gaben , sich um ihr Privatleben zu bekümmern . Leider können wir aber nicht verschweigen , daß sich noch vor Ablauf eines Jahrs , von dem Zeitpunkt an gerechnet , an welchem unsere wahrhaftige Geschichte schließt , einige unserer Bekannten dort ein Rendezvous gaben , und zwar Madame Becker , Madame Wundel und deren Tochter Emilie , leider jedoch nicht zu Kaffee und Punsch , wohl aber zu Wasser und Brod und sehr dünner Erbsensuppe . Das uns wohl bekannte Gemach mit der braunen Decke und den gleichen Holzwänden gehörte zur Wohnung des Aufsehers , doch liebte dieser das Gemach nicht besonders . Er behauptete , es sei unheimlich da , und wenn er bei fest verschlossenen Fenstern und Thüren zuweilen am Kamin sitze , so spüre er hinter sich einen Zugwind , von dem er durchaus nicht ermitteln könne , woher er komme . Deßhalb vermied er endlich die Zimmer , verschloß es am Ende gänzlich und sprach nur achselzuckend davon . Der Wirth zum Fuchsbau war allerdings eingesteckt worden , auch hatte man ihm für einige Zeit ein wohl verwahrtes Quartier verschafft , ihm aber weiter nichts anhaben können . Herr Scharffer leugnete hartnäckig , beweisen konnte man ihm nur , daß er zweideutige Gesellen beherbergte , auch der Diebshehlerei nicht fremd gewesen , und so kam er mit einem halbjährigen Gefängniß davon . Er verließ dasselbe mit noch stärkerem Backenbart , im Uebrigen aber sehr abgemagert . Nicht so gut erging es dem Herrn Sträuber . Nach und nach kamen die meisten seiner kleinen Liebhabereien und Phantasien an den Tag . Seine Taschendiebereien und Gelüste nach den Ohrringen wehrloser Kinder hätten ihn aber wohl nur auf ein paar Jahre in ' s Zuchthaus gebracht ; doch wie auf dieser Welt Eins dem Andern folgt , so erschien nach und nach die Korrespondenz , welche er im Auftrag des Meister Schwemmer für den schwunghaft betriebenen Kinder-und Menschenhandel geführt . Darauf wurde das Verhältniß dieser beiden würdigen Herren selbst näher beleuchtet , und Herr Sträuber vermochte es im Laufe der Untersuchung nicht , sich von der Anschuldigung frei zu machen , als habe er in Gemeinschaft mit der Dame Schwemmer , dem natürlichen Laufe vorgreifend , den Ehegemahl der Letzteren früher zu den Freuden und Leiden des Jenseits verholfen . Es war eine Strafanstalt für schwere Verbrecher , welche eine ihrer stillen Zellen dem Herrn Sträuber öffnete . Er mußte den schwarzen Frack und die baumwollenen Handschuhe für immer ablegen , sein vornehmer Anstand und seine feine Bildung verschwanden gänzlich unter dem groben Sträflingsgewand , und da sein hochfliegender Geist sich lange nicht herablassen wollte , die Handgriffe des Wollspinnens zu erfassen , so war die verdrießliche Folge hievon , daß er Dunkelarrest , Hunger und Prügel kennen lernte - sehr unangenehme Zuthaten zum Gefängnißleben . Mademoiselle Therese hatte bei jener Theatervorstellung , die so traurig für die unglückliche Marie geendet , zum letzten Mal getanzt . Sie war um ihren Abschied eingekommen , hatte ihn auch erhalten und reichte nun dem Herrn Berger ihre Hand . Daß sie den Entschluß , mit ihrem Gemahl ein kleines Stück Sklavenleben aufzuführen , im weitesten Umfange verwirklichte , kann uns der geneigte Leser auf ' s Wort glauben . Doch schien sich Herr Berger nicht übel dabei zu befinden , wenigstens nahm er körperlich zu und wurde aus einem dürren , grämlichen Manne , ein wohlbeleibter , freundlicher Herr . Therese dagegen blieb sich gleich und behielt ihre schöne Taille . Die Hochzeit des Paares war wenige Tage , nachdem Arthur abgereist , mit außerordentlichem Glanze gefeiert worden . Die Tänzerin hatte befohlen , daß eine Deputation ihrer ehemaligen Kolleginnen dabei sein müsse , vor allen Dingen aber Schwindelmann , Herr Hammer , Richard und Schellinger . Fritz , der Theaterfriseur , war nicht so glücklich gewesen , eine Einladung zu bekommen , hatte es aber doch nicht unterlassen , das Haar der schönen Braut , wohl zum letzten Mal , wie er seufzend gesagt , an ihrem Hochzeitstage zu ordnen . Daß Therese in ihrem weißen Atlaskleide den Spitzenschleier im grünen Myrthenkranz , wie eine Fürstin aussah , versteht sich von selbst . Herr Berger hörte auch mit Wohlgefallen , wie man ihre prächtige Gestalt bewunderte und ihn glücklich pries . Auch der Hochzeitsschmaus ging sehr lustig vorüber , und unter allen Anwesenden sah man nur zwei Gesichter mit trüben Mienen . Das waren Richard und Schwindelmann ; Letzterer versicherte fast weinend , man könne es gar nicht glauben , wie ihm jetzt sein Geschäft verleidet werde . » Die Clara fort , die arme Marie nicht mehr da , und jetzt auch noch Mademoiselle Therese , die uns verläßt ! Es ist Alles aus , « seufzte er , » nichts mehr bei dem Ballet ; solche , wie diese drei kommen nicht wieder ! « Dabei sprach er die Absicht aus , sich nächstens zur Stelle des Anführers der Statisten zu melden , indem er meinte : » Die wechseln ohnedies jeden Tag und da hängt man doch sein Herz an gar nichts . « Was Richard anbelangte , so konnte man ihn eigentlich nicht zu den Hochzeitsgästen rechnen , denn er kam nur auf wenige Augenblicke , um der Braut zu gratuliren und sich dann , wohl für immer , von ihr und den andern Freunden zu verabschieden . Er hatte seine Stelle beim Theater aufgegeben und war im Begriff , nach Amerika auszuwandern . » Hier thut sich ' s nicht mehr , « sagte er zu Therese , » und wenn ich das Theater nur von außen ansehe , so drückt es mir die Brust zusammen und zerbricht mir fast das Herz . « Es war mit dem schönen und kräftigen Mann seit jener Zeit eine große Veränderung vorgegangen . Seine glänzenden Augen waren eingefallen , seine sonst so blühenden Wangen blaß geworden , und er , der sonst so rührig war wie Keiner , konnte nun stundenlang in irgend eine Ecke starren , an