was . Und als der Heidereiter in eben diesem Augenblicke sich umsah , sah er , daß der Vollmond hinter dem Tannenwald auf stieg . Und er schrie laut auf und sagte , während er seine letzte Kraft zusammenraffte : » Geht nur . Geht immer vorauf . Ich muß sehen , was es gibt . Und sagt meiner Frau , daß ich nachkomme . Geht . « Und der Sägemüller , dem es unheimlich geworden war , ließ ihn allein und ging in raschem Schritte den anderen nach , die schon , am Außenrande von Kunerts-Kamp hin , wieder abwärts stiegen . Und an eben diesem Gelände hin zog auch der Vortrupp , die Burschen und Mädchen , die dicht hinter Ellernklipp ihre frühere Weise wieder aufgenommen hatten : » Er nahm aus seiner Taschen Ein Messer scharf und spitz ... « Und nun schwieg das Lied und brach ab , denn ein Schuß fiel und hallte durch die Berge wider . Aber es war ja Jagdzeit und Besuch auf dem Schloß , und in einem weinerlichen Tone sangen sie gleichgültig weiter : » Ach , reicher Gott vom Himmel , Wie bitter ist mein Tod . « Auch Hilde hatte den Schuß gehört , ohne sich viel darum zu kümmern , und sang nur leise mit und freute sich ; denn das Kind auf ihrem Arme war eingeschlafen und atmete so still und ruhig , als ob es der erste Tag seiner Gesundheit wär . » Ach , wenn es leben bliebe ! « Und so stiegen sie gemeinschaftlich die Berglehne hinunter , und Hilde horchte noch dem Gesange nach , als sie sich vor des Heidereiters Hause von ihrer Begleitung getrennt hatte . Gleich danach aber kam Grissel und nahm das Kind und ließ sich erzählen und war wie gewöhnlich voll guter Lehren und wußte ganz genau , wie ' s hätte gemacht werden müssen . Auch das mit dem Jagdwagen . Aber mit dem Alten , da sei nichts mehr . Er sei zu eigensinnig und wolle immer mit dem Kopf durch die Wand . Eine ganze Weile ging so das Geplauder , und beide waren eigentlich froh , den Heidereiter nicht mit dabei zu haben . Endlich aber wurde Hilde doch stutzig und wunderte sich , daß der Vater noch nicht da sei . Denn sie nannt ihn noch immer so . Grissel aber wollte von Angst und Sorge nichts wissen und sagte nur : » Er hat den Schuß gehört , und da versteht er keinen Spaß und sieht , was es ist . Es fängt ohnedies das Wildern wieder an , weil er ' s eine Weile hat gehen lassen . Und das verdrießt ihn . Und gib acht , er macht ' s ein Ende . « Hilde ließ es gelten . Als aber wieder eine Zeit um war , sagte sie : » Wir müssen ihn suchen gehen . Und sage nicht nein . Und wenn niemand geht , so geh ich selber . So furchtsam ich bin . « Und all das sagte sie so bestimmt , daß der Grissel auch der Gedanke kam , es könne was passiert sein . Und so ging sie zu Joost in den Stall , um ihn fortzuschicken . Der machte sich auch auf den Weg , und der jungen Frau wurde wieder freier ums Herz , als sie sah , daß wenigstens etwas geschah . Aber sie hatte doch keine Ruh und ging hin und her und sah den Weg und das Gebüsch hinauf , von wo der Vater jeden Augenblick kommen mußte . Und wenn nicht er , so doch Joost . Und so war sie schon viele Male auf die Treppe hinausgetreten . Immer vergeblich . Aber jetzt klang es ihr wie Stimmen und war ihr , als ob sie dicht an der Stelle , wo die zwei Silberpappeln standen , einen Schatten und eine Bewegung sähe . Und wirklich , es war so , und über eine lichte Stelle weg , auf die gerade das Mondlicht fiel , erkannte sie vier oder fünf Gestalten . Und es war ihr , als trügen sie was . Und auf einen Schlag stand wieder der Tag vor ihrer Seele , wo sie den Maus-Bugisch auf eben diesem Wege herangeschleppt hatten , und eine furchtbare Angst befiel sie , daß sich ihr das Grauen jenes Tages erneuern könne . Sie wollte Gewißheit haben , je früher , je besser , und schritt rasch und entschlossen die Stufen hinunter und dem Zug entgegen . Als aber Joost ihrer ansichtig wurde , ließ er halten und winkte , daß sie von der Straße weggehe und wieder ins Haus zurücktrete . Vergebens ! Sie blieb angewurzelt stehen und wartete , bis alles heran war . Und nun nahm sie die Tannenzweige fort , die die Träger über das Antlitz des Toten gedeckt hatten . Es war Baltzer Bocholt , der ihr – ein paar Blutstropfen in seinem grauen Bart – ernst und beinahe finster entgegenstarrte . 18. Kapitel . Ewig und unwandelbar ist das Gesetz Achtzehntes Kapitel Ewig und unwandelbar ist das Gesetz Wochen waren vergangen . Ein heller Oktobertag lag über dem Land , die Sonne blitzte hoch im Blauen , und wer ins Tal kam und sein Auge nicht bloß auf den Weg richtete , der freute sich der Berglehnen , die jetzt ganz in Rot standen , und der breiten Wiesenstreifen dazwischen , die nach dem Nebel , der über Nacht gefallen , überall jetzt von Tau glitzerten . Alles war hell und still , am stillsten aber des Heidereiters Haus , das man bei seinen weit offenstehenden Türen und Fenstern für unbewohnt hätte halten können , wenn nicht das Auffliegen der Tauben und das Gackern der Hühner und dazwischen ein taktmäßiges Schlagen und Klopfen das Gegenteil verraten hätte . Das Schlagen und Klopfen aber rührte von Joost und Grissel her , die die Kissen des hochlehnigen Sofas aus der guten Stube von ihrem