hier im Oriente vorsichtig zu sein habe . Es gibt da schlafende Riesen , welche man , wenn auch nicht für schon tot , ober doch für sterbend hält . Wenn ein Schlafender zuweilen eines seiner Glieder bewegt , soll man das nicht für Todeszuckung halten . Ein solcher Riese ist der Islam . Er schläft , und darum sehen wir an ihm nur das , was wir positives , unwillkürliches Leben nennen . Wir dürfen ihn berühren , seinem Kopfe , seinem Arme , seiner Hand vorsichtig eine andere Lage geben . Wenn wir keine Mörder sind , wird er erwachen , unbedingt erwachen , und es steht bei uns , ob dieses Erwachen ein freundliches , friedliches sein wird oder nicht . Die Seele kehrt am Morgen in den Körper zurück , mit ihr das Leben aller seiner Glieder , das Selbstbewußtsein und der Wille mit dem Tatendrang . Der Islam ist das Medium der Seelen aller Völkerschaften , die sich zu ihm bekennen . Die Glieder dieses Riesenleibes ruhen jetzt ; sie verhalten sich passiv . Wer hat Mut , ihn durch irgend eine Gewalttat aufzuwecken ? « » Ich nicht ! « scherzte der Andere . » Lassen wir ihn schlafen , bis er von selbst erwacht . Er wird sich dann freilich sehr verwundert die Augen reiben , wenn er bemerkt , daß er , die Majestät von Muhammeds Gnaden , inzwischen Christ geworden ist . Halten Sie Buddha , Tao , Lao und Konfucius vielleicht auch für solche Schläfer ? « » Nein , denn in keiner der von ihnen gelehrten Anbetungsformen liegt die Aggressivität , welche dem Christentum und dem Islam eigen ist . Hier liegt die Gefahr für uns nicht auf dem eigentlich religiösen Gebiete . Es handelt sich um den friedlichen Ausgleich zweier ganz verschiedener , in vielen Beziehungen heterogen entwickelter Menschenrassen , der weißen und der gelben . Die rote haben wir glücklich hingemordet , denn was von ihr noch übrig ist , das sind nur noch die letzten , ersterbenden Hauche einer vierhundert Jahre langen , ununterbrochenen Todesklage . Aber für die gelbe Rasse wird uns die Weltgeschichte keinen Kortez und keinen Pizarro liefern , und das ist ein Glück für uns , denn diese Weltgeschichte ist zwar langmütig aber auch unerbittlich gerecht , und das Land , in welchem einst die Sonne nicht unterging , ist durch den Fluch , der auf den Taten seiner einstigen Konquistadoren ruht , und trotz aller seiner berühmten Silberschiffe so klein und arm geworden , daß es weder Raum noch trockenes Brot und Wasser für die wenigen noch lebenden Indianer haben würde . Ein gewaltig ernstes Menetekel für uns , die wir uns eben unterfangen , den Besitz der gelben Rasse unter uns aufzuteilen ! Es steht im Buche des Schicksals geschrieben , daß wer China erobern will , der muß Chinese werden . Es gibt in dieser Rasse ein Ferment , dem keine Rasse widerstehen kann . Sie wird jeden Feind assimilieren , und wer mit ihr verkehren , dabei aber dieser Aufsaugung entgehen will , der muß beherzigen , daß es nur ein einziges Mittel gibt , nämlich Freund anstatt Feind zu sein ! « » Welch ein Glück für unsern Freund Waller ! « erklang es wieder scherzend . » Er wird nicht assimiliert , denn er kommt ja doch als Freund ! « » Irren Sie nicht ! Der Chinese schätzt seinen Glauben nicht niedriger ein als wir den unserigen ; ja , in Beziehung auf seine mehrtausendjährigen Sitten und Anschauungen wird er uns trotz aller sonstigen Ueberlegenheit doch nicht anders als nur Barbaren nennen . Er wird Jeden , der zu ihm kommt , um ihm für seine Religion eine andere anzubieten , für einen Dummkopf halten , und wenn dieser Ignorant bei seinem Vorsatze bleibt , so ist bis zur Feindschaft nur ein kleiner Schritt . Dazu kommt leider Wallers krankhafte Eigenart . Er ist erblich belastet . « » Ihre alte Meinung , lieber Professor ! Ich aber halte ihn zwar für außerordentlich nervös , doch nicht für geisteskrank . « » Das habe ich auch nicht gemeint . Erblich belastet kann man auch in anderer als nur ärztlicher Beziehung sein . Erblich belastet ist für uns der Chinese in Hinsicht auf seinen Ahnenkultus , den er von den Vorfahren geerbt hat . Erblich belastet für den Chinesen ist Waller bezüglich seiner religiösen Unduldsamkeit , welche jedem Gliede seiner Familie seit Generationen anerzogen worden ist . Hält er doch sogar jeden Christen , der nur im Geringsten anders denkt oder glaubt als er , für ewig verdammt und verloren ! Auf religiöse Kontroversen sich mit ihm einzulassen , ist geradezu unmöglich , weil er jede andere Meinung als Beleidigung behandelt . Und dabei gehört sein Christentum nicht einmal einem gewissen kirchlich abgegrenzten Bekenntnisse an , sondern es beruht auf den Lehrsätzen , welche sich in seiner Famile nach und nach herausgebildet haben und von den Eltern auf die Kinder vererbt worden sind . Dazu kommt , daß er seinem Vater hat versprechen müssen , Missionar zu werden , um durch die Verbreitung dieser religiösen Familientraditionen möglichst viele Heiden zu bekehren und dadurch für sich und seine Vorfahren bei Gott ein Verdienst zu erwerben , welches ihnen im Jenseits angerechnet werden muß . « » Vorfahren ? Das grenzt ja an den chinesischen Ahnenglauben ! « » Natürlich ! Und doch wettert er so gegen ihn ! Seine verstorbene Frau , eine wahre Engelsseele , milderte , so viel sie konnte . Sie hätte ihn , wenn sie am Leben geblieben wäre , wohl nicht nach China gehen lassen . Es ist ihm gelungen , durch Verbreitung jener religiösen Traditionen so eine Art von Sekte um sich zu bilden , zu welcher sehr reiche Leute gehören . Diese haben es für ein Gott wohlgefälliges Verdienst gehalten , ihn nach dem Tode seiner Frau mit den nötigen Mitteln zum Beginnen seines Missionswerkes auszustatten . Diese Mittel sind