die Vermuthung des alten Herrn nicht , Clara fand ihn vielmehr als sie nach der angegebenen Zeit zurückkehrte , frisch und gesund wieder , obgleich nicht mehr in der Balkengasse , wo sie ihn verlassen . Die Kommerzienräthin hatte nämlich ihren Schützling dem Gemahl dringend empfohlen , und die Folge davon war , daß Herr Staiger auf dem Kassenamt des großen Bankierhauses angestellt wurde , wo er vermöge seiner Ordnungsliebe und Rechtlichkeit die vortrefflichsten Dienste leistete . Was man so Brautvisiten nennt , hatten Clara und Arthur vor ihrer Abreise nicht gemacht ; als sie aber zurückkamen und ihr Haus einrichteten zeigten sie dies ihren Freunden und Bekannten , sowie auch auf den Wunsch der Kommerzienräthin denen des Erichsen ' schen Hauses pflichtschuldigst an . Wenn sich aber manche stille Familie mit unversorgten Töchtern , die früher den Herrn Arthur Erichsen sehr hoch gehalten , sowie manche andere , die voll Neid und Mißgunst es der armen Clara nicht verzeihen konnten , daß sie nicht unter dem Schutze irgend einer Rangklasse geboren , von dem jungen Paare zurückzogen , so verursachte ihnen das doch durchaus keinen Kummer . Sie lebten in einem freundlichen und ausgewählten Kreise , und Arthur war Philosoph genug , um über schiefe Blicke und vornehm gerümpfte Nasen herzlich zu lachen . Um noch einen Augenblick beim Hause des Kommerzienraths zu verweilen , so kehrte Herr Alfons wenige Tage nach der Verheirathung Arthurs von seiner Reise zurück . Doch hatte sich das Verhältniß zu seiner Frau gänzlich verwandelt ; das Scepter , welches ihm an jenem Tage entfallen , hatte die kluge Frau ergriffen , und vom unumschränkten Herrn , auf dessen Winke und Stirnerunzeln sie sonst ängstlich Achtung gegeben , war er zum Sklaven herabgesunken , welcher sich den , obgleich nicht unbilligen Wünschen seiner Frau in aller Demuth fügte . Machte er je einmal einen Versuch , seine Ketten zu brechen , so trat die Kommerzienräthin in ' s Mittel , und wenn sie ihre spitze Nase erhob , ihn mit den grauen Augen scharf anblickte und dazu auf dem Tische zu trommeln begann , so räumte er achselzuckend das Zimmer und begab sich in sein Comptoir , wo ihn dann oftmals der Kommerzienrath zu trösten suchte , indem er sprach : » Glauben Sie mir , es ist weit angenehmer für uns , wenn man die Weiber machen läßt ; meine Frau hat mich und die Kinder nun schon an die dreißig Jahre regiert und ich habe mich recht wohl dabei befunden . Uebrigens sind die Metalliques und die Fünfprozentigen gestiegen , was eigentlich doch die Hauptsache ist . « Die Scheidung des Doktor Erichsen von seiner Frau war unerwartet auf ein Hinderniß gestoßen . Dieses Hinderniß bestand in der Weigerung der Madame Bertha selbst . Wir wissen , daß sie sich zu ihrer Mutter begeben , um sich , wie sie sagte , von ihrem Manne nicht länger wie eine Sklavin behandeln lassen zu müssen . Sie hatte sich ihr elterliches Haus und sich selbst noch ganz so wie früher gedacht , fand aber in Beiden gewaltig viel verändert . Sie konnte es nicht vergessen , daß sie ein Hauswesen gehabt und zwei liebe Kinder , und es noch viel weniger ertragen , daß sie , welche bei sich unbedingt die Erste gewesen , nun bei ihrer Frau Mama die Dritte sein sollte . Wir sagen die Dritte , denn Mama , alt und grämlich geworden , hatte sich bei der Verheirathung ihrer Tochter eine Haushälterin zugelegt , ein großes , sehr dürres Frauenzimmer mit unbeschreiblich scharfer Zunge , welche das Hauswesen und ihre Gebieterin nicht nur beherrschte , sondern sogar tyrannisirte . Madame Bertha war noch nicht vier Wochen da , als sie sich schon unsäglich elend fühlte , denn die Launen der Mutter waren unerträglich , und die dürre Haushälterin schien es sich zur Aufgabe gemacht zu haben , beständig von den Freuden des Ehestandes zu phantasiren , wobei sie versicherte , eine geschiedene Frau sei ein Unding und man wisse gar nicht , zu welcher Klasse der menschlichen Gesellschaft man sie eigentlich zählen solle . Hierauf fing Madame Bertha an , sich ihrem Hause wieder zu nähern , indem sie ihre Kinder häufig aber heimlich sah . Das ließ der Doktor , der es erfuhr , wohl geschehen ; auch hätte er sich mit seinem weichen Herzen gern seiner Frau wieder genähert , doch als Arthur abreiste , hatte dieser ihm das Versprechen abgenommen , bis zu dessen Zurückkunft keinen Schritt zu thun , der von der Doktorin als annähernd betrachtet werden könnte , indem er gesagt : » Wenn du zu bald nachgibst , so hast du in einem halben Jahre wieder dieselbe Geschichte . « - Herr Beil hatte von seinem Freunde Arthur den herzlichsten Abschied genommen , bevor er die Residenz verließ , um dem Auftrag des Herrn von Brand gemäß nach dem Gute der Baronin von W. zu fahren , deren Vermögen er in Zukunft zu verwalten hatte . Vorher überbrachte er aber noch das bewußte Paketchen der Tochter des Präsidenten , die dasselbe im Beisein ihrer Mutter erwartungsvoll öffnete . Es enthielt ein reiches Armband in Brillanten mit der Bitte des Barons , dieses Andenken von einem Freunde zu nehmen , dem leider traurige Verhältnisse nicht erlaubt , der schönen Auguste mehr als dies sein zu können . Fräulein Auguste hatte sich übrigens von dem harten Schlage , der sie betroffen , noch nicht gänzlich wieder erholt . Bei dem gewissen Hofball war die Mutter leider zu besorgt gewesen , die Brautschaft ihrer Tochter allzuvielen Menschen zu verkündigen , und da nun der Präsident , dem Rathe seiner Gemahlin folgend , des Baron Brand nur als solchen gedachte , so sah sich Auguste genöthigt , Kondolationen entgegen zu nehmen , die sich übrigens nicht lange nachher in Gratulationen verwandelten , als sie eine neue Brautschaft antrat , die diesmal ein glücklicheres Ende nahm . Unmöglich können wir dem geneigten Leser verschweigen , daß es ferner