er noch in der Linken hielt , schreckte sie erbleichend zusammen . „ Um Gottes willen , Papa , was soll der Trauerflor ? Meine Brüder – ? “ „ Sie sind wohl und grüßen Dich herzlich , “ beschwichtigte der Baron . „ Erschrick nicht , Eugenie ! “ Für das , was Dir lieb ist , brauchst Du nicht zu zittern . Ein Trauerfall , der allerdings unsere Familie betroffen hat , geht leider , muß ich wohl sagen , Keinem von uns zu Herzen . Doch ich werde Dir das später ausführlich mittheilen , jetzt sage mir – “ „ Nein , nein , “ unterbrach ihn die junge Frau unruhig , „ ich muß erst wissen , wem dieser Flor gilt . Wen haben wir zu betrauern ? “ Windeg stellte den umflorten Hut bei Seite und legte den Arm fester um seine Tochter ; es war etwas Schmerzliches , Krampfhaftes in der Zärtlichkeit , mit der er sie an sich drückte . „ Ich bin auf der Reise , um unserm Vetter Rabenau die letzte Ehre zu erweisen . Seine Güter liegen in dieser Provinz . “ Eugenie fuhr auf . „ Graf Rabenau ? Der Majoratsherr – “ „ Ist todt ! “ vollendete der Baron schwer . „ In der Fülle des Lebens und der Gesundheit , wenige Wochen vor seiner beabsichtigten Vermählung – das konnte allerdings Niemand vorhersehen . “ Eugenie war todtenbleich geworden ; man sah es , die Nachricht ging auch ihr nicht zu Herzen , und dennoch erregte dieselbe sie auf ’ s Furchtbarste ; sie sagte kein Wort , aber der Vater schien ihre Erregung zu begreifen . „ Du weißt , daß wir einander schon seit langer Zeit entfremdet waren , “ fuhr er düster fort . „ Mit Rabenau ’ s rohem , wildem Wesen war nicht auszukommen , und nie vergesse ich die bittere Abweisung , die ich vor einem halben Jahre von ihm erfahren mußte . Er hätte uns retten können , wenn er gewollt ; ihm wäre es ein Leichtes gewesen ; er wies mich rauh und hart zurück . Nun ist er todt , gestorben ohne Erben ; ich trete das Majorat an , jetzt , wo es zu spät ist , wo ich mein Kind geopfert habe ! “ Es lag ein erschütternder Schmerz in diesen Worten . Eugenie strebte sichtbar sich zu fassen , und das gelang ihr auch im Laufe der nächsten Minuten . „ O Papa , Du darfst jetzt nicht an mich denken ! Ich – ich athme ja auf bei dem Gedanken , daß Dir ein so reicher Ersatz wird für all die Demüthigungen , die Du erlitten ; mich überraschte nur das Unerwartete , Plötzliche dieser Nachricht . Wir konnten uns ja nie Hoffnung auf das Majorat machen . “ „ Nie ! “ sagte der Baron düster . „ Rabenau war jung und kräftig ; er stand im Begriff , sich zu vermählen . Wer konnte da ahnen , daß eine dreitägige Krankheit ihn niederwerfen würde ! Aber wenn sein Tod nun einmal beschlossen war , warum , warum konnte diese Fügung nicht eher eintreten ? Vor vier Wochen noch hätte uns die Hälfte , hätte uns ein Viertheil des Reichthums gerettet , der mir jetzt zuströmt . Ich hätte dem – Schurken der mich in ’ s Unglück stürzte , das Geld hinwerfen können , das er mit hundertfachen Wucherzinsen forderte , und meine einzige Tochter brauchte nicht der Preis zu werden . Ich habe Dein Opfer angenommen , Eugenie . Gott weiß es , nicht um meinetwillen ; es geschah für meinen Namen , für die Zukunft meiner Söhne . Aber daß dieses ganze bittere Opfer jetzt umsonst gebracht sein soll , daß eine kurze zufällige Zögerung von einigen Wochen es Dir und mir erspart hätte , diesen Hohn des Schicksals ertrage ich nicht ! “ Er preßte heftig ihre Hand in der seinigen ; aber die junge Frau hatte bereits ihren ganzen Stolz , ihre ganze Fassung wieder gewonnen ; wie furchtbar sie auch dieses „ zu spät “ berührt haben mochte , man sah es ihr nicht mehr an . „ Du darfst nicht so sprechen , Papa ! “ entgegnete sie fest . „ Es wäre eine Ungerechtigkeit gegen Deine anderen Kinder . Dieser Tod , den wir freilich , wie Graf Rabenau nun einmal war , nur formell betrauern können , macht Dich frei von Vielem . Meine Vermählung wendete nur das Drohendste ab ; es blieb noch immer genug , was schwer auf uns lastete , was Dich vielleicht [ 140 ] später auf ’ s Neue in erniedrigende Abhängigkeit von jenem Manne gebracht hätte . Diese Gefahr ist nun abgewendet für immer ; Du kannst ihm das Empfangene zurückzahlen . Wir schulden ihm nichts mehr ! “ „ Aber er schuldet Dich uns . “ unterbrach sie Windeg bitter , „ und er wird sich hüten , diese Schuld je einzulösen . Das ist ’ s , was mir die Rettung vergällt , die ich vor Kurzem noch aufathmend begrüßt hätte und die mich jetzt zur Verzweiflung treibt um Deinetwillen . “ Eugenie wendete sich ab und beugte sich tief über die Blumen , die neben ihr in einer Vase dufteten . „ Ich bin nicht so unglücklich , wie Du und meine Brüder es vielleicht glauben , “ sagte sie leise . „ Nicht ? Meinst Du , ich hätte mich durch Deine Briefe täuschen lassen ? Ich wußte es im Voraus , daß Du uns schonen würdest ; aber wenn mir noch ein Zweifel geblieben wäre , Deine Blässe spricht deutlich genug . Du bist unglücklich , Eugenie , mußt unglücklich sein an der Seite dieses Menschen , der – “ „ Papa , Du sprichst von meinem Gatten ! “ Die junge Frau erhob sich so heftig und leidenschaftlich bei diesen Worten , daß ihr Vater zurücktrat und sie betroffen ansah , ebenso