, vornehm gesehen . Die kecke Fürstin richtet oft das Wort an ihn , er wirft Dolche statt Worte zurück . Gestern fragte sie ihn nach Desdemona . Mit einer fürchterlichen Kälte erwiderte er : Eine Schlange hat ihr Leben vergiftet und sie von dem Ort vertrieben , wo sie glücklich war - jetzt ist sie wahnsinnig . Konstantie erbleichte . Ich fragte ihn später , ob es gräßliche Erfindung seines Grimmes sei . Nichts weiter , erwiderte er , und reichte mir einen Brief . Er war aus Wien und von Desdemona angefangen ; sie schrieb mit herzzerreißender Sehnsucht , ihre Liebe stand auf einer Höhe , vor der ich selbst schwindelte - die Fortsetzung war von einer uns unbekannten Dame , welche Hippolyt mitteilte , daß Desdemona in ein hitziges Fieber verfallen sei , und daß die Ärzte für ihr Leben und für ihren Verstand alles besorgten . Möge es Dir besser ergehen als uns . Leb ' wohl . 22. Julia an ihre Mutter . Wie es mir geht , meine liebe , liebe Mutter ? Gut - schlecht - die Worte passen nicht dafür ; unglaublich wunderlich . Für Augenblicke fühl ' ich mich beseligt , ich schwimme in Blütendüften , und dann kommt wieder ein langer Tag unaussprechlicher Angst , kindischer Verzweiflung . So leiten die Dichter gewöhnlich ein , wenn sie ein verliebtes Mädchen einführen wollen ; ich weiß , wie oft Papa darüber lachte , aber hier ist es doch ein wenig anders . Ein junger Mann , von aller Welt kurz Hippolyt genannt - er soll der Sohn eines spanischen Grand sein - macht mir auf eine beispiellose Weise den Hof . Sein stürmisches Wesen , mit dem er mich übereilte , hat mich tödlich erschreckt ; was ich von der Fürstin Konstantie , die seit einigen Tagen hier ist , vernehme , was ich an der unglücklichen Alberta sehe , die ihn glühend liebt , und plötzlich von ihm verlassen ist , flößt mir ein Grauen vor dem Menschen ein . Und dabei ist er zauberhaft schön , beredt , liebenswürdig - ach meine liebe Mutter ! dafür ist der Ausdruck erfunden : er ist ein gefährlicher Mensch . Wenn alles wahr ist , was man vereinzelt von ihm hört , so ist er ein solcher Ausbund von Lasterhaftigkeit , eine solche Größe von Untugend , daß man versucht wird , ihn zu bewundern . Er weiß z.B. um Albertas heftige Neigung für ihn , er hat sie hingenommen wie ein angenehm Geschenk , und vom Tage meiner Ankunft an nicht die mindeste Notiz mehr davon gezeigt . Meinst Du nun aber , daß er in ihrer Gegenwart befangen , auch nur im mindesten befangen wäre ? Gott bewahre ; er unterhält sich harmlos , als ob gar nichts vorgefallen sei . Mich verfolgt er mit den feurigsten Versicherungen seiner Liebe ; aber selbst in seinen Bitten liegt etwas Wildes , Herausforderndes . Der Himmel weiß , was die Fürstin gegen ihn hatte , sie nahm in der ersten Zeit ihres Hierseins unglaublich leidenschaftlich Partei gegen ihn , sie war immer so erregt , wenn sie von ihm sprach , daß ich eine Zeitlang glaubte , sie habe eine glühende Neigung in die Livree des Hasses gekleidet - es war ein auffallender Anblick , diese stolze gewaltige Frau und den imponierenden Hippolyt einander gegenüber sitzen zu sehen : Konstantie sah ihm vornehm , fest , starr in die Augen , als erzähle sie ihm eine Geschichte von seiner eigenen Nichtswürdigkeit ; er gab die Blicke sprühend zurück und warf einen ganzen blitzenden Wolkenhimmel mit lauter Zerstörung und Verachtung in ihre Augen , der verächtlich heruntergezogene Mund sprach die Erläuterung jener fürchterlichen Blicke . So oft er den Namen Desdemona aussprach , war der Stolz der Fürstin gebrochen , ihre Schlacht verloren - es ist unverkennbar , daß sich die beiden Leute gekannt , und vielfache Beziehungen zueinander haben . Konstantie ist heftig , leidenschaftlich , sogar rachsüchtig , weil sie nicht nur eitel , sondern stolz ist - sollte es ihr vielleicht mit Hippolyt wie der armen Alberta ergangen sein ! Ich will doch genau achthaben , oder Hippolyt selbst einmal fragen - erinnerst Du Dich nicht , liebe Mutter , wie verwegen sie vorigen Winter in Berlin über dergleichen Dinge sprach , wenn sie des Donnerstags in unsere kleineren Gesellschaften kam ? Ich habe mich immer vor ihrer Art zu lieben gefürchtet ; ihre Neigungen sind ein glühender Sirokko , und sie paßt eigentlich ganz zu Hippolyt . Die gute Alberta hat einige Tage unaussprechlich gelitten , jedoch es scheint mir wie eine hitzige Krankheit mit Heftigkeit , aber schnell vorübergehen zu wollen . Ihr zum Glück und uns allen zur Freude ist ein Herr Valerius hier , der auf alle den wohltätigsten Einfluß ausübt . Er ist der einzige , mit dem Hippolyt in seiner jetzigen Leidenschaft , die aus allerlei Ingredienzien zusammengesetzt ist , redet . Ich glaube , Hippolyt haßt die Fürstin ebenso , wie er mich zu lieben glaubt , und wenn ich dem Manne heute sagte , ich liebe ihn , so teilte ich wahrscheinlich in einigen Wochen das Schicksal seiner Verlassenen - ich will aber mein Schicksal mit niemand teilen , ich will mich durch nichts hinreißen , übereilen lassen , ich will nicht diesen Gefühlsaufwand , diese Stürme , diese Unebenheiten , dies unersprießliche Geräusch . Liebe Mutter , ich bin meines Vaters Tochter , schilt mir nicht dies mein Wesen . Es macht diese innere Ordnung nur mein Glück . Könntest Du Dich mit mir hier umsehen , wie die Neigungen , Leidenschaften , Verhältnisse bunt durcheinander liegen , wie in einem ungeordneten Zimmer , Du würdest mit mir davor zurückschrecken . Solche Unklarheit , Verworrenheit meiner inneren Dinge ist immer ein Unglück für mich , das mich zu Tode hetzte wie ein Gespenst . Darum lobte ich den Herrn Valer ; fast alle lehnen sich an ihn , weil er allein