rot und grau Geflecktes zwischen den Händen hatte , stieg über den Seppi Ruechsam hinüber , trat vor den ruhig am Zaune kauenden Zelter des Propstes hin und erzählte die Geschichte der Hängmooser Ochsen und der siebzehn gepfändeten Milchkühe . Ganz ehrlich erzählte der Ältestmann diese Geschichte , genau aufs Härchen , wie er sie erlebt zu haben glaubte . Und dennoch war diese Geschichte etwas völlig andres als die Wahrheit . Aber das Recht , von dem der Ältestmann berichtete , konnte er beweisen - mit zitternden Händen hob er zu dem Propste den knitterbrüchigen , vom grauen Sattelschmutz des Marimpfel und vom roten Blut des Seppi Ruechsam befleckten Weidbrief hinauf . Herr Otmar zog die Hand zurück . » Franzikopus , lies ! « Während der Kaplan sich in das Studium der halberloschenen Schrift vertiefte , hörte man neben dem Rauschen der Ache nur das schwere Atmen dieser hundert harrenden Menschen . Nun sprach der Kaplan . Zu seinem Herrn nur . Doch seine Stimme klang so laut , als spräche er zu vielen . » Herr , das ist klares Recht ! Da fehlt kein Hauch und kein Stäublein . Auch Wachs und Siegel waren da . Man erkennt noch deutlich die Stelle . Ich muß entscheiden , daß diesen braven Leuten schweres Unrecht geschah . « Runotter sagte : » Das haben die mutwilligen Knecht - « Er wurde von hundert Stimmen überschrien , während Franzikopus dem Ältestmann das rot und grau gefleckte Pergament zurückgab . Herr Otmar , der die Hand erhoben hatte , wollte sprechen . Doch Franzikopus kam seinem Herrn zuvor und sagte , wieder nur zu seinem Propste , aber sehr laut und langsam : » Herr ! Diese armen Leute erbarmen mich . Sie sind in harter Lage . Zu Berchtesgaden wird man immer fragen : Ochsen oder Kühe ? Da wird man sagen : Meuterei ! In solchem Falle straft man zuerst . Und dann untersucht man . Ich sehe zu meiner Sorge , daß an der Ramsauer Straße alte Ulmen mit starken Ästen stehen . « Aus der dumpfen Bewegung der hundert Ramsauer klang eine heitere Stimme heraus : » Kann sein , da blüht mir der fünfte Hänfene ! Oder der sechste ? Ich weiß nimmer recht . « Franzikopus guckte einen Augenblick verwundert den stämmigen Soldknecht an . Dann sprach er bekümmert weiter : » Kommen die Exekutierer , so werden diese guten Menschen aus Irrtum ihres Fürsten morgen ärmer sein um viele Ochsen , Kühe , Ziegen , Schafe und Schweine . Auch ärmer um einige Köpfe . Nein , lieber Herr , es liegt mir ferne , diesen redlichen Leuten einen unbegehrten Rat erteilen zu wollen . Doch jeder Mensch darf menschlich denken . Wenn ich heut ein Ramsauer wäre , würde ich mich noch vor Dunkelheit mit Weib , Kind , Vieh und Sack davonmachen und mich einem Heiligen anvertrauen , der hilfreich ist . In seinem Schutze kann man geduldig eine bessere Zeit erwarten . « Runotter rief : » Solang ich in mir noch einen redlichen Schnaufer hab , will ich nit hoffen , daß die Gnotschaft so was tut . « Schnell redete der Kaplan in den Lärm hinein , der diesen Worten folgte : » Gewiß nicht ! Nein ! Ihr müsset Recht bei eurem Fürsten suchen . Er kann auch gnädig sein . Wenn er es immer wäre , müßte bei so redlichen Menschen , wie ihr es seid , dieses schöne Tal ein Haus des Glückes in einem Rosengarten sein . Ein gütiger Fürst macht seine Bürger froh und füllt die Truhen seiner Holden mit dauernden Schätzen . Meines Herren schönes , friedliches Hall heißt nicht umsonst : das reiche . Wir Chorherren zu Hall sind arme Leute , die sich mit trockenem Brot begnügen . Doch meines Herren Untertanen leben in Überfluß , in Freiheit und Freude . Bei manchem Nachbar ist es umgekehrt . « Ein so sehnsüchtiger Lärm entstand , daß Herr Otmar wieder die Hand erheben mußte . Er betrachtete seinen Kaplan mit einem ehrlichen Blick des Unwillens und sprach : » Ihr Leute ! Hört nicht auf diesen Schmeichler ! Suchet Recht und Gnade bei eurem Fürsten , wie es sich für treue Holden gebührt . « In seine Stimme kam ein seltsam unsicherer Klang , als müßte er aus dunklen Gründen sprechen , was er selbst nicht sagen wollte . » Solltet ihr gerechte Gnade bei eurem Fürsten nicht finden , dann mögt ihr in Gottes Namen tun , was euer verbrieftes Recht entschuldigt und eure bittere Not begehrt . « Er gab seinen Leuten einen Wink . Der eine Läufer hob den Seppi Ruechsam zur Linken hin , der andre zog den Schwarzecker um eine Menschenlänge nach rechts , und Herr Otmar Scherchofer begann zu reiten . Viele Hände streckten sich zu ihm hinauf , viele Stimmen bettelten und fragten . Herr Otmar sprach kein Wort mehr . Doch immer wieder machte er segnend das Zeichen des Kreuzes mit der schlanken Hand , daran der Smaragd seines Hirtenringes in der Sonne blitzte . Und als die verstörten Menschen den Zelter des Propstes umdrängen wollten , ritten die vier Bewaffneten mit freundlicher Achtsamkeit neben ihren Herrn hin . Die Pferde begannen zu traben , der nachkommende Wagen ratterte hinter den galoppierenden Maultieren , die Läufer sprangen voraus , und der Trompeter blies von Zeit zu Zeit drei schmetternde Töne . Franzikopus lächelte behaglich , doch Herr Otmar hatte ein mißmutiges Gesicht . Er war unzufrieden mit sich selbst . Und während der tobende Lärm der Ramsauer hinter ihm zu versinken begann , sagte er leise : » Heute bin ich schon wieder siebenmal des Kirchenbannes und der Hölle schuldig . « » Nicht um dieser letzten Stunde willen . Klugen Erwerb begreift und verzeiht die Kirche . Von Gott weiß ich es nicht mit Sicherheit . Aber ich traue ihm das beste zu und hoffe , er wird die guten Ramsauer noch