heraussagte : › Wenn die Bauern mich zu pöbelhaft behandeln , so entsage ich der Pfarre und Sie können es auf mein Wort mit ins Protokoll setzen . ‹ Die Kirche war außerordentlich voll Menschen , für mich , gegen Geltow gerechnet , etwas Neues . Aber ich redete ohne Stottern und ohne Concept . Ich handelte von der Kraft des göttlichen Worts , zur Besserung und Beruhigung des Menschen . Alle Honoratiores waren mit der Predigt zufrieden ; die Einwürfe der Bauern beschränkten sich darauf : › ich sei schon alt und man hätte mich hinten bei den Fischern nicht hören können . ‹ Das Consistorium erteilte mir nichts destoweniger die Vocation . Gegen Abend fuhr ich mit dem Herrn Inspector bis an die Nedlitzer Fähre zurück . Merkwürdig war und ist mir noch sein Sentiment über meine Predigt . › Sie lieben ‹ , sagte er , › den dogmatischen Vortrag . Ihr Vorfahr ( Pastor Schmidt ) redete gern in Gleichnissen und Bildern ; er würde das Gleichnis vom Samen durch die ganze Predigt durchgeführt haben . ‹ Ich antwortete : › Nach meinem Begriffe sind die Gleichnisse nur Erläuterung des Lehrsatzes , dieser aber ist die Hauptsache , also auch das Hauptaugenmerk des Lehrers . Er soll unterrichten . Ich liebe den ernsthaften Ton und den moralischen Gehalt . Den Teufel laß ich an seinen Ketten liegen ; Rechtschaffenheit des Herzens , Unschuld des Lebens sind meine Hauptsache . ‹ Ich erhielt danach meine Vocation . Im September aber verfiel ich in eine schwere Krankheit , welche mich dem Tode so nahe brachte , daß man mich oft für todt hielt . Zweimal wärend dieser Zeit war meine Pfarre bereits vergeben . Der Grund meiner Krankheit war der große Verdruß , den ich während des Vacanzjahres durch die schwarze Cabale in Fahrland auszustehen hatte . Dann kamen , wenn nicht glückliche , so doch ruhigere Jahre . « Über diese Jahre hat Pastor Moritz nicht mehr in einer fortlaufenden , geordneten Lebensbeschreibung , sondern in einzelnen tagebuchartigen Notizen berichtet . Einige davon sind sehr charakteristisch ; wir geben zwei , drei derselben , die dem Todesjahre des großen Königs ( 1786 ) und dem ersten Regierungsjahr Friedrich Wilhelms II. angehören . 1786 Anfang August . Noch nie in meinem ganzen Leben hat jemand meinen Geburtstag gefeiert . Vorgestern feierte der Kammerhusar , Herr Neumann , den Geburtstag seiner Schönen , Mamsell Schultzen , und zwar in Sanssouci , in seinem Zimmer , welches etwa zwanzig Schritt von des Königs Zimmer ab ist . Es war eine Gesellschaft von sechzehn Personen , darunter unser Fahrlander Oberamtmann , und ich höre , daß die prächtige Mahlzeit bis zu dreihundert Thlr . werth gekostet haben soll . Gegessen wurde von silbernen Tellern , begleitet von Confituren und ähnlichen Aufsätzen . Der Vater der Schönen , ein Prediger aus Thüringen , ist dabei gewesen , ein überaus aufgeräumter Mann , der an allen Vergnügungen lauten Anteil nahm und unter anderen auch sein Stammbuch den neuen Freunden und Theilnehmern seines Glücks präsentirte . Einer von den Gästen fängt schließlich zu singen an . » Pst , pst ! « fallen mehrere dazwischen , bis ein anderer ruft : » Singt ihr man . Der Alte ist schon zu Bette ; er hört es nicht mehr . « Wie schnöde gegen den ablebenden , einst so gefürchteten König ! Erst nach zwei Uhr sind sie auseinander gegangen . Sie , die Mamsell Schultzen , ist ein wahres Stück Fleisch und man könnte auf dem Brustwerk Wache stehen ! ( Neumann wurde bald vergessen . Er kaufte das Haus des von Fouqué in Brandenburg und zog dahin . Die Ehe soll erbärmlich sein , bis zum Scheiden . Neumanns Glück war aus , aber das des Kammerhusaren Schöning stieg , steigt noch unter Belohnung seiner vormaligen geheimen Correspondenz zwischen dem Thron und dessen Erben . ) Nachschrift . Den 16. August ward der König sprachlos und verlor sein Bewußtsein ; den 17. in der Nacht vom Mittwoch auf den Donnerstag um zwei Uhr starb er ; den 18. ward er beigesetzt . Der große Mann ! immer verehrungswürdig und jeder neue Tag macht ihn verehrungswürdiger und unvergeßlich . 1787 Im März . Aus dem Kirchenbuche geht hervor , daß » Unechte « ( Illegitimi ) im vorigen Jahrhundert etwas sehr Seltenes waren . Wie sich die Zeiten ändern ! Niemanden rührt das mehr , ist alltäglich geworden , und die Prediger dürfen darob nicht murren . Jetzt , 1787 , ist Befehl da , es recht laut auf der Kanzel zu sagen , daß keine Frauensperson darob soll getadelt werden . Das war eine der ersten Sorgen Friedrich Wilhelms II. ( 9. November 1786 ) , daß » gefallene Weibspersonen von allem Schimpf und aller Schande verschont bleiben sollen « . Am 28. August kam hier eine Escadron Husaren von Goltz , sonst Belling , an . Am 30. früh marschiren sie weiter nach Zachow . Der Stab lag hier , die vier übrigen Escadrons auf den nächsten Dörfern . Der Obrist ist Herr Göcking ( seit dieser Regierung von Göcking ) , Bruder des berühmten Dichters Göcking . Sie marschiren zur Armee nach Westfalen , kommen von Stolpe in Pommern , vierundvierzig Meilen hinter Berlin und treffen erst im October in Westfalen ein . September 20. Heute sind die Regimenter zum Manöver angekommen . Friedrich der Große hatte immer schön Wetter . Der heutige Anfang ist schlecht . September 21. bis 25. Heute Abend wurde in Potsdam des Königs Geburtstag gefeiert . Das 1. Bataillon Garde führte eine Comödie auf . Zur Illumination hat die ganze Garnison beigetragen , jeder Stabsoffizier zwei Louisd ' or . Das Fräulein von Voß , welches jetzt , nach Entfernung der Encken ( Gräfin Lichtenau ) das Haus des Mylord Mareschal bewohnt , hat dasselbe auch prächtig illuminirt gehabt . Weihnachten 1787 » Dreizehn Jahre stehe ich nun hier im Amt . Mein Gott ! Du