meiner Bäume mich still umfängt , wenn ich endlich einmal aufathmen möchte in Gottes freier Luft , spricht Dein schon wieder sorgenvoller Blick : Schaffe Rath , schaffe Ordnung , so ist ' s nicht zu halten ! - Nun denn - verzeihen Sie mir , mein edler , theurer Freund , daß ich den Ausdruck wiederhole , den ich mit Beschämung von seinem Munde hören mußte - nun denn , so mag zum Teufel gehen , was nicht zu halten ist ! Ich verkaufe Rothenfeld und Neudorf , ich verpachte Richten , ich gehe zu meinem Regiment zurück ! Ich will wissen , woran ich bin , ich will nicht länger die Last auf meinen Schultern fühlen , welche die Vergangenheit mir aufgebürdet hat . Ich will die Irrthümer meiner Voreltern und auch die meinigen nicht als eine mich ewig hemmende Kette durch das Leben schleppen ! Ich will ein eigenes , neues Leben leben , ich will endlich einmal mein eigener Herr , endlich einmal frei , endlich frei sein ! Renatus hatte sich erhoben und ging auf dem engen Raume heftig auf und nieder . Noch an dem Morgen dieses Tages hatte er , wie ich schon erwähnte , davon gesprochen , daß er die Güter selbst bewirthschaften wolle ; es mußte also etwas geschehen sein , das ihn verstimmt , das ihn andern Sinnes gemacht hatte . Ich vermochte mir nicht zu denken , was es gewesen sein könne , und ich wußte mir keinen Rath . Freilich hielt ich die Maßregeln , von denen er gesprochen hatte , soweit sie den Verkauf der beiden andern Güter betrafen , für richtig ; aber ein Entschluß , in solcher Verfassung vollzogen , mußte mir immer als ein unheilvoller erscheinen , und ich wagte nicht , ihn zu billigen , nicht , wider ihn zu sprechen . Dazu kam das unabweisliche Gefühl , daß Renatus sich in solcher heftigen , in solcher über das erlaubte Maß hinausgehenden Weise nicht geäußert haben würde , hätte er einen Andern , hätte er nicht eben mich zur Seite gehabt . Ich glaubte es zu sehen , daß mein Erschrecken , meine Angst ihm eine Genugthuung bereiteten , ich hatte in diesen letzten Monaten so viel , ach , so unaussprechlich viel von ihm ertragen , und keine Sylbe und kein Laut in seiner ganzen Rede dachten meiner ! Ich war nicht mehr für ihn vorhanden ! Oft , unsäglich oft hatte ich es empfunden , daß ich zu seinem Glücke nicht mehr nöthig sei . Jetzt traf es mich aus seinen Worten wie ein Schlag , und wie ein Blitz drang die nicht mehr zurückzuweisende Erkenntniß in mein Herz . Er wollte frei sein , frei vor allen Dingen , frei von dem Worte , das ihn an mich band ! Ich war es , die er fliehen wollte , wenn er zum Regimente ging ! Die Liebe , die er mir geschworen hatte , war der Irrthum , von dem er loszukommen wünschte ; und es kostete ihn nichts , sich von dem Erbe seiner Väter loszureißen , wenn er sich damit nur von mir zu trennen vermochte . Wir waren nahe bei einander . Er war stehen geblieben und sah , an einen der starken Stämme angelehnt , in den Laubgang hernieder . Dieselbe Sonne beschien uns noch , dieselben sanften Töne des lockenden Vogelsang berührten noch unser Ohr , aber es war mir , als hätte sich eine Kluft aufgethan zwischen mir und ihm , und als träte er fern und ferner von mir zurück . In jedem Augenblicke wollte ich die Frage thun . Drei , vier Mal versuchte ich es , aber immer fehlte mir dazu das Wort , und mit jeder Sekunde schien er mir fern und ferner zu treten , wuchs in mir die Angst , daß mein Ton ihn nicht mehr erreichen könne . Ich war meiner Sinne fast nicht mächtig . Nur das Einzige fühlte ich noch klar : auch ich mußte frei werden , und wenn auch durch den Wahnsinn oder durch den Tod , von dieser Stunde martervoller Pein . Renatus , fragte ich ihn , und meine eigene Stimme klang mir wie eine fremde , und die Frage klang mir so fremd , als hätte ich nichts mit ihr zu schaffen , Renatus , Du sprichst von Deinen Irrthümern , von deren Folgen Du frei zu sein wünschest ? Siehst Du die Liebe , die Du mir geschworen hast , auch als einen Irrthum an ? Willst Du frei sein auch von den Banden , die uns an einander ketten ? Sprich es aus ! Renatus fuhr zusammen , aber er antwortete mir nicht , und , die Arme über die Brust verschränkt , den Blick zu Boden gerichtet , starrte er finster vor sich nieder . Was da in meiner Seele vorging ! Wie könnte ich Ihnen das beschreiben ? Ich hatte mir gesagt , daß er mich nicht mehr liebe , ich hatte ihm angeboten , ihm seine Freiheit wiederzugeben , und , denken Sie nicht übel von mir , weil ich es Ihnen eingestehe , ich erwartete , ihn zu meinen Füßen niedersinken zu sehen , und meine Arme waren wie meine Seele offen , ihn liebend und verzeihend zu umfangen . Indeß Renatus regte sich nicht , und wie von einem inneren Feuer schnell und hoch emporgetrieben , schoß ein Gefühl des Zornes in mir auf . Da er mich nicht mehr liebte , sollte er künftig mit Beschämung an mich denken , wollte ich den Triumph genießen , ihn zu demüthigen , und ich hatte es bis dahin nicht geahnt , welche Kräfte der Grimm und die Empörung uns verleihen können . Ich blieb sehr ruhig sitzen , als er vor mir stand . Sieh ' nicht so finster drein , Renatus , sagte ich . Es ist eine böse Stunde über Dich gekommen , aber ich habe mich Dir ja angelobt für gute