rundum von einem weiten Kranze grüner Smaragde eingefaßt schien , deren Konturen flimmerten und glühten . » Das ist der Kanubisee , « sagte Pappermann . » So nahe er uns zu liegen scheint , so weit ist er entfernt . Drei Stunden sind es von hier aus , bis man ihn erreicht . Darum lagern wir hier . Und zwar , wenn es Euch recht ist , an demselben Orte , an dem ich schlief , als ich zum ersten Male in diese Gegend kam . « Er führte uns nach einer auf drei Seiten ganz und auf der vierten auch noch halb eingeschlossenen Stelle , welche sehr guten Schutz gegen den hier oben sehr kühlen Nachtwind bot . Ein Wasser war in der Nähe . Futter für die Pferde gab es auch . So konnten wir uns also keinen bessern Lagerplatz wünschen . Das Zelt wurde schnell errichtet und ein Feuer angebrannt . Das Zelt war immer nur für meine Frau . Wir Männer zogen es vor , im Freien zu schlafen . Es war jetzt die wundersame Zeit des Indianersommers , in der man es selbst auf solcher Höhe des Nachts außerhalb des Zeltes aushalten kann . Während des Essens wurde es Abend . Der Mond ging auf . Er stand im ersten Viertel . Die Luft war ohne Nebel , vollständig rein und klar . Wir konnten weit sehen , fast so weit wie am Tage , nur daß die Konturen jetzt unbestimmter waren und ineinander flossen . Der leuchtende Diamant war jetzt zur weißsilbernen Perle geworden . Pappermann begann , ohne von uns aufgefordert worden zu sein , zu erzählen . » Genau so wie heut , « sagte er , » lag der See damals vor meinen Augen . Es zog mich zu ihm hinab . Ich wachte sehr zeitig auf und setzte mich auf das Pferd , um fort zu reiten , ohne eigentlich ausgeschlafen zu haben . Es war in der Morgenfrühe kühl . Darum ritt ich ziemlich rasch und erreichte grad mit Sonnenaufgang den See . Ich sah im Grase Spuren von Menschen , von Indianern . Ich nahm mich also in Acht , versteckte mein Pferd und ging den Spuren vorsichtig nach . Sie führten durch die Büsche an das Wasser . Dort angekommen , sah ich Hütten stehen , oder vielmehr Häuser . Nicht halbwilde Wigwams oder Zelte , sondern wirkliche Häuser , aus Balken , Bohlen , Planken und Schindeln hergestellt , genau so wie die Gebäude , aus denen früher , ehe die Weißen kamen , die Städte und Dörfer der Indianer bestanden . Mehrere Boote lagen am Ufer . Fischernetze waren zum Trocknen aufgehängt . Außerrordentliche Sauberkeit überall . Nirgends ein Schmutz , eine Waffe , ein blutiger Rest eines Wildes , ein Zeichen von Jagd und Tod . Tiefes Schweigen rings umher . Nichts regte sich . Die Türen waren geschlossen . Man schlief noch , und zwar ganz ohne Sorge , denn einen Wächter sah ich nicht . Es schien heut ein Ruhetag zu sein . « » Ich schlich mich näher , bog um eine Ecke des Gebüsches und sah - - sah - - sah das schönste Mädchen , ja bei Gott , das schönste , das allerschönste Mädchen , welches meine alten Augen , so lang ich lebe , jemals erblickten ! Ich bitte , es mir zu glauben ! Sie saß auf einem hohen Steinblock des Ufers und schaute nach Osten , wo die Sonne soeben erschien . Sie war in weiche , weißgegerbte Tierhaut , mit roten Fransen verziert , gekleidet , und ihr langes , dunkles Haar hing , mit Blumen und Kolibris geschmückt , weit über den Rücken herunter . Als die Kolibris im ersten Strahle der Sonne zu funkeln begannen , erhob sie sich von ihrem Sitze , breitete die Arme aus und sagte im Tone der Andacht und Bewunderung : O Manitou , o Manitou ! Weiter sagte sie nichts . Dann faltete sie die Hände . Aber ich sage Euch , daß ich niemals in meinem Leben ein besser gemeintes und aufrichtigeres Gebet gehört habe , als diese einzigen zwei Worte . So stand sie lange , lange , in die Sonne schauend . Ich blieb nicht stehen . Sie zog mich an wie ein Magnet , dem man nicht widerstreben kann . Ich schritt auf sie zu , aber langsam , zögernd , leise , in beinahe heiliger Scheu . Da sah sie mich . Sie erschrak nicht etwa . Sie bewegte keinen Fuß , keinen Finger , kein einziges Glied . Sie sah mich nur an . Aber mit so großen , offenen , erwartungsvollen Augen ! In diesen Augen lag dieselbe Sonne , die dort im Osten aufgegangen war . Vor so viel Seltenheit und Schönheit wurde ich zum Dummkopf , zum Tölpel . Ich vergaß , zu grüßen . Heut kann ich mir wohl denken , wie klug und wie geistreich ich damals ausgesehen habe ! Ich wußte und bemerkte nur das Eine , nämlich daß sie erwartete , von mir angesprochen zu werden . Das tat ich denn auch . Aber anstatt höflich zu sein und zu grüßen , beging ich die größte Unhöflichkeit , indem ich sie fragte : Wie heißest du ? Sie antwortete : Ich heiße Aschta ! Das kam mir zunächst wie ein Kosename vor ; später aber erfuhr ich , daß Aschta ein wirkliches Indianerwort ist und so viel wie Güte bedeutet . Also , sie hieß die Güte , und das war sie auch . Ich habe sie niemals anders als still , fromm , wohltätig , rein und gütig gesehen . Kein Flecken war je an ihrem Gewande , und kein unlauteres Wort ist je über ihre Zunge gekommen . Ich kann Euch sehr wohl sagen , daß ich damals sehr oft am Kanubisee gewesen bin und mich monatelang in seiner Nähe herumgetrieben habe . Ich bin stundenlang und tagelang an ihrer