eines Mittags Beppo und brachte einen Strauß schöner Blumen und ein deutsches Zeitungsblatt . » Das hat mir ein Herr von der deutschen Gesandtschaft gegeben , um mein Werkzeug darin einzuschlagen ; ich hatte bei ihm Reparaturen gemacht . Vielleicht freut es Sie , liebe Signorina , es zu lesen , da Sie die deutsche Sprache so gut kennen . Ach , wie ich Sie beneide um das viele Wissen , « setzte Beppo seufzend hinzu . » Du beneidest mich , Beppo , das hätte ich nicht von dir geglaubt , « sagte Rosa scherzend und lächelte . » O nein , so mein ' ich ' s nicht , « rief der ehrliche Bursche ganz erschrocken . » Bei der heiligen Mutter Gottes , ich wollte , der Himmel schüttete alles Glück auf Sie nieder , das er seinen Engeln gibt . Ich meine nur , es muß so herrlich sein , soviel zu wissen , und ein großer Trost . « » Das ist es auch , guter Beppo , « sagte Rosa ; » es ist ein Glück , mit großen Geistern zu verkehren , aber höher noch als alles Wissen ist ein Herz wie das Vittorias und das deine , glaub es mir , Beppo ; solche Herzen kommen unmittelbar von dem Urquell der Liebe , von Gott ; das Wissen muß erst erworben werden und führt erst langsam zu Gott zurück . « Beppo hörte immer , gerade wie seine Schwester , mit gefalteten Händen und in andächtiger Ekstase zu , wenn seine » Heilige « so sprach , und wenn er sie auch nicht immer ganz verstand , so fühlte er doch etwas in seinem Gemüt vor sich gehen , wie wenn Weihrauchwolken in einem Heiligtum nach oben steigen und vom Altarbild eine Madonna Raffaels mit holdselig verklärtem Lächeln auf uns niederschaut . Tränen in den Augen und in geweihter Stimmung ging er still aus dem Zimmer , um sich an seine Arbeit zu begeben . Rosa sah ihm freundlich nach und dachte : » Ja , im Reiche Gottes werden solche Herzen Ehrenkleider tragen , während der Purpur und die Kronen der Erde als Staub des Vergänglichen verweht sind . « Da fiel ihr Blick auf die deutsche Zeitung , die Beppo ihr gebracht ; halb mechanisch nahm sie diese und warf einen Blick hinein . Bald aber fing ihre Hand an zu zittern , über ihr Antlitz verbreitete sich der Ausdruck unsäglichen Schmerzes und ihr Auge folgte unverwandt den verhängnisvollen Worten , die ihr entgegenstarrten wie lauter Speere , deren ein jeder ihr Herz mit tötender Schärfe traf . Sie las : » Noch ist unser ganzes Land unter dem Eindruck der tiefen Bestürzung und namenlosen Trauer , die das unerwartete , schreckliche Ende des allgemein geliebten Kronprinzen und Thronfolgers Waldemar hervorgerufen hat . Der Eindruck ist um so tiefer und erschütternder , als die schreckliche Katastrophe durch die edle , großmütige Selbstaufopferung und den hochherzigen Mut dieses seltenen Fürstensohnes herbeigeführt worden ist . Er war hingeeilt , um den durch die furchtbaren Überschwemmungen dieses Frühjahrs in tiefes Elend geratenen Bevölkerungen Hilfe und Trost zu bringen . Da , wo die Wasser sich schon verlaufen hatten , war sein Erscheinen wie ein erster belebender Hoffnungsschimmer für die Betroffenen . Aber es blieben Distrikte , wo noch alles unter Wasser stand und die reißenden Fluten unbarmherzig nicht nur die Hoffnungen des Landmannes auf den schon bestellten Fluren , seine geringe Habe und sein Obdach vernichteten , sondern auch schon mehrere Menschenleben zum Opfer verlangt hatten . Als Prinz Waldemar ankam , war ein ganzes Dorf in dem tobenden Meer versunken und die Bewohner desselben hatten mit verzweifelnder Angst ihr Hab und Gut untergehen gesehen und nichts als das nackte Leben gerettet . Nur ein Häuschen stand noch auf einer kleinen Anhöhe inmitten der Wogen , die aber bereits bis zum Fuße des schwachen Bauwerks gelangt waren und höher zu steigen drohten , um es mit in den Strudel hinabzureißen . Da erhob sich plötzlich ein lauter , einstimmiger Weheruf der am Ufer versammelten Unglücklichen , die bisher wie erstarrt in stummer Verzweiflung dem Werk der Vernichtung zugeschaut hatten . Auf dem Dach des bedrohten Häuschens erschien ein Weib , in jedem Arm ein kleines Kind , und mit verzweifelnden Gebärden hilfeflehend nach den Geretteten schauend . Heiliger Gott , das ist die Margaret ! riefen mehrere Stimmen auf einmal : sie war draußen auf dem Feld , ihre Ziege heimzutreiben , als die Wasser ankamen , und stürzte ins Haus , um ihre Kleinen zu holen , die darin im Schlafe lagen . Inzwischen sind die Wasser so schnell gestiegen , daß sie nicht fortkonnte . Wer rettet , wer rettet sie ? So schrie man durcheinander . Die Frauen rangen die Hände , die Männer sahen sich untereinander bestürzt an , aber keiner wagte sich hervor , sich zum Retter anzubieten . Prinz Waldemar trat vor und rief : Ist denn ihr Mann nicht da , der das Leben für sie wagt ? Sie ist Witwe , Herr - die bravste Frau vom ganzen Dorf - die rüstigste Arbeiterin von Morgen bis Abend , um ihren Kindern Brot zu schaffen - ja - ja , das ist wahr , so tönte es von allen Seiten . Wer wagt es , sie zu retten ? rief der Prinz ; hier ist Geld , es wird sein Lohn sein und noch mehr ! Dabei hielt er einen gefüllten Beutel in die Höhe . Aber niemand rührte sich , keiner der Bauern hatte den Mut , sich auf das tobende Element zu wagen . Ein Boot her ! befahl der Prinz und als man es brachte , rief er : Wer wagt mit mir die Fahrt ? Ein Schauer der Ehrfurcht und Bewunderung durchlief die Menge , aber die kleine Liebe zum Leben und die Furcht waren größer als die Bewunderung des Heldenmutes , und keiner trat hervor . Der Begleiter des Prinzen ,