den Bemühungen des Herrn Beil in seinen jetzigen besseren Verhältnissen gelungen war , seinem Freunde , dem ehemaligen Lehrling August , eine erträgliche Stelle zu verschaffen . Obgleich August ein gutes Gemüth hatte und nicht rachgierig war , so gehörte es doch zu seinen besonderen Vergnügungen und er rechnete es fast zu seinen Feiertagen , wenn er einen Bestellzettel oder dergleichen der Firma Johann Christian Blaffer und Compagnie zu überbringen hatte . Dies Geschäft war von zwei jungen Leuten angekauft worden , welche der eingegangenen Bedingung gemäß den ehemaligen Chef der Handlung als letzten Commis beibehalten mußten . Die Gefühle , mit welchen Herr Blaffer an seinem Pulte saß , brauchen wir nicht zu schildern ; beinahe wahnsinnig preßte er seine mageren Hände vor die Stirne , wenn August in das Comptoir trat , und er sich nun um so lebhafter der früheren Zeiten erinnerte , seines Lehrlings und des verschwundenen Mädchens , von welchem man übrigens nichts mehr gehört . Als Graf Fohrbach am Tage seiner Hochzeit die Stadt verließ , geschah dies in einem großen , schweren Reisewagen , auf dessen hinterem Bock der Jäger Franz Karner saß , sowie Henriette , die Kammerjungfer der jungen Gräfin . Da Diener und Dienerin sich erst kürzlich kennen gelernt hatten , so fand zwischen ihnen keine lebhafte Unterhaltung statt . Sie blickte rechts und er links , zuerst auf die Häuser , an denen sie vorbeifuhren , dann auf die Pappeln der Allee und was ihnen sonst noch begegnete . Auf der zweiten Station - - der Ort hieß Königshofen - sprang Graf Fohrbach aus dem Wagen und fragte seinen Jäger , der ihm den Schlag öffnete : » Nicht wahr , da hinaus ginget ihr ? « Dabei zeigte er auf den Wald , der sich hinter dem Dorfe erhob . - » So ist ' s , Euer Erlaucht , « erwiderte der Jäger und als er wieder auf seinen hohen Sitz geklettert war , blieb er aufrecht stehen , und starrte lange , lange nach dem Wald hinüber - er hätte gar zu gern die Lichtung noch einmal gesehen . Der Wagen rollte aber unaufhaltsam dahin , und bald legten sich andere Berge und Wälder zwischen ihn und jenen verhängnißvollen Platz . Derselbe ward aber doch Veranlassung , daß Franz mit der Kammerjungfer ein Gespräch anknüpfte . Sein Herz war zu voll , es war ihm ein Bedürfniß , von jenem unglücklichen Morgen sowie von einem gewissen Baron Brand , der hier geendet , mit dem Mädchen zu sprechen . Wie erstaunte er aber , daß diese die Geschichte fast so genau wußte wie er selbst , ja daß sie den Baron Brand zu kennen und die innigste , herzlichste Theilnahme an seinem Schicksal zu nehmen schien ! Ein Wort gab das andere , und da Leute , welche auf einem engen Wagensitze so den ganzen Tag mit einander fahren , leicht zu Mittheilungen geneigt sind , so erzählten sie sich Beide noch im Laufe des Nachmittags ihre Schicksale , daß er sowohl Kammerjungfer als Jäger an ein und demselben Morgen dem Grafen Fohrbach empfohlen . So fuhren sie dahin und es war spät am Nachmittage , als der Wagen vor einem Wirthshause umgespannt wurde , in dem sich ziemlich viele Gäste befanden , welche durch ein Harfenmädchen unterhalten wurden , die mit lauter Stimme allerlei lustige Lieder sang . Als die Künstlerin den Wagen heranrollen hörte , kam sie vor das Haus , fuhr aber plötzlich wieder zurück , als sie das Gesicht der Dame im Wagen gesehen hatte . Doch bemerkte man , wie sie ihre Harfe in das Zimmer hinstellte , und dann dieses sowie das Haus durch eine Hinterthüre verließ . Gleich darauf fühlte Henriette , daß sie Jemand an ihrem Mantel zupfe . Sie wandte sich um und schaute in das lustige Gesicht ihrer ehemaligen Gefährtin , welche ihr lachend die Hand reichte . » Siehst du , « sagte dieselbe , » uns Beiden ist es nach Wunsch gegangen . Du fühlst dich glücklich in den Fesseln deines Dienstes , und ich mich nicht minder mit meiner Harfe in der prächtigen Freiheit . « Der Jäger war nicht wenig überrascht , Nanette , die er wohl kannte , hier wieder zu sehen , und auch das Mädchen schien sich herzlich über die Begegnung zu freuen . » Es ist auch sonst noch ein Bekannter von uns hier , « flüsterte sie ihm zu , » Mathias , aber er liegt noch immer krank an seiner Wunde darnieder . Freilich geht ' s ihm besser , doch hat ihn die Nachricht , daß man den Wirth zum Fuchsbau eingesteckt und daß er , den er so sehr geliebt , elend umgekommen sei , wieder auf ' s Neue sehr darniedergeworfen . « » Sag ' ihm meinen Gruß , « antwortete Franz , » und zu gleicher Zeit , daß die Nachricht von ihm falsch sei . Er ist wohl verschwunden , aber nicht elend umgekommen . « » Das wird ihn erheitern , « versetzte das Harfenmädchen . » Jetzt aber lebt wohl , eure Pferde sind angespannt . « » Leb wohl ! « sagten Henriette und der Jäger , und Beide drückten der Andern herzlich die Hand . Letzterer ließ seine Geldbörse darin zurück , indem er sagte : » Es ist für Mathias , er soll sich pflegen , und wenn er das Vergangene vergessen kann , so wird es mir vielleicht möglich sein , später mehr für ihn zu thun . « Dahin flog der Wagen , Jäger und Kammerjungfer sprachen lange nichts mit einander , aber in dem Wirthshaus ertönte gleich darauf wieder lustig wie früher Harfe und Gesang . - Was nun den Fuchsbau anbelangt , nach dessen finsteren Räumen uns der geneigte Leser schon öfters freundlich begleitet , so wurde er vom Staate angekauft und zu einem Arbeitshause für weibliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft eingerichtet , welche durch bösen Lebenswandel der wachenden Gerechtigkeit Veranlassung