schuldig « , sagte sie zum Onkel Levinus , der gegen die steten Zurücksetzungen Benno ' s bescheidene Bedenken erhob , » daß wir auf den Bevollmächtigten Nück ' s keinen zu großen Werth legen . « Bonaventura mußte den Vorstellungen Thiebold ' s nachgeben , schon aus Rücksicht auf den Gaul , der hier bis Mittag hätte im Freien zubringen müssen ; Thiebold war im Stifte so beliebt , daß er bei einem Morgenbesuch leicht in die Lage kam , gleich zu Mittag , nicht selten zum Nachtessen zu bleiben ... Es war eben Thiebold ' s Talent , alle Menschen zu gewinnen ... Er wußte nicht nur einige Dutzend Pfänderspiele , sondern ließ auch Garn und Seide auf sich abwickeln ... Dabei seine bequeme Prätensionslosigkeit in Bildungssachen ! Er machte gar kein Hehl daraus , daß er bei weitem weniger wußte , als Alexander von Humboldt . Wenn eine von den Damen dichtete ( und es waren nur fünf oder sechs darunter , die , nicht etwa eine Ausnahme machten , sondern ihr Dichten nur nicht eingestanden ) , so bewunderte er jeden Vers , jedes Bild , hatte nie dergleichen gehört oder gelesen und war ein Zuhörer so voll Aufmerksamkeit , daß er schon eine ganze Sammlung von Liedern im Portefeuille beisammen hatte , die sein Freund Joseph Moppes componiren und Aloys Effingh mit Illustrationen versehen sollte . Flüchtig noch erfuhr Bonaventura von Thiebold die wiedergekehrte Visionsgabe Paula ' s und von dem witoborner Kutscher die Genesung der kleinen Tochter des Herrn Jean Tübbicke durch einen Rosenkranz , den sie gestern gesegnet hatte ... Im Pfarrhause fand Bonaventura die Bestätigung . Der alte Tübbicke empfing ihn mit freudestrahlendem Antlitz . Die kleine Fanchon lag nach Aller Meinung im Sterben , als der Großvater mit dem Amulet kam . Man legte es dem athemlosen , fieberglühenden Kinde um den Hals ; es stellte sich Schweiß ein , das Fieber ließ nach und schon berichtete der maître-tailleur Jean Tübbicke , der im Pfarrhaus selbst zugegen war , von einer vortrefflichen und stärkenden Nacht . Herr Jean Tübbicke kam , um beim Pfarrer aufs entschiedenste gegen den Verdacht zu opponiren , daß es Tante Schmeling wäre , die an seiner Thürschwelle Kinder aussetzte . Es kam zu einem heftigen Auftritt . Müllenhoff entließ ihn mit den Worten : » Affenschänderisches Volk ! Grützköpfige Dummheit , wenn du nun gar noch ausländische Bettelpfennige für holländische Dukaten nimmst ! Lallst deine edle deutsche Muttersprache halb schon nur , wie ein blökendes Kalb , und willst noch auf Zeisigart französisch zwitschern und niedlich thun mit Elefantenbeinen ? Ei , daß dir doch über Nacht die Engel vom Himmel