zeichnetest mir eine rauhe Bahn meines Lebens , gabst mir eine ängstliche Seele , mittelmäßig Brot , verwöhnte Zuhörer , keinen Gönner , starkes Gefühl der Sittlichkeit , unverletzbare Ehrlichkeit , strengen Ton im Vortrag , keinen lauten Beifall . Und doch mein Vater diente ich treu , meinte es mit jedermann gut . Doch ich stehe ja noch da , thätig , anständig gekleidet , hinlänglich satt , ohne Schulden , Vater dreier Töchter , deren ich mich nicht schämen darf und keiner kann etwas lästern als : Du bist ein Samariter und hast den Teufel . Gelobt sei Gott : Hosianna dem Sohne Davids , mit ihm stehe ich , mit ihm falle ich . Und nun nur eine Bitte noch : für mich – verlaß mich nicht im Alter ; für die meinigen – leite sie nach deinem Rath und nimm sie endlich mit Ehren an . « Hiermit schließen wir unsre Auszüge aus Chronik und Tagebuch . Was den Verfasser derselben angeht , so muß es immer wieder gesagt werden : es ist nicht möglich , sich gegen das Charaktervolle seiner Erscheinung zu verschließen . Und dadurch flößt er uns ein tieferes Interesse ein . Er war ein Ehrenmann , brav , bieder , gerecht ; unsentimental , aber voll tiefer Empfindung , wo Empfindung an der rechten Stelle war . Ja , was ihm bei seinen Lebzeiten am meisten bestritten zu sein scheint : er war gütig , opferbereit , in Wahrheit ein barmherziger Samariter . In Geltow , selbst am Hungertuche nagend , hatte er die Hungrigen seiner Gemeinde gespeist , und jederzeit war es ihm Herzensbedürfnis , in heißem Gebete Gottes Gnade für die Unglücklichen anzurufen . Das alles erhellt aus seinem Tagebuche . Und nichts von eitler Schaustellung , von bloßem Gefühlsgepränge , konnte sich mit einmischen , denn er schrieb dies alles nur für sich : kein fremdes Auge , solang er lebte , hat mutmaßlich diese Aufzeichnungen je gesehn . Eine innerste Bravheit und Tüchtigkeit zieht sich durch das ganze Buch wie durch das Leben des Mannes hindurch , und doch , an derselben Stelle wo Pastor Schmidt , die Flinte à la main , glücklich gewesen war und glücklich gemacht hatte , wollte ihm weder das eine noch das andere gelingen . Er war unbeliebt , unpopulär und blieb es bis zuletzt . Woran lag es ? Sonderbar zu sagen , er hatte wohl die echte charaktervolle , sich an rechter Stelle betätigende Liebe , aber er hatte nicht die leichte Liebenswürdigkeit , und wenn wir Umschau halten , so scheint es fast , als ob bei den Menschen diese leichtwiegende Tugend schwerer wöge und wichtiger wäre als die ernstere Schwester . Die skrupulösen Leute , die nichts leicht nehmen , die wenig lachen , die nie fünf gerade sein lassen , jene korrekten , witz- und humorlosen Naturen , die sich immer auf den Rechtsstandpunkt stellen , oder wohl gar auf ihr persönliches Recht sich steifen , – diese peinlich-bedrücklichen Integritätsleute sind nie angesehn bei der Masse , wenn sie nicht nebenher noch eine freigebige Hand haben . Und diese können sie kaum haben , denn ihre Eigenart besteht eben darin , sich auch beim Geben noch die Frage » nach dem Rechte « vorzulegen . Vor allem aber , selbstverständlich , beim Fordern und Empfangen . Und dies ist das Allerschlimmste . Statt über das hinzugehen , was ausbleibt , empören sie sich beständig über die Unbill , die in diesem Ausbleiben liegt , und unter Mißmut , Gereiztheit , Bitterkeit vergehen ihnen die Tage , niemandem zur Freude , am wenigsten sich selbst . Dieser Gruppe von Freudlosen gehörte auch unser Pastor Moritz an ; er hatte keine Spur von jener christlich-leuchtenden Serenität , die dem liebenswürdig angelegten Naturell aus dem » sie säen nicht , sie ernten nicht « erwächst , und so bracht ' er es denn mit seiner ganzen Korrektheit in Geldsachen , mit seinen Klagen , Vorstellungen und Protesten , die immer nur darauf hinausliefen , daß der Heckenzaun noch nicht gemacht und die Tonne Most noch nicht geliefert worden sei , zu nichts andrem , als daß man ihn für einen unerquicklichen Geizhals hielt . Er war es nicht ( im Gegenteil er gab , er half ) , aber man darf sagen , er hatte die Allüren des Geizes . Und an dieser Stelle ist der Bauer am empfindlichsten , deshalb am empfindlichsten , weil er sich am besten selbst darauf versteht und jede kleine Nuance , nach selbsteigener Praxis und Erfahrung , am leichtesten entdecken und verfolgen kann . Noch einmal , an einer gewissen ablehnenden Nüchternheit , an einem cholerisch gearteten Rechtsgefühl , das schließlich , als das Feuer verglüht war , in Art von Melancholie umschlug , scheiterte unser Pastor Moritz ; – es bewährte sich an ihm : unser Glück oder Unglück wurzelt in unserm Charakter . Ohne Liebe sank er hin . Aber wir Nachgebornen stehen anders zu ihm , und dem Bedrücklichen seines Wesens entrückt , können wir uns an seiner Bravheit und Tapferkeit aufrichten , an ihm messen . Er war in vielen Stücken ein guter Typus seiner Zeit und speziell auch des märkischen Charakters . Die glücklich geänderten Zeiten werden von selbst dafür Sorge tragen , daß die Schwächen der Männer jener Epoche sich in uns mindern , Schwächen , die in der Sterilität des Bodens und aller Lebensverhältnisse ihren Grund hatten . Aber an uns ist es , dafür zu sorgen , daß ihre Vorzüge uns verbleiben : ihre Einfachheit , ihre Festigkeit , ihr Haushalten und ihre Treue . Sakrow Sakrow unter dem Grafen Hordt von 1774 bis 1779 Sakrow unter dem Grafen Hordt von 1774 bis 1779 Sakrow , als ich dies Filial erhielt , befand sich im Besitze des schwedischen Grafen Hordt ; seine Gemahlin war eine Gräfin Wachtmeister . Gleich nach Empfang meiner Vocation schrieb ich von Geltow aus an den Grafen und bat für Sakrow um