und Efeu überwachsene Felswand , in deren Front ( der alte Köckritz war jetzt zurückgeblieben ) der König auf einer Steinbank saß . Er erhob sich , als er die schöne Frau sich nähern sah , und trat ihr ernst und freundlich entgegen . Frau von Carayon wollte sich auf ein Knie niederlassen , der König aber litt es nicht , nahm sie vielmehr aufrichtend bei der Hand und sagte : » Frau von Carayon ? Mir sehr wohl bekannt ... Erinnre Kinderball ... schöne Tochter ... Damals ... « Er schwieg einen Augenblick , entweder in Verlegenheit über das ihm entschlüpfte letzte Wort oder aber aus Mitgefühl mit der tiefen Bewegung der unglücklichen und beinah zitternd vor ihm stehenden Mutter , und fuhr dann fort : » Köckeritz mir eben Andeutungen gemacht ... Sehr fatal ... Aber bitte ... sich setzen , meine Gnädigste ... Mut ... Und nun sprechen Sie . « Siebzehntes Kapitel Schach in Charlottenburg Eine Woche später hatten König und Königin Paretz wieder verlassen , und schon am Tage danach ritt Rittmeister von Schach in Veranlassung eines ihm in Schloß Wuthenow übergebenen Cabinetsschreibens nach Charlottenburg hinaus , wohin inzwischen der Hof übersiedelt war . Er nahm seinen Weg durchs Brandenburger Tor und die große Tiergartenallee , links hinter ihm Ordonnanz Baarsch , ein mit einem ganzen Linsengericht von Sommersprossen überdeckter Rotkopf mit übrigens noch röterem Backenbart , auf welchen roten und etwas abstehenden Bart hin Zieten zu versichern pflegte , » daß man auch diesen Baarsch an seinen Flossen erkennen könne « . Wuthenower Kind und seines Gutsherrn und Rittmeisters ehemaliger Spielgefährte , war er diesem und allem , was Schach hieß , selbstverständlich in unbedingten Treuen ergeben . Es war vier Uhr nachmittags und der Verkehr nicht groß , trotzdem die Sonne schien und ein erquickender Wind wehte . Nur wenige Reiter begegneten ihnen , unter diesen auch ein paar Offiziere von Schachs Regiment . Schach erwiderte ihren Gruß , passierte den Landwehrgraben und ritt bald danach in die breite Charlottenburger Hauptstraße mit ihren Sommerhäusern und Vorgärten ein . Am Türkischen Zelt , das sonst wohl sein Ziel zu sein pflegte , wollte sein Pferd einbiegen ; er zwang es aber weiter und hielt erst bei dem Morellischen Kaffeehause , das ihm heute für den Gang , den er vorhatte , bequemer gelegen war . Er schwang sich aus dem Sattel , gab der Ordonnanz den Zügel und ging ohne Versäumnis auf das Schloß zu . Hier trat er nach Passierung eines öden und von der Julisonne längst verbrannten Grasvierecks erst in ein geräumiges Treppenhaus und bald danach in einen schmalen Korridor ein , an dessen Wänden in anscheinend überlebensgroßen Porträts die glotzäugigen blauen Riesen König Friedrich Wilhelms I. paradierten . Am Ende dieses Ganges aber traf er einen Kammerdiener , der ihn , nach vorgängiger Meldung , in das Arbeitscabinet des Königs führte . Dieser stand an einem Pult , auf dem Karten ausgebreitet lagen , ein paar Pläne der Austerlitzer Schlacht . Er wandte sich sofort , trat auf Schach zu und sagte : » Habe Sie rufen lassen , lieber Schach ... Die Carayon ; fatale Sache . Spiele nicht gern den Moralisten und Splitterrichter ; mir verhaßt ; auch meine Verirrungen . Aber in Verirrungen nicht steckenbleiben ; wiedergutmachen . Übrigens nicht recht begreife . Schöne Frau , die Mutter ; mir sehr gefallen ; kluge Frau . « Schach verneigte sich . » Und die Tochter ! Weiß wohl , weiß ; armes Kind ... Aber enfin , müssen sie doch charmant gefunden haben . Und was man einmal charmant gefunden , findet man , wenn man nur will , auch wieder . Aber das ist Ihre Sache , geht mich nichts an . Was mich angeht , das ist die Honnêteté . Die verlang ich , und um dieser Honnêteté willen verlang ich Ihre Heirat mit dem Fräulein von Carayon . Oder Sie müßten denn Ihren Abschied nehmen und den Dienst quittieren wollen . « Schach schwieg , verriet aber durch Haltung und Miene , daß ihm dies das schmerzlichste sein würde . » Nun denn bleiben also ; schöner Mann ; liebe das . Aber Remedur muß geschafft werden , und bald , und gleich . Übrigens alte Familie , die Carayons , und wird Ihren Fräulein Töchtern ( Pardon , lieber Schach ) die Stiftsanwartschaft auf Marienfließ oder Heiligengrabe nicht verderben . Abgemacht also . Rechne darauf , dringe darauf . Und werden mir Meldung machen . « » Zu Befehl , Euer Majestät . « » Und noch eines ; habe mit der Königin darüber gesprochen ; will Sie sehn ; Frauenlaune . Werden sie drüben in der Orangerie treffen ... Dank Ihnen . « Schach war gnädig entlassen , verbeugte sich und ging den Korridor hinunter auf das am entgegengesetzten Flügel des Schlosses gelegene große Glas- und Gewächshaus zu , von dem der König gesprochen hatte . Die Königin aber war noch nicht da , vielleicht noch im Park . So trat er denn in diesen hinaus und schritt auf einem Fliesengange zwischen einer Menge hier aufgestellter römischer Kaiser auf und ab , von denen ihn einige faunartig anzulächeln schienen . Endlich sah er die Königin von der Fährbrücke her auf sich zukommen , eine Hofdame mit ihr , allem Anscheine nach das jüngere Fräulein von Viereck . Er ging beiden Damen entgegen und trat in gemessener Entfernung beiseit , um die militärischen Honneurs zu machen . Das Hoffräulein aber blieb um einige Schritte zurück . » Ich freue mich , Sie zu sehen , Herr von Schach . Sie kommen vom Könige . « » Zu Befehl , Euer Majestät . « » Es ist etwas gewagt « , fuhr die Königin fort , » daß ich Sie habe bitten lassen . Aber der König , der anfänglich dagegen war und mich darüber verspottete , hat es schließlich gestattet . Ich bin eben eine Frau , und es wäre hart , wenn ich