und moderne Hölle ... » Und nun , du beneidenswerther Verdammter , wird ein Sendbote Lucifer ' s dir entgegentreten « , sprach Müllenhoff sogleich aus dem Kopfe , während Bonaventura , seinem Ohr nicht trauend , noch mit dem Lachreiz kämpfte ... » im glühenden Widerschein der Majestät Seines Herrn und wird dir die Stunden der Andacht zeigen , die du in den Zeiten deiner Denkglaubigkeit das Buch der Bücher nanntest ! Hast du auf Erden geglaubt « - Der Sprecher stockte , zog ein Concept aus der Rocktasche und las dem Gaste , der nicht wußte , wie ihm geschah : » Hast du auf Erden geglaubt , im Schatten einer Laube , von Bienen umschwärmt , unter dem Duft von Hollunderblüten dich vor dem wahren Hochaltar und dem Sanctissimum deines Schöpfers zu befinden , besonders wenn du dazu noch aus diesem deinem Buch der Bücher ein Kapitel über die Unsterblichkeit der Seele gelesen hattest , und gingst dann hin und begossest deine Blumen , etwa wie wenn du selbst ein solches Lob deines Schöpfers wärest , aber kein anderes heiliges Naß brauchtest , als deinen sentimentalen Thautropfen , keinen andern Kelch , als die Gießkanne deiner angebeteten Natur - dann , dann , du beweinenswerther Denkglaubiger , sollst du , umschwärmt von feurigen Hornissen , dein geliebtes Buch , die Stunden der Andacht wiederfinden als Jahrhunderte der Qual , sollst sie auswendig lernen rück- und vorwärts , sollst sie in alle Sprachen übersetzen , selbst in die , die du nicht gelernt hast , und wehe dir , wenn ein Jota fehlt , wenn von dir ein Zeitwort falsch angewendet , eine Feinheit fremder Sprachen unbeachtet geblieben ist ! « ... Das ist ja mehr , als Nero und Busiris ! rief Bonaventura in die Hände schlagend ... » Da kommen sie denn « , fuhr Müllenhoff ungehindert fort , » diese Schmachtenden , diese Zärtlichen , die über einen Käfer weinen konnten , den ihr Fuß im Grase zertrat , und keinen Blick , geschweige eine Thräne dafür hatten , wenn sie stündlich ihren Gott , ihren Heiland und seine Gebote mit Füßen traten ! Jene Schmachtenden , die ein Marienwürmchen liebkosen und bewundern können und Maria selbst nur für eine ganz gewöhnliche Mutter wie andere auch halten ! Jene Empfindsamen , die mit Freimaurermoral alle Todsünden zuflicken , alle Risse der Herzen mit phrasenhaftem Kalk und Mörtel zu verschmieren wissen ! Ihre ruchlosen Devisen : Thue recht und scheue niemand ! oder Wir glauben all ' an Einen Gott ! die werden mit Flammenschrift an dem Vorhof desjenigen Theiles der Hölle stehen , der gerade diesen Patent-Seelen extra bestimmt ist ! Riesengroß werden die Buchstaben sein , die die Teufel mit dreizinkigen Gabeln schüren müssen , damit sie ganz so brennen , wie sie im Munde dieser Freimaurer lebten und nicht etwa lauten : Thue recht und scheue dennoch Gott und seine Heiligen ! oder : Es ist nur Ein Gott , in dem allein das wahre Heil ! O , des Jammerns dann , wenn diese Freimaurerseelen zu dem Gekreuzigten , dessen einflußreiche Stellung bei Gott sie nun wol erkannt haben werden , aufblicken und auch vor diesem dann um Titel , Orden und Beförderungen schmachten , aber der feurige Osiris mit dem Ochsenkopf ihnen nachläuft , sie zu umarmen als seine ägyptischen Brüder . Oder wenn ihre Logenschwester Isis , die holde Mutter Natur , ihre gnadenreiche Allerseligste , ihnen zuruft : Hebt meinen bekannten Sais-Schleier ! - und sie sehen dann ihre geliebte Mutter aus hundert Brüsten deren Wohlthaten spenden , feuerspeiende Berge , Erdbeben und daherbrausende , aus den Schienen gegangene Locomotiven ! Alle ihre Mittler und Erlöser werden ihnen zuwinken mit den Wohlthaten , die diese spenden können - Buddha mit der Kunst , hundert Jahre auf einem Beine zu stehen , Sesostris mit Pyramiden , die erst auf ihren Leibern das sichere Fundament bekommen sollen ! Selbst ihr letzter Prophet , Nathan der Weise , wird ihnen anbieten von den Waaren , die er gerade aus Damascus mitgebracht hat , vorzugsweise jenen Mantel mit dem rothen Templerkreuze , einen Mantel von Blei , so schwer , daß sie damit alle Greuel und Verbrechen zu tragen glauben sollen , die sie hienieden mit ihrem verschlissenen Humanitätsgarderobenstück der Liebe bemäntelt , beduldungelt und betoleranzelt haben « ... Genug , genug ! rief Bonaventura ; ich fürchte mich vor meiner Nachtruhe ! ... Er deutete auf einen Wächter , der auch hier die zehnte Stunde abrief , und entfernte sich mit einem einfachen , alle Hoffnungen des Pfarrers auf Zustimmung und Beifall ironisch abschneidenden : Gute Nacht ! ... Jeden Morgen las Bonaventura die Messe . Bald in Sanct-Libori , bald in Heiligenkreuz , bald auf dem Schlosse . Dann besuchte er auch wol die Schule , war viel in Witoborn , wo ihm die schuldige Rücksicht gebot , diese oder jene hervorragende Persönlichkeit zu besuchen . Beichtabnahmen hielt er nicht , so sehr auch mancher danach Verlangen trug . Als er am folgenden Morgen nach Heiligenkreuz gegangen war , wo vor den Stiftsdamen von ihm die Messe gelesen werden sollte , fand er , als die heilige Handlung vorüber und er schon im Begriff stand , sich in der Sakristei zu entkleiden , Thiebold , der ihm die gestrigen Erlebnisse schildern wollte , soweit sie die ihm in der Beichte von Bonaventura vorgeschriebene Pflicht betrafen ... Thiebold hatte vorausgesetzt , daß er dem Domherrn diese Mittheilungen in der entsprechenden seelsorglichen Form zu machen hätte , und suchte ihn deshalb im Meßornate auf . Schon sehr zeitig mußte er mit seinem Einspänner aus Witoborn ausgefahren sein . Der Cantor fungirte für den alten Tübbicke , dem diese Frühwege schon auch sonst zu beschwerlich wurden ... Auf eine Weisung , die der Cantor erhielt , beide allein zu lassen , begann Thiebold die Mittheilung all des Räthselhaften , das ihm Armgart gestern in der Kapelle angedeutet hatte , und wollte hören , ob