Gretel ? « Ich weinte leise . » Ich gehe zu meinem Vater zurück , Hanna , sorge dich nicht um mich . Ich werde dich ja manchmal wiedersehen , und später – « » Nun , und später ? « fragte Hanna . » Ich meine nur « , sagte ich verlegen , » du wirst oft hierherkommen und mich auch einmal besuchen da unten im Dorfe . « » Natürlich , Gretchen , jedesmal . Und du kommst eine Zeitlang zu mir in die Stadt , das versteht sich von selbst . Und nicht wahr , Gretchen , morgen weinst du nicht so viel ! Mach mir den Abschied nicht so schwer und hab ' noch einmal tausend Dank für alle deine Freundschaft und Liebe in guten und bösen Tagen . Könnt ' ich es dir je vergelten ! Du wirst mir stets die schönste Erinnerung sein aus der Mädchenzeit , und nie werde ich unsere Streifereien durch Wald und Feld zu Pferde vergessen , bei denen du so wunderschön gesungen hast . Ach , Gretchen , ich wünschte nur eins für dich : ich möchte dich auch bald so glücklich wissen , wie ich es bin . « Ich küßte gerührt die klaren blauen Augen . » Weißt du , ich habe dir für vieles zu danken , für alles , Hanna ! Du hast mir Mutter und Vater ersetzt , weil ich dich liebhaben durfte , und weil du mich wieder liebhattest . « – Der feierliche Tag war gekommen , der Hanna aus dem Elternhause führen sollte . Die Dienerschaft hatte es sich nicht nehmen lassen , zu Ehren der jungen Braut das ganze Schloß mit Tannenreisern auszuschmücken , wo es nur anzubringen war . Von unserem Zimmer über die Treppe , durch die Halle bis an den Saal , wo die Trauung stattfinden sollte – überall lagen Blumen und Grün gestreut . Lisel und der alte Johann hatten ganz verweinte Gesichter . Sie war von allen geliebt worden im ganzen Hause , die kleine , sanfte Hanna , von der brummigen Schließerin bis zum Stalljungen . Aller Herzen hatte sie erobert , manch gutes Wort für diesen oder jenen eingelegt , und nun wollten ihr die Leute zeigen , wie groß die Verehrung war und wie ungern man sie scheiden sah . Oben saß sie zum letzten Male in unserer Mädchenstube , und Lisel frisierte ihr die schönen blonden Locken . Ich stand im einfachen weißen Kleide und hielt den Myrtenkranz in der Hand , den sie von mir aufgesetzt haben wollte . – Mit aller Gewalt preßte ich die Tränen zurück , wähnend ich den bedeutungsvollen bräutlichen Schmuck in die vollen Haare drückte . Als sie sich erhob und der Schleier über die schweren Falten des langen , weißen Gewandes herabrieselte , da hielten wir uns einen Augenblick fest umschlungen und flüsterten ein inniges Lebewohl , Lebewohl ! Sie sah so wunderlieblich aus , diese kindliche Braut . Das blasse Gesichtchen zeigte Rührung und Glück , ihre Hände zitterten , als sie das prächtige Brautbukett ergriff , und die Bedeutsamkeit des Schrittes , den sie im Begriff war zu tun , übermannte sie beinahe . Zögernd stand sie mitten in der Stube , da hörten wir einen sporenklirrenden Tritt auf dem Korridor . » Er wartet schon « , sagte ich leise . » Komm , Hanna . « Richtig , es klopfte , draußen stand Bergen . Strahlend vor Glück richtete er seine Augen auf die liebliche Braut und reichte ihr den Arm . Ich schritt hinter ihnen die Treppe hinunter . Die ganze Dienerschaft befand sich in der Halle und schaute bewundernd dem Paare nach . Der alte Johann öffnete die Flügeltüren , das Brautpaar trat zu dem mit Orangenbäumen geschmückten Altar , um den bereits im Halbkreise die Angehörigen und die wenigen zu der Feier geladenen Fremden sich versammelt hatten . Heller Sonnenschein flutete durch die hohen Fenster und ließ den Glanz der zahlreichen Kerzen matt erscheinen . Und vom Altar her tönte die Stimme des Geistlichen : » Sei getreu bis in den Tod , so will ich dir die Krone des Lebens geben , das ist der Spruch , den ich euch , geliebtes Brautpaar , auf den Lebensweg mitgeben möchte . « Ein schöner Spruch fürwahr und schöne Worte waren es , die der junge Pastor darüber sagte . Von den Wangen der Braut rann Träne um Träne , und um Frau v. Bendelebens Lippen zuckte es wie von Schmerz und Freude zugleich . Ruth sah marmorbleich aus , schöner als je in der tiefschwarzen Spitzenrobe . Ich stand neben ihr , und als das Brautpaar hinkniete , um den Segen zu empfangen , faßte die kleine Hand krampfhaft in die duftigen Falten des schwarzen Gewandes und ein tiefer , ängstlicher Seufzer entschlüpfte ihren Lippen . Ob sie an ihre Hochzeit gedacht ? Wie sie vor so kurzer Zeit erst dasselbe Gelübde ausgesprochen , das nun der Tod gelöst hatte ? Wer weiß es ! – Als die Zeremonie beendet war , und das junge Paar beglückwünscht wurde , war diese Erregung wieder verschwunden . Sie küßte kalt die junge Frau v. Bergen auf die Stirn , und beim Hochzeitsmahl war sie die lebhafteste von allen . Es schien , als spräche sie gerade deshalb so viel , um böse Gedanken zu verscheuchen , die sich ihr beim Anblick des Brautpaares immer wieder aufdrängten . Sie saß neben Wilhelm v. Eberhardt , ich ihnen gegenüber neben dem jungen Pastor . Es war keine vergnügte Tafelrunde , es hätte von Rechts wegen auf einer Hochzeit fröhlicher zugehen müssen . Die Unterhaltung schleppte sich so weiter , die Hausfrau sprach wenig , dem Baron ging der bevorstehende Abschied von seinem Liebling nahe . Der alte Nordheim ließ zwar in einer hübschen Rede das Brautpaar leben , es kam aber doch keine Munterkeit in die Gesellschaft . Die Leute , der alte Johann an der Spitze , traten mit gefüllten