: durch die letzten Boxerproklamationen , die mir von meinen Missionaren zugegangen sind , geht nämlich ein Ton der Anklage gegen die Dynastie ; sie wird für das ganze Elend des Landes und seine korrupten Zustände , vor allem aber auch für die Gebietsabtretungen an auswärtige Mächte verantwortlich gemacht . Es heißt darin , das Kaiserhaus sei dazu wie zu der Einführung von Bahnen und sonstigen Neuerungen , ganz ebenso wie die Mandarine , von den Fremden mit Geld bestochen worden . Ich führe diese Ausstreuungen auf den Prinzen Tuan zurück , und sie haben einen besonderen Zweck . Er will nämlich die in China besonders leichtgläubige öffentliche Meinung dadurch erregen und sie für Ausführung seines eigentlichen geheimsten Planes vorbereiten - der aber ist , beim ersten günstigen Vorwand sich und seinen Sohn öffentlich an Stelle von Tzü Hsi und Kwang Hsü zu setzen . Sobald nun die Kaiserin erkennt , welche Gefahren für sie aus dem Glauben an solche Anschuldigungen entstehen können , wird sie sich offen auf Seite der Boxer stellen , um sich so zu entlasten und die Wut der wilden Horden von sich ab- und ausschließlich auf die Fremden zu lenken . « Andere Besucher kamen , und des Bischofs Ausführungen wurden unterbrochen . Aber sie mußten doch einen gewissen Eindruck auf den Ta-jen gemacht haben , denn später erzählte er das Gespräch dem ersten Sekretär , der ihn bis zur Ankunft des neuen Gesandten vertreten sollte . » Vielleicht täten Sie gut , diese Ansichten des Bischofs nach Hause zu melden , « sagte der Ta-jen , der , immer mehr ein Mann des geschriebenen Wortes wie der Tat , in der Berichterstattung den Hauptzweck des Dienstes sah und durch seinen glänzenden Aufstieg ja auch von der Richtigkeit dieser Auffassung überzeugt wurde . » Ach , Exzellenz , « antwortete der Sekretär , » es ist ja ganz klar , daß der Bischof nur deshalb so schwarz sieht , weil all die Ausschreitungen sich gegen die Missionare und die von ihnen beschützten Konvertiten richten . Das Christentum ist nun mal in China nicht beliebt , und eigentlich kann man sich kaum darüber wundern , denn die ehrwürdigen Herren mischen sich zu sehr in die irdischen Angelegenheiten ihrer chinesischen Gläubigen und wollen ihnen allerhand Begünstigungen sichern , um ihnen zu beweisen , daß ihre Religion nicht nur fürs Jenseits vorteilhaft ist . Darüber kann man ja die chinesischen Behörden immer wieder klagen hören . Sollte es indessen wirklich schlimmer werden , so kann man ja mal eine scharfe Note an das Tsungli-Yamen richten . « » Gewiß , gewiß , Sie haben sicher recht , « sagte der Ta-jen , der geglaubt hatte , aus Gewissenhaftigkeit sprechen zu müssen , in Wirklichkeit aber nur zu froh war , die Seite des Lebensbuches , auf der das Wort China stand , nun endgültig umwenden zu dürfen . Dann kam der Tag der Abreise . Früh schon standen die beiden grünen Sänften bereit , in denen der Ta-jen und die Taitai so oft , sei es zu langwierigen Verhandlungen ins Tsungli-Yamen , sei es zu mehr oder minder kurzweiligen Gesellschaften getragen worden waren , und die sie nun zum letztenmal für den Weg zur Station besteigen sollten . Früh auch waren alle Trabanten der Taitai zur Stelle , mit Blumen in den Händen , Abschiedsschmerz im Herzen und hohen gelben Stiefeln an den Füßen , um der scheidenden Angebeteten reitend das Geleit zur Eisenbahn zu geben . Als die Reisenden nun aus der Haustür auf die zum Garten herabführenden Stufen traten , sah der kleine graue Ta-jen ernster noch aus als sonst , reckte die unscheinbare Gestalt und blickte sich feierlich um , als erwarte er , daß hier an seinem bisherigen Tätigkeitsfeld , zur Erinnerung an sein Wirken , Lorbeeren von selbst zu sprießen begännen . Die Taitai dagegen schien so gleichgültig , als handle es sich um einen alltäglichen Ausgang . So setzten sie sich in die Sänften , auf Kommando hoben die Träger sie empor , und schwingenden Schrittes ging es hinaus aus dem großen Tor . Im selben Augenblick aber ertönten laute , langanhaltende Salven von Feuerwerk und Schwärmern , vor denen zu fliehen eine der Eigentümlichkeiten chinesischer böser Geister sein soll , und die daher bei Abreisen stets in reichlichem Maße abgebrannt werden . Der unmittelbar sichtbare Erfolg war indessen , daß die Ponies der jungen Herren zu scheuen und schlagen begannen , um dann im Galopp mit ihren Reitern durch die von Gaffern gefüllte Gesandtschaftsstraße zu jagen . In Maultierkarren folgten die Boys mit dem Gepäck . Tschun saß auf dem Schaft des Wagens , in dem Madame Angèle mit Tin chau fuhr . Die stets Kummervolle schien beinahe lustig , so froh war sie , Peking zu verlassen . » Mein armer Tschun , « sagte sie , » ich glaube , Du hast unrecht getan , nicht mit uns kommen zu wollen . Heute nacht träumte mir , ganz Peking brenne . Es sah aus wie Paris während der Kommune . « Während sich Madame Angèle noch in allerhand düsteren Prophezeiungen erging , starrte Tschun vor sich hin in die Straßen . Gedankenlos zuerst , dann aber mit plötzlich erwachter Aufmerksamkeit . Denn es wollte ihm scheinen , als sei die Menge in den Straßen anders als sonst . Nicht mit dem gewohnten gleichgültigen Stumpfsinn schauten die Leute dem Zug der Fremden nach , sondern etwas ausgesprochen Feindliches lag heute in all den kleinen , tückischen Aeuglein . Und Gesichter waren darunter zerstreut , die aus anderen Landesteilen stammen mußten . Am Hatamen herrschte arges Gedränge . Fuhrwerke und Fußgänger hatten sich in dem tiefen Torweg gestaut . Der Maultierkarren mußte halten . Von dem vorwärtsdrängenden Gewühl wurden zwei wild aussehende Leute dicht herangeschoben , und Tschun hörte den einen sagen : » Da flüchten einige der fremden Teufel , « worauf der andere antwortete : » Die übrigen werden wir rasch genug ins Jenseits befördern . « Dann wandte