- Dann kam ja das Fest bei den Amsters . Allert holte die Mutter ab . Sie spürte gleich : er war zerstreut und verstimmt . Er schob es auf Geschäfte . Von der Spannung , die in ihm brannte , sagte er nichts . Stumm saß er im Auto , das im Halbrund des Weges innerhalb des Vorgartens nur langsam vorrückte , denn ein abscheuliches Schneetreiben erschwerte Auffahrt und Aussteigen der Gäste . In der Herrengarderobe war dann wieder dieser ältliche Diener , dieser Lurch - Allert empfing auch die kleine weiße Karte , auf welcher der Name der Dame stand , die er zu Tisch führen sollte : Fräulein Marieluis Amster . Ganz selbstverständlich , weil er zum erstenmal als Gast hier war und immerhin schon weit die gesellschaftliche Rangstufe der jungen Dächse von Referendaren , Leutnants , Volontären und anderem Tanzgebein überragte . Aber er fühlte sein Herz klopfen . Dann waren da zwei große , sehr volle Räume , in denen nichts zu sein schien wie Menschen und Kristallkronen - so waren alle Möbel vom Gedränge verdeckt . Und voll Würde gleich vorn bei der ersten Tür der ihm schon bekannte Senator , der ihn seiner Frau vorstellte . Die blonde Frau mit den hübschen , aber scharf gewordenen Zügen und der bedeutenden Haltung lächelte sehr verbindlich und sagte ihm ein Dutzend sehr schmeichelhafter Worte über seine Mutter und überließ ihn dann seinem Schicksal und seinem Stern , weil auf seinen Hacken schon andere Gäste warteten , um ihrer Begrüßung teilhaftig zu werden . Sein Stern nun war seine Mutter . Er sah , wie bekannt sie hier schon mit allen Menschen schien , und mit welcher liebenswürdigen Heiterkeit sie sich bewegte . Na ja , das war ihr Feld - aus diesem Boden wuchsen ihr die Aufträge zu . - Sie sagte ihm : » Ich stelle Dich vor - auch der Tochter des Hauses . « - Nun mußte er sich da und dort verbeugen und sechsmal die Frage : » Sind Sie bei Ihrer Mutter zum Besuch ? « beantworten : » Ich lebe hier , habe mich hier niedergelassen . « Und achtmal hören : » Haben Sie schon das Bild von Marieluis Amster gesehen ? Es wird fabelhaft . « Drei Leute fragten ihn auch , ob er sich schon eingelebt habe . Und dann kam sehr eilig , elegant , hoch und schmal Thea Daister herangerauscht und nahm ihn unter ihre Fittiche , wie sie es nannte . Und weil gerade seine Mutter vom Generalkonsul Haimburgk festgehalten wurde , dessen beide Knaben sie ja malen sollte , bat sie rasch Thea Daister : » Bringen Sie ihn zu Marieluis . « Das war Allert lieb . Seine Mutter hatte ihm zu feine Ohren , zu scharfe Augen für das , was vielleicht gleich kam . Und da war es auch schon . - Er hatte sie schön und ernst und gelassen und überlegen und gereift und - und - er wußte nicht , was alles - gefunden - im langen Mantel , im dunkeln Hut . Nun sah er : Es war die Verkleidung einer Prinzessin gewesen . Hier stand ein Wesen , das einen merkwürdigen und doch stillen Glanz auszustrahlen schien - ein hochgewachsenes Mädchen mit blondem Haar und feinen Zügen - klug und grau die Augen - Schultern , Arme - ach , Allert fehlte der vernünftige Vergleich dafür . Und er hatte auch einen unbestimmten , allgemeinen Eindruck von blaßblauer Seide und großen , dunkeln Veilchensträußen . Seine Führerin strebte emsig durch die Menschen auf diese junge Fürstin zu . Wenn Thea Daister jemand so geleitete , hatte es etwas Pflichtvolles , Genaues , höchst Dringliches . Am liebsten hätte Allert sie am Arm fest- und zurückgehalten . Und nun sah auch Marieluis ihn und erglühte in völligster Ueberraschung . » Auf Wiedersehen , « sagte Thea Daister , » ich muß noch flink oben an der Tafel mal zusehen , wo mein Mann seinen Platz hat - ich bin Ihre Tischnachbarin links - hier Marieluis : der Sohn von Frau Hellbingsdorf . « Marieluis , die ihre gewöhnliche Farbe schon wieder hatte , reichte ihm die Hand . » Ich habe rasch eine große Verehrung für Ihre Mutter gewonnen . « » Das macht mich stolz . Ich werde viel zu tun haben , um hier für mehr angesehen zu werden als bloß für einen Sohn . « Marieluis lächelte ein wenig . » Den Eindruck hab ' ich eigentlich nicht bekommen , daß Sie das Talent haben , unbemerkt zu bleiben . « » So ? Also ich hab ' vordringlich gewirkt ? Vielleicht haben Sie Ihren Eltern schon eine entsprechende Schilderung von jenem Mann gegeben , der Ihnen beistand ? Dann bitt ' ich : Schonen Sie mein Charakterbild , damit es nicht in der Geschichte schwankt wie das mancher Helden , und decken Sie meine Identität nicht auf . « » Ich habe zu keinem Menschen von jenem Vorfall gesprochen . « Das machte ihn irgendwie glücklich . » Ich auch nicht , « sagte er leise . » Es war mir zu nebensächlich , « fügte sie hochmütig hinzu . Gott - diese jungen Mädchen ! dachte er . » Dory , erlaubst Du : Herr von Hellbingsdorf - Fräulein Dory Vierbrinck . « Er verneigte sich vor einer zierlichen jungen Dame , die einen uneingefaßten Kneifer trug , einen schmalen Rosenkranz auf kastanienfarbenem Haar und entzückende Grübchen hatte . » Dory ! Zum Unterschied von Laura , Fanny , Mimi , Evelyn und Helene Vierbrinck , die hier ebenfalls anwesend sind . Vierbrincke , teils vom Senator , teils von Vierbrinck Sohn & amp ; Compagnie , teils vom Konsul Vierbrinck , « sagte sie munter . » Ich bin schon lange genug in Hamburg , um diesen hier so viel bedeutenden Namen zu würdigen , « sagte Allert , » und darf ich fragen : » Von welchem Zweige dieser