in seinem Herzen ! Gottes ewiger Ratschluß und der Vorsatz meines Königs erfülle sich an mir ! ‹ › Bei den fünf heiligen Wunden ! ‹ schrie ich , außer mich geratend , der König will nicht , daß Ihr hier erwürgt werdet ! Trägt er die Schuld , wenn Ihr die trotzige Absicht habt , Euern Leib und des Königs Seele wissentlich und freventlich zu verderben . Da wandte sich plötzlich Herr Thomas gegen mich und schlug mich mit biblischen Worten : › Hebe dich von hinnen , du Schalk und Böser Knecht , denn du bist mir ärgerlich ! ‹ Erschrocken sprang ich auf die Füße und wich zurück unter die Kleriker . Ich war betrübt und mehr noch ergrimmt , daß Herr Thomas , der bis heute säuberlich mit mir gefahren war , im Augenblick , da sein Innerstes offenbar wurde , mir so böse und ehrrührige Namen gab , als wäre ich ein Erzschelm von lange her – War das nicht eine Ungerechtigkeit ? Ich überlasse Euch das Urteil , jetzt , da Ihr meinen Wandel von jung auf kennt und ich Euch nichts von meiner Blöße verhehlt habe . Bevor ich den Schmerz dieses unverdienten Schlages verwunden hatte , wurde die Türe geöffnet und die vier normännischen Herren traten in die Halle , ohne Rüstung und Waffen , in gewöhnlicher Hoftracht . Sie begrüßten den Primas mit tadelloser Courtoisie und feindseligen Mienen . Der Bischof hatte sich bei ihrem Eintreten in seinem Stuhl emporgerichtet , und ich wunderte mich über die Erhabenheit seiner Gestalt , aus welcher jede Schwäche gewichen schien . Er erwiderte den Gruß seiner finstern Gäste ebenso adelig und lud sie , die Hand leise bewegend , an seine Tafel . Sie setzten sich . › Wie steht es um meinen Herrn und König ? ‹ fragte er sie nach einer Weile und erhielt keine Antwort . › Ist ' s Friede ? ‹ fragte er wieder . Die viere aber betrachteten den Bischof , die einen mit gesenkter Stirn unter drohenden Brauen hervor , die andern mit scheuen Seitenblicken , nur ein unverständliches Gemurmel kam über ihre Lippen . Zuerst ermannte sich Herr Richard , den sie seiner unbezwinglichen Faust halben Frappedür , das heißt in unserer Zunge Schlagehart , nannten . › Im Namen des Königs kommen wir ! ‹ sagte er . › Ich glaube euch ‹ , versetzte der Primas . › Ihr , die ihr um ihn seid , verstehet seine Winke und erfüllet seinen Willen . ‹ › Hebe den Bann von dem Bischof zu York , Primas , oder hebe dich selbst aus Engelland ! ‹ fuhr Herr Frappedür fort , und der Einsilbige stimmte bei : › Hebe den Bann , oder dich selbst . ‹ › Nicht ich allein , jetzt hat ihn auch ein anderer als ich , der Heilige Vater in Rom , mit dem Banne belegt ‹ , erwiderte Herr Thomas ruhig . › An diesen wende sich mein Bruder in York . Meine Sache kann das nicht länger sein . Ich suche nur den Frieden . ‹ › So entrinnst du uns nicht , du Doppelzüngiger ! ‹ drang Herr Wilhelm Tracy , der unter den vieren der gewandteste Redner war , auf den Primas ein . › Befreie den Bischof von dem Banne , den du auf ihn geschleudert hast ! Er brennt ihm stärker auf der Haut als der römische . Genug der Unterscheidungen und Spitzfindigkeiten ! Gehorche deinem Könige und Lehensherrn in geraden Treuen , wie wir alle tun ! Bist du nicht lediglich ein Geschöpf seiner Gnade ? Wer hat dich aus dem Nichts gezogen und aus einem Sachsen zu einem Menschen gemacht ? Woher kommt dir die erhabene Macht dieses Stuhles ? Du Undankbarer , Feindseliger , sprich und bekenne : aus wessen Händen hast du sie empfangen ? ‹ Da rief Herr Thomas mit durchdringender Stimme , daß es durch die Halle zitterte : › Aus den Händen meines Königs zu seinem Gericht ! ‹ Über dieser harten Rede gerieten die viere in Aufruhr . Rinald der Schöne drehte an den Fingern seiner Handschuhe , die er bis jetzt spielend in der Linken gehalten . Herr Richard Frappedür stieß mit Rücken und Fuß seinen Stuhl zurück , daß das Eichenholz krachte , und der Einsilbige sagte : › Endet ! ‹ Herr Thomas aber sprach mit heiliger Hoheit : › Ich glaube ihr drohet , tapfre Herren ? Was will mein König von mir ? Was sein ist , will ich ihm geben . Meinen Leib ? Hier ist er . Nehmet ihn . Mein Gewissen aber gehört weder ihm noch mir . ‹ – › Vergessen wir der ritterlichen Sitte nicht ! ‹ sprach Herr Wilhelm . › Herren , überlasset mir die Fragestellung ! ‹ Er erhob sich und trat in Totenblässe vor den Primas . › Thomas Becket , nimmst du den Bann von dem Bischofe zu York ? Rede ! ‹ Herr Thomas aber schwieg und verurteilte sich damit zum Tode . › Thomas Becket , du hast den englischen Boden gegen den Willen deines Königs und den Spruch seines Parlamentes wieder betreten . Weiche aus Engelland ! Zugesagt ist dir freies Geleit bis ans Meer . Wann ziehst du von hinnen ? Rede ! ‹ Herr Thomas aber schwieg . Eine Weile harrte Herr Wilhelm auf Antwort , dann schloß er finster : › Das ist Felonie . Dein Blut über dich ! ‹ – Die viere verließen den Saal mit gemessenen Schritten . Ich wußte , sie gingen sich zu waffnen . Es entstand nun eine so große Stille , daß ich mein Herz wie einen Hammer gegen die Rippen schlagen hörte . Da erklang aus dem Schweigen , stark und markig , eine Stimme , die ich anfangs nicht erkannte . Sie gehörte Herrn Thomas , der einen ihm gegenüber an der Wand hangenden Kruzifixus mit Inbrunst ansprach : › Fürst der Schmerzen , nimm Wohnung