und für böse Stunden , ich will Dir helfen , über diese hier hinauszukommen . Es ist gut , daß sie mich nicht unvorbereitet trifft . - Ich mußte innehalten , denn das Klopfen meines armen Herzens versetzte mir den Athem und ich brauchte eine kleine Zeit , ehe ich wieder meiner Herr geworden war . Du willst frei sein , sagte ich , Du möchtest ein neues Leben leben ! - Ich streifte den Ring von meinem Finger , den ich seit sieben Jahren , seit sieben langen Jahren nicht von mir gelassen hatte , und reichte ihm denselben hin . - Nimm das Pfand zurück , das Dich an die Vergangenheit bindet , ohne Deine Liebe begehre ich Dein nicht . Ich gebe Dich frei ! Renatus trat mit rascher Bewegung auf mich zu . Sein Auge belebte sich , aber ich sah es , ich konnte mich nicht darüber täuschen , es war kein Schmerz , es war eine aufzuckende Freude , die es erglänzen machte . - Behalte ihn , o , behalte den Ring , bat er , als ein Andenken an mich , und ich will den Deinigen heilig halten in Bewunderung Deines edlen , großen Herzens ! Ich konnte ihm nicht antworten ; ich schüttelte verneinend mein Haupt . Ich hätte es nicht vermocht , den Ring wieder an meiner Hand zu tragen . Er war mir einst ein Pfand des Glücks gewesen , er wäre mir jetzt eine mahnende Erinnerung an ein langes Leid geworden . Aber ich war es so gewohnt , ihn zu tragen , meinen Finger von dem kleinen Reif umspannt zu fühlen ; es fehlte mir etwas , es wurde mir kalt , es fiel mir Alles , Alles auseinander , da ich ihn fortgegeben , da Renatus ihn zurückgenommen hatte . Es war ein Zauberring für mich gewesen , nun war der Bann gelöst und die Entzauberung brach schnell heran . Ich war mit meinen Gedanken , mit meiner Kraft zu Ende . Ich sah das Spielen der Blätter , ich fühlte den Sonnenschein , ich hörte die Vögel singen ; es bedeutete mir nichts mehr . Ich athmete , das war Alles ! Nicht einmal mein Leiden fühlte ich . Nur eine Stumpfheit , nur eine Leere empfand ich . Es war mir Alles ein Räthsel , es war mir Alles klar und doch so unverständlich . Ich hätte nicht sagen können , ob ich wache , ob ich träume . So saß ich eine Weile . Die Zeit kam mir sehr lang vor . Ich wunderte mich , daß die Sonne noch immer schien , daß die Vögel noch immer sangen . Es war mir , als hätte ich Ewigkeiten durchlitten und durchlebt . Renatus sprach zu mir . Er sagte mir , wie er seit Jahren vor der Stunde sich gefürchtet hätte , in welcher der Irrthum unserer Herzen uns deutlich werden würde . Er habe lange gefühlt , daß er in jugendlicher Verblendung den Frevel begangen habe , mich an sich zu ketten , ehe er sich seines eigenen Wesens recht bewußt geworden sei . Er gestand mir , daß er mich nie geliebt , daß er sich vergebens bemüht habe , sich mit der Freundschaft , der Verehrung , der Bewunderung zu begnügen , die er für mich fühle , die er mir bewahren werde .... Ich fühlte ein Verlangen , laut aufzulachen , aber ich unterdrückte es , denn mit diesem Lachen hätte ich dem Wahnsinne Raum gegeben , der mit seinen grauen , verwirrenden Flügeln sich auf mein Haupt herniedersenken wollte . Ich ließ Renatus sprechen fort und fort . Es war der Anfang der Befreiung , die er sich bereitete . Mit lebhaften Worten schilderte er mir die Leiden , die Schmerzen , die er um mich getragen hatte . Er um mich ! - Ich unterbrach ihn nicht ; auch nicht , als er es mir ausmalte , das Glück , das er sich einst mit mir geträumt , das er ersehnte , das er von der Zukunft sich erhoffte . Ach , er kannte die Liebe , er kannte sie sehr wohl ! Und angstvoll , von Minute zu Minute harrend , strebte ich , zu erkennen , wer ihn fühlen lehren , was er nicht für mich gefühlt . Die Liebe hatte er ertödtet in meiner Brust ; wie ein böser Geist stieg aus ihrer Asche die Eifersucht , diese niedrigste der Leidenschaften , in mir empor . Ich sehnte mich danach , den Namen Eleonore von seinem Munde zu vernehmen , denn mich verlangte nach einem Gegenstande für den Haß , der in mir brannte , aber ich hatte mich betrogen . Er hatte Eleonore Haughton nicht geliebt . Nur seine Phantasie hat sie beherrscht , nur seine Eitelkeit hat sie beschäftigt . Sie war für ihn zu mächtig , wie meine Liebe für ihn zu mächtig gewesen ist - und nicht einmal der elende Trost war mir gegönnt , das Wesen hassen zu dürfen , das er , ich erkannte es in jener unheilvollen Stunde , das er liebte und auf das sein Sinn gerichtet war . Ich war sehr elend , sehr unglücklich , mein theurer Freund ! Als Renatus endlich zu sprechen aufhörte , schien er eine Antwort zu erwarten , aber was sollte ich ihm sagen ? Ich erhob mich und wollte gehen . Er hielt mich bei der Hand zurück . Das dünkte mir der Gipfel seiner Herzenshärtigkeit . Ich zog meine Hand aus der seinigen . Du bist jetzt frei , was willst Du noch von mir ? fragte ich ihn . Deine Vergebung ! sagte er , und dem bittenden Klange seiner Stimme konnte ich nicht widerstehen . Wie eine leuchtende Flut strömten sie auf mich ein , alle die Erinnerungen jener goldenen Tage der Jugend . Die Fülle meines einstigen Glückes , die Gewalt meines Schmerzes überwältigten mich . Ich breitete meine Arme aus , ich warf