in ihre Ecken zu setzen , wie ich es an den Bildertafeln der Kirche zu Sonnenreuth gesehen hatte . Von Zeit zu Zeit aber wurden die fertigen und gerahmten Tafeln in eine hohe Kirm gepackt ; der alte Thomas holte seinen Knotenstock aus der Ecke , setzte einen hohen , spitzigen Hut auf und ging auf die Märkt : bald nach Schliersee oder Miesbach , bald nach Tegernsee oder Tölz , indes ich daheim die Hütte mit den Tieren versorgte und auf das Tägliche acht hatte , bis der Vater nach etlichen Tagen wieder zurückkam und mir ein kleins Angebind auf den Tisch legte . Doch hätt sich solch ein Reisen wohl nicht ausgetragen und gelohnt , wenn der Vater Thomas nicht schon längst als Exvotomacher einen guten Namen und eine gewisse Kundschaft gehabt hätte . So aber bracht er zu allen Zeiten reichlich Verdingungen heim aus der ganzen Gegend . Da brauchte die Reiserin von Miesbach eine große Tafel ; sollt auf den Birkenstein zu unsrer lieben Frau kommen , mußt eine Kindlstuben als Bild haben und drunter die Inschrift : » Anno 1802 den heiligen Christtag hat Creszentia Reiserin zu Miesbach dies Bild hierher bringen lassen als eine Dankgab unserer lieben Frauen für Hilf in schweren Kindsnöten . « Hatte dem Alten einen Silbergulden dafür gezahlt und ein Häflein mit Honig dazu für seinen kelzenden Husten . Der Angerer von Hausham brauchte auch ein Taferl , darauf er selber abkonterfeit sein sollte , liegend unter dem Leiterwagen ; und sollt ein starks Gewitter sein und die Rosse sich gar wild aufbäumen , drüber die heilig Jungfrau und drunter eine Danksagung zu finden . Gab dafür einen halben Gulden und einen Ranken geselchts Fleisch von der Christtagsau . Also kamen unsere Bildertafeln überall hin : nach Altenötting , auf den heiligen Berg zu Andechs , zu unserer lieben Frau vom Birkenstein , ins Mariazell und auf Herrgottsruh ; und es zeigte ein jeds Stuck ein anders Leid und Gebrest , Unglück oder Anliegen . Standen auch allerhand Sprüch und Danksagungen drunter , die das Unglück meldeten und auch die wunderbare Hilf ; und es hat sie alle der gut Vater Thomas selber ausgedacht und draufgemalt auf die Tafeln . Hab mir ein etlichs paar davon in meinem Gedächtnis aufgeschrieben und kann nicht umhin , sie hierherzusetzen und mich noch einmal daran zu ergötzen und zu erbauen : Anno 1803 im Maien ist Eine große Plag im Land gewesen , Da ham die Mäus das ganz Gedraid z ' sammgfressen , Ham ' s abgebutzet auf dem Feld , Als wär es abgemaht ; In solcher Drangsal uns Die Muetter Gottes gholfen hat , Daß unser Feld und Acker Unversehret blieb , Indem sie solche Mäus Ins Schwabenland hintrieb . Bei uns ist widrum Ruh , Indes man z ' Augsburg klagt , Maria für dein Hilf Sei Dank gesagt ! Diese Tafel wurde gestiftet von den Bauern zu Länggries in die Wallfahrtskirch zu Andechs und wurde dafür dem Vater die Summe von sieben Gulden als Lohnung gegeben . Eine andere , unserer lieben Frauen zu Altenötting geweihte Exvototafel hieß also : » Sitzen alle daheimt im Haus , Grad der Michl ist noch draußt , Hat sein Sensen an Eichbaum glaihnt Und ein Unglück nit vermeint , Da kömmt ein Blitz und Dunnerklapf , Der Michl stürzet mit großer Klag . Doch hat ihm die schwarz Muetter das Leben gschenkt Deßwegen ist allhier diese Tafel aufghenkt . « Muß auch noch einer Tafel gedenken , die unserer lieben Gottsmutter zu Ebbs im Tirol gestiftet wurde . » Die Steinmüllerin zu Ebbs Muß neunzehn Kinder gebärn , Heilige Muetter Gottes hilf , Daß sie alle selig wern ! Der Steinmüller hat 22 Frischling Von einer Sau , Sind all glücklich davonkommen Mit Hilf unserer lieben Frau . « Ein alts Weiblein aus dem Landl ließ für die Mutter vom Birkenstein auch ein Täflein machen , und es sollt dieser Dankspruch drunter kommen : » Walburga Märzin verlobt sich mit offenen Füßen , Maria hat geholfen - Gott sei gepriesen ! « Zahlte auch willig zwölf Kreuzer Lohnung für das Bild und wünschte noch tausend Vergelts Gott als Dreingab . So brachte sich also der alt Beham Thomas mit seinem Handwerk gut durch und sagte manchesmal zu mir : » Es is do schad um mi , daß i nit gheirat hab ; i woaß wirkli nit , für wen daß i arbat . Kunnt oana leicht amal schön erbn von mir ; aber so - so muß i s ' halt selber umbringen , meine Kreuzer ! - Und du kannst mir dabei helfen ! « Weiß Gott , das hab ich auch getan und hab mirs gut gehen lassen bei dem alten Thomas . Aber der Lauf dieser Welt bringt ' s halt mit sich , daß es der Mensch , wenn ' s ihm gut geht , noch besser haben möcht , daß den Gaul gar bald der Haber sticht und die Zufriedenheit alle Tag rarer wird und geringer . Und aus dieser Ursach geschah es auch , daß ich , eh ichs recht bedacht , jenem Esel glich , der , wenn ' s ihm zu wohl wird , aufs Eis geht . Das Tiroler Katherl Mocht also ein guts Jahr bei dem Bildlmacher gewesen sein , als mir auf einmal das Rahmerlschneiden und Geißlmelken nimmer gefiel ; konnt auch die ewig Fastenkost nicht mehr recht vertragen und bekam allerhand Beschwernis , wenn ich bloß an die Geißmilch dachte . Wollt auch meinen Leib ein bißl besser sich ausgehen lassen ; denn des Wegs von der Hütte zum Wald oder nach Bayrischzell war ich gemach überdrüssig worden . Faßte mir also am End ein Herz und sagte dem alten Thomas , daß ich ein G ' lusten hätt , mir die Welt anzuschauen und was zu werden . Nun mochte mich der alt Vater wohl für einen Dummerl halten , der übernacht allen Verstand verloren hatte ;