spüren ... » Ich glaube , ich werde noch verrückt um dieses Mädchens willen ! « murmelte er zwischen den Zähnen , und seine Finger wühlten sich wie verzweifelt in das reiche Stirnhaar . Da war es , als husche etwas über das Außentreppchen – leicht , fast unhörbar , wie auf den Samtpfötchen einer Katze ! Ein Mensch kam sicher nicht hier herauf . Die Gartenecke lag so einsam , und von den wenigen umwohnenden Leuten würde es niemand gewagt haben , der Gutsherrschaft auf diesem Wege nahe zu kommen . Herr Markus sah empor und meinte unter einem jähen Zusammenschrecken , das ihn stechend durchfuhr , er träumte fort – es war allerdings ein Menschenkind die Treppe herauf , bis fast unter den Rahmen der Tür gekommen – sie , die Prüde , in deren Wangen und Lippen das lebendige Rot noch nicht zurückgekehrt war , trotz der Gluthitze draußen , die jedes Menschenantlitz höher färbte ... Sie kam zu ihm , in seine Wohnung ! – Ei nun , wie sie ja auch , bei aller Unnahbarkeit und Zurückhaltung im persönlichen Umgang , ungezwungen im Hause des unverheirateten Forstwärters aus und ein ging ! Sie gab nichts auf die Anforderungen strenger äußerer Sitten , nichts auf die rügenden Lästerzungen – das hatte sie selbst gesagt ... Und so stand sie da , zwar mit scheuem Blick und auf dem halb und halb neutralen Boden des Altans bang zögernd , aber doch unverkennbar im Begriff , einzutreten . Ein seltsames Gemisch von Glückseligkeit , sie zu sehen , und Grimm über diesen ihren Schritt wogte in ihm auf ; und dazu gesellte sich die Besorgnis , daß Frau Griebel jeden Augenblick eintreten könne – ach ja , das wäre Wasser auf diese Mühle gewesen ! Dann war es um den letzten Rest des guten Rufes dieser Unvorsichtigen geschehen ... Er sprang empor – eine heiße Röte überflog sein Gesicht . » Sie wünschen ? « fragte er unsicher und deshalb fast rauh und abstoßend . Bei diesen Lauten war es , als wolle das Mädchen in sich zusammenbrechen . Sie griff unwillkürlich nach dem Geländer zurück und legte die andere Hand über die Augen . Aber sie faßte sich rasch . » Der – der Herr Amtmann läßt für die Bücher herzlich danken und bittet um den › Münchhausen ‹ von Immermann , « sagte sie tonlos und reichte ihm zwei der von ihm an den Amtmann geliehenen Werke hin , die sie in einem Körbchen am Arme gebracht hatte . Ah , sie kam als Abgeschickte , als die Magd ihrer Herrschaft ! Wie seltsam , daß er ihre Lebensstellung immer wieder vergaß ! Wenn der Amtmann befahl , so mußte sie ja ohne Widerrede gehen – an diesem Gehorsam hatte auch Frau Griebel nichts auszusetzen . » Ich habe das Buch nicht hier , « entgegnete er aufgehellten Blickes , » und muß Sie bitten , einen Augenblick zu warten – ich werde es herüberholen . « Er schlug ein Tuch um die noch immer blutende Hand und war im Begriff , die nach dem Garten führende Tür zu öffnen – aber da stand das Mädchen mit wenigen Schritten neben ihm . » Das hat Zeit ! « wehrte sie hastig , in scheuer Verlegenheit ab . » Ich sollte die Bücher zum Forstwärter tragen , damit er den Wechsel besorge ; er wird heute abend kommen , das Buch zu holen – bitte , geben Sie ihm . « – Sie schlug plötzlich wie in überwältigender Scham beide Hände vor das Gesicht . » O Gott , wie peinvoll ! « murmelte sie , und die Hände wieder sinken lassend , sagte sie mit niedergeschlagenen Augen : » Der Bücherwechsel war nur ein Vorwand , mich einzuführen – vielleicht dachten Sie das selbst . Ich kam – weil ich es nicht ertrage , Ihnen Schmerz verursacht zu haben , ohne ihn zu lindern ! Ich will gutmachen , soviel ich kann ! « Ach , wie schnell war alles vergessen , was er eben noch gedacht hatte ! Seine moralischen Bedenken , Frau Griebels verletztes Anstandsgefühl – wie hätten diese Geringfügigkeiten noch aufkommen können neben den erschütterten Tönen , die an sein Ohr schlugen , angesichts des süßen , blassen Mädchenantlitzes , das sich demütig auf die Brust senkte ! – Unwillkürlich bog er sich nieder , um sie in seine Arme zu ziehen , wo sie geschützt sein sollte für alle Zeit . Allein diese eine rasche Bewegung scheuchte sie sofort bis auf die Schwelle der Tür – sie schien förmlich entsetzt über die Wirkung ihrer Worte , über das leuchtende Gesicht des Gutsherrn und hob den Fuß , um bei einem weiteren Schritt seinerseits die Treppe hinabzuspringen und das Weite zu suchen . » Ich war vorhin in das Haus gelaufen , um Verbandzeug zu holen , « sagte sie herb , mit finster zusammengezogener Stirn ; » aber als ich zurückkam , waren Sie fortgegangen ... Ich weiß nicht , ob ich die Schuld an dem unseligen Vorfall allein trage – auf jeden Fall bin ich unvorsichtig gewesen , und das läßt mich nicht ruhen , das hat mich hierher getrieben ! ... Ich will keine ungesühnte Schuld auf dem Herzen haben , gegen keinen Menschen , gegen niemand auf der Welt , sei er wer es sei ! « » Ach so . – Nun denn , ich danke Ihnen recht sehr für Ihre Teilnahme ! « warf er bitter lächelnd hin , während er an den Tisch trat . » Sie können beruhigt nach Hause gehen ! Die Schuld trage ich allein – warum war ich so täppisch , der sichelführenden › Trutzigen ‹ zu nahe zu kommen ! ... Im übrigen sehen Sie , daß ich eben im Begriff war « – er zeigte auf das Besteck – » den Zeugen des unseligen Vorfalles einfach mit Heftpflaster zu verkleben – « » Das genügt nicht , « sagte sie