dann ist ' s keine Treue , die durch Liebe bedingt wurde « , unterbrach die fürstliche Frau und ihre Wangen wurden heiß , » dann ist es eine künstliche Treue . « » Ja « , sagte der Herzog halblaut . Sie klang eigentümlich , diese einfache Bestätigung . » Dann ist es eben keine Treue , dann ist es Pflichtgefühl « , erklärte die Herzogin eifriger . » Treue in der Pflicht ist vielleicht der höchste Grad der Treue , Hoheit « , sprach Klaudine sanft . » Ach , das ist ja ein Streiten um des Kaisers Bart , bestes Kind « , unterbrach abermals die Herzogin . » Eine Treue , die erst mit sich kämpfen muß , hat überhaupt ihre Bedeutung verloren . Wenn zum Beispiel – wenn der Herzog « , sie stockte einen Augenblick und ein schalkhaftes Lächeln glitt über ihr Gesicht , » wenn – nun , wenn er mit seinen Gedanken zuweilen – sagen wir einmal – bei Ihnen , Klaudine , wäre , dann würde doch seine Gattentreue keinen Wert mehr haben , und wäre er tatsächlich der tadelloseste Ehemann . Hörst du , Adalbert ? – Dann hättest du , nach meiner Ansicht , überhaupt schon die Treue gebrochen . « Der Herzog hatte sich umgewendet und schaute zum Fenster hinaus , Klaudine saß mit fast entstellten Zügen da . Die Herzogin bemerkte es nicht , sie lachte jetzt , es war ein so drolliger Gedanke , den sie eben ausgesprochen hatte . Und sie lachte weiter , so kindlich glücklich , wie nur der zu lachen versteht , der ein großes Glück sein eigen nennt und spielend von einem möglichen Verlust spricht , weil er sicher weiß , daß dies niemals sein kann . » Klaudine ! « rief sie dazwischen , » wie sehen Sie aus ! Ängstigen Sie sich nicht , es ist kein Hochverrat . Nicht wahr , Adalbert , du weißt , wie ich oft necke ? Mein Gott und nun tut mir die Brust weh – o das Lachen . – Klaudine ! Klaudine ! « Das Wort erstarb in einem heftigen Hustenanfall . » Wasser ! Wasser ! « stieß sie hervor . Das erschreckte Mädchen war aufgesprungen und zu dem Tischchen geeilt , das stets eine Wasserflasche trug . Frau von Katzenstein , die in das Zimmer gestürzt war , hielt die nach Atem Ringende in den Armen . Der Herzog stand mit finsterer Miene neben dem Ruhebett , die Leidende hatte seine Hand wie im Krampf erfaßt . Sie war wie geschüttelt von dem Husten und vermochte nicht zu trinken . Mit leisem Schritte kam der herbeigerufene Arzt durch das Zimmer . Klaudine trat zur Seite und gab dem alten liebenswürdigen Herrn Raum . » Lieber Doktor Westermann ! « stieß die Kranke hervor , » es wird schon besser , es geht vorüber . Oh mein Gott , ich atme wieder ! « Die allerletzte graue Dämmerung füllte das Zimmer . Klaudine hatte sich in die Fensternische zurückgezogen , sie stand wie auf glühenden Kohlen und sah , fast abwesend , auf die Gruppe inmitten des Gemaches . Jetzt trat der Herzog zurück , und die Leidende fragte mit matter Stimme : » Habe ich dich sehr erschreckt , Adalbert ? Vergib mir ! « » Hoheit müssen sich sogleich niederlegen « , erklärte der Arzt . Der Herzog , der sich bereits der Tür genähert hatte , kam plötzlich zurück . Frau von Katzenstein stützte die Kranke , die sich gehorsam erheben wollte . Sie winkte freundlich zu Klaudine hinüber : » Auf Wiedersehen ! Ich werde Sie bald rufen lassen , Liebste ! Gute Nacht , mein Freund « , wendete sie sich dann zum Herzog , » morgen bin ich wieder ganz wohl . « Der Arzt trat , nachdem die Kranke hinter dem Vorhang verschwunden war , zum Herzog . » Hoheit , es ist nichts ängstliches , nur muß die hohe Kranke sehr geschont werden – keine aufregenden Gespräche , keine geistlichen Debatten , wie Ihre Hoheit es lieben . Das Temperament Ihrer Hoheit spielt mir ohnehin schon böse Streiche , ebenmäßig langweilig soll die Kranke leben . « » Bester Herr Medizinalrat , Sie kennen ja die Herzogin . Eben hat sie übrigens bloß ein wenig gelacht . « » Ich erlaube mir nur , Eure Hoheit nochmals darauf aufmerksam zu machen « , erwiderte der alte Mann sich verbeugend . Der Herzog winkte sichtlich zerstreut und ungeduldig mit der Hand . » Guten Abend , lieber Westermann . « Klaudine erschrak . Sie preßte sich tiefer hinein in die Dämmerung der Fensternische und blickte dem sich entfernenden Arzte mit seltsam bangen Augen nach . Sie war allein , allein mit dem Herzog . Das , was sie stets klug zu vermeiden gewußt , was er unverkennbar gesucht , heiß gesucht hatte , war geschehen . Aber vielleicht hatte er ihre Gegenwart vergessen , denn er schritt so erregt auf und ab im Zimmer . O , er würde sie nicht bemerken , das einzige Licht des Armleuchters genügte kaum , den nächsten Umkreis des Kamins zu erhellen , und sie stand geborgen hinter dem seidenen Vorhang der Fensternische . In atemloser Angst verharrte sie , wie ein verfolgtes Reh , das dem Jäger nicht mehr zu entrinnen weiß . Sie hörte das Klopfen ihres Herzens so deutlich , wie seine gedämpften Schritte dort auf dem weichen Teppich . Dann zuckte sie empor , die Schritte näherten sich . Eine hohe Gestalt war unter den Vorhang getreten und eine Stimme , welche von einer leidenschaftlichen Aufregung seltsam klanglos gemacht wurde , nannte ihren Namen : » Klaudine « . Sie trat furchtsam einen Schritt seitwärts , als wollte sie eine Gelegenheit erspähen , um zu fliehen . » Klaudine « , wiederholte er und bog sich herab zu ihr , so daß sie trotz der tiefen Dämmerung den flehenden Ausdruck seiner Augen sehen